Filmkritik: Die Erfindung der Liebe (2014, mit Mario Adorf, Sunnyi Melles) – 5 Sterne – mit Trailer & Presse

Maria Kwiatkowsky und Bastian Trost sind hier ein armes Pärchen. Darum soll Trost die todkranke, apathische Millionärin Sunnyi Melles heiraten. Diese Geschichte ist kitschig bis unrealistisch, allenfalls als manirierte Farce zu genießen (Buch und Regie Lola Randl). In einem zweiten Handlungsstrang sieht man immer wieder das Filmteam bei der Arbeit am Film, auch in Interviewszenen nach Art eines Making-ofs – Regisseurin, Autor, Maske diskutieren die Arbeit an der Story.

Dieser zweite Filmer-Teil ist amüsanter, auch wegen der amourösen Verwicklungen hier – kaum psychologisch fundiert, aber ein unterhaltsamer Einblick in die Filmwelt und immer sehr gepflegt gefilmt. Die Autoren vermeiden allzu aufdringliche  Parallelen zwischen Rahmen- und Binnenhandlung.

Der zweite Teil, über die Dreharbeiten, kam erst hinzu, nachdem Kwiatkowsky 2011 mitten in den Dreharbeiten an einer Überdosis Kokain starb. Das gedrehte Material bleibt im Film im Film; in der Rahmenhandlung stirbt die Hauptdarstellerin ebenfalls und wird durch eine Praktikantin ersetzt.

Kritiken:

Tittelbach TV:

Zuallererst ist der Film eine böse Satire auf das eitle Film-Business. Der Rumpf des Ursprungsfilms, dessen bereits gedrehtes Material geschickt eingeschnitten wurde, ist indes ein Melodram Sirkschen Zuschnitts… eine wilde, aber nie wirre Satire aufs Filmemachen… ((Der)) Film im Film ist ein modernes Melodram: der Stoff pure Seifenoper, die Ästhetik ein Hauch Douglas Sirk und die Hauptdarstellerin/-figur unberechenbar in ihrem anti-psychologischen Spiel

Deutschlandfunk:

Eine leicht wahnwitzige, oft absurd komische Komödie über das Filmemachen… eine der besten Komödien des deutschen Kinos der letzten Jahre

EPD-Film:

Wäre der Film ursprünglich vielleicht ein Genrespiel mit dem unverwüstlichen Melodramensujet der getäuschten Gefühle geworden, ist die aus Szenen mit Maria Kwiatkowsky und ihrem Double kompilierte Version ein souverän verspielter Film übers Filmemachen geworden, in dem Patenfilme wie François Truffauts Die amerikanische Nacht, Jean-Luc Godards Die Verachtung, die Melos von Douglas Sirk oder auch die formalen Marotten aktueller Making-Ofs mit Augenzwinkern zitiert werden… eine leichthändige, farbensatte, von ironisch üppiger Melo-Musik unterstrichene Hommage an das Kino

Wolfram Hannemann:

Randl gibt viel preis von der Faszination des Filmemachens, weiht Unwissende in viele Geheimnisse ein. Immer dann, wenn wir meinen, dass wir wieder in der Spielhandlung angekommen sind, führt sie uns an der Nase herum und zeigt per Schnitt und Gegenschnitt, dass die vermeintliche Spielszene gerade eben von einem Filmteam aufgenommen wird. Regie und Drehbuch gehen sogar noch einen Schritt weiter: was auf der Leinwand geschieht – egal, ob Spielhandlung oder das Filmemachen – wird genau in diesem Moment von einem Drehbuchautor ausgedacht… Mit quasi-philosophischen Sprüchen wie “Ich würde das genauso machen, aber ganz anders!”, einem gut ausgewählten Ensemble und dem Vexierspiel mit Illusion und Realität macht der Film durchweg Spaß und dürfte vor allem Filmfans Freude bereiten.


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