Filmkritik: Exit Marrakesch (2013, mit Ulrich Tukur, R Caroline Link) – 6 Sterne – mit Video & Kritikerstimmen


Die Geschichte um den 16jährigen, altklugen Ben, der in die marokkanische Wüste ausbüchst und von seinem Theaterregisseur-Vater wieder eingefangen wird, ist dezidiert unrealistisch. Aber das spielt fast keine Rolle, denn Regisseurin Caroline Link kredenzt wie schon in Nirgendwo Afrika zwei Stunden lang prächtige Bilder, hier zumeist in Gold-metallic abgetönt. Samuel Schneider als jugendlicher Ben sieht zudem unverschämt gut aus. Die Eindrücke changieren seltsam zwischen Studiosus-Touristenklischees und Alltagsmarokko jenseits der Stereotypen, aber sie sind immer schön.

Manche Kulissen erinnern frappierend an die Marokko-Szenen aus Babel, mehr als an den Marokko-Film The Sheltering Sky, der pflichtschuldig erwähnt wird, dazu gibt es plottechnisch ein paar Anklänge an den Roman Der Sandmann von Bodo Kirchhoff. Wer keine Erfahrung mit Diabetes hat, versteht die Dramatik des Films nicht. Das Vater-Sohn-Beziehungsgedöns nervt, die Romanze um Karima wird vergessen, und das befürchtete Friede-Freude-Ende tritt gnadenlos ein.

„Visuelle und erzählerische Klischees…“ – die Kritiker:

Der Spiegel:

Das Überfrachten einer ohnehin schon überladenen Geschichte mit visuellen und erzählerischen Klischees… eine bestensfalls naive Sicht auf Stadt und Land, die selten mehr als touristische Schauwerte aufzuzeigen weiß… Dass keine der Figuren in ihrer Psychologie überzeugt, ihre Konflikte und Krisen aber gleichzeitig völlig voraussehbar sind

Die Zeit:

…einen Film gedreht, der malerischer nicht sein könnte, der in jedem seiner müllbereinigten Bilder schwelgt… Nur leider ist die Coming-of-Age-Geschichte des Films ziemlich belanglos und klischeebelastet.

FAZ 1:

Ein mitreißender Film… eine wunderbar unbekümmerte Liebesgeschichte und ein wunderbar unbekümmerter Film insgesamt… Er ist eine Liebeserklärung an die arabische Welt, ihre Gerüche, Musik und Farben… ein handwerklich gut gedrehtes Werk, mit differenzierten Figuren und einer bis zum Schluss offenen Geschichte.

FAZ 2:

Die leuchtenden Kamerabilder von Bella Halben und die wie stets makellos gebauten Szenen der Regisseurin Link…

Artechock:

Links Hand­schrift ist klar: Sie erzählt realis­tisch, ist frei genug Poesie zuzu­lassen, sie scheute die erzie­he­ri­sche Haltung einiger Kollegen ebenso wie den Hang zur Unter­hal­tung um jeden Preis, der manche Filme so entset­z­lich seicht macht. Link macht sich die Dinge nicht leicht, ohne dass ihre Filme je schwerblütig wären… weil dies eine Geschichte für Erwach­sene ist, die doch irgendwie gut ausgehen soll, wird ein Joint geraucht und der Ödipus-Konflikt so lange verquas­selt, bis man sich in der Wüste versöhnen kann… Etwas mehr südliches Flair und Heiterkeit, etwas weniger Bodenständigkeit hätte der Handlung und den Figuren gut getan. So ist alles recht erwartbar – immer intelligent, schön anzusehen, aber nie richtig spannend

Variety:

Really a small-scale drama somewhat arbitrarily set against an expansive background… Principal thesps are very good, ably supported by a highly (but not ostentatiously) polished production package that errs only in some over-frenetic editing early on. Bella Halben’s widescreen lensing and Niki Reiser’s attractive score make valuable contributions.


Filme & mehr - Empfehlungen auf HansBlog.de:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.