Filmkritik: Der letzte Tycoon (1976, mit Robert de Niro) – 5 Sterne – mit Video, Pressestimmen und Romanvergleich

1935: Der junge Hollywood-Produzent Stahr (Robert de Niro) ist begehrt bei den Damen, vor allem bei der Tochter seines Geschäftspartners. Doch Stahr will nur eine – und die bekommt er nicht so recht, es ist ein Hin und Her.

Zwischendurch zeigt der Film Stahr bei der Studio-Arbeit – er beurteilt frisch aufgenommene Szenen, diskutiert mit indignierten Autoren und impotenten Schauspielern. Regie Elia Kazan, Produzent Sam Spiegel, Romanvorlage von F. Scott Fitzgerald (der teils die echte Hollywoodlegende Irving Thalberg fiktionalisierte), Drehbuch Harold Pinter, weitere Darsteller Jack Nicholson, Jeanne Moreau, Tony Curtis, Robert Mitchum.

Urteil:

De Niro sieht gut aus und agiert oft gefällig unaufdringlich lässig-souverän; er wäre der Hauptgrund, den Film doch zu sehen. Auch Jack Nicholson, Jeanne Moreau und Filmdebütantin Theresa Russell als Produzententochter haben gute Momente. Die Wechsel zwischen Filmhandlung und schwarzweißen Filmen im Film unterhalten.

Doch das ehemalige Kosmetik-Model Ingrid Boulting spielt Stahrs Angebetete in der zweiten Hauptrolle viel zu gestelzt und künstlich rätselhaft. Danach spielte sie jahrzehntelang in keinem Film mehr, zu Recht. Wie bei vielen Literaturverfilmungen erscheinen manche Szenen zu knapp, ohne Kenntnis des Romans erfasst man sie nicht vollständig.

Vergleich mit dem Roman:

Der letzte Tycoon und der große Gatsby sind die zwei besten Fitzgerald-Romane. Beide leben von der Erzählstimme, und die lässt sich nicht gut in eine Filmstimmung umsetzen. Die Ich-Erzählerin aus dem Tycoon-Roman hat im Film eine normale Spielrolle. Die Tycoon-Umsetzung hat sehr wenig von Fitzgerald (trotz vieler Originalzitate), aber auch wenig vom üblichen Witz des berühmten Drehbuchautors Harold Pinter.

Die Verfilmung endet mit der letzten Buchszene, die Fitzgerald vor seinem Tod noch ausformulieren konnte. Die geplante weitere Handlung ist aus Fitzgeralds Konzepten gut bekannt, erscheint jedoch nicht im Film.

Weitere Aspekte:

  • De Niro spielt in etwa und sieht in etwa aus, wie man sich Stahr und dessen Vorlage Thalberg vorstellt.
  • Einige Szenen und Dialoge viel eindeutiger und vulgärer als bei Fitzgerald.
  • Kathleen zu elfenhaft, Edna zu straßig.
  • Whylie spielt im Film kaum eine Rolle.

„Derart mißglückt…“ – die Kritikerstimmen:

  • Publikumswertung IMDB: 6,3 von 10 bei 5763 Stimmen
  • Kritikerdurchschnitt bei Rotten Tomatoes: 41 Prozent (mit englischen Kritikerzitaten)

Der Spiegel 1977:

Zu Zeiten Irving Thalbergs, des früh verstorbenen Wunderknaben, der MGM in den 30er Jahren zum größten und ruhmreichsten Studio machte und der das Vorbild für Fitzgeralds tragischen Helden Monroe Stahr war, wäre ein Film wie dieser so nicht dem Publikum zugemutet worden. Ein Produzent wie Thalberg hätte wohl Harald Pinters Drehbuch völlig umschreiben lassen, den Regisseur gefeuert und die Hauptdarstellerin (Ingrid Boulting) bereits nach den Probeaufnahmen aus dem Studio geworfen… derart mißglückt… Kazan, der offen zugibt, daß „Der letzte Tycoon“ sicherlich nicht sein bester Film ist…

Rolling Stone 2013:

Ein bis heute rätselhaftes Desaster

Variety 1975:

Elia Kazan’s direction of the Pinter plot seems unfocussed though craftsmanlike. Robert De Niro’s performance as the inscrutable boy-wonder of films is mildly intriguing… ((Über Hauptdarstellerin Boulting:)) Her own expressions are limited in scope… ((Über Theresa Russell:))) At least she emerges as perhaps the only credible principal character in the piece

New York Times, Vincent Canby, 1976:

Muted and thoughtful, sad but unsentimental… the movie attempts to take Hollywood seriously, without hoopla and grotesqueries… an abrupt kind of editing style and a narrative that’s without conventional shape… „The Last Tycoon“ doesn’t really build to any climax. We follow it horizontally, as if it were a landscape being surveyed by a camera in a long pan-shot… Ingrid Boulting, who plays Stahr’s mysterious English love, is beautiful in an eccentrically large-eyed way, and there are times when she doesn’t seem to know how to read a line or where to put her hands. At other moments she is totally, serenely sure of herself, which may or may not be acting



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