Filmkritik: Crazy Rich (2018, engl. Crazy Rich Asians) – 7 Sterne

Ungewöhnlich für eine *Hollywood*-Produktion: Der Erfolgsfilm auf Basis des Erfolgsbuchs von Kevin Kwan zeigt nur chinesische Gesichter unter chinesischer Regie an asiatischen Schauplätzen. Die Mittelschicht-US-Chinesin Rachel erlebt in Crazy Rich Asians die Welt der chinesisch-stämmigen Superreichen in Singapur, mit atemberaubendem Luxus und schockierenden Intrigen. Die romantische Komödie läuft flockig durch, hat Schwung, die richtige Menge unterhaltsamer (teils asiatischer) Popmusik und lauter gutaussehende, (teils kalt-)herzige Akteure (mit Constance Wu, Henry Golding, Michelle Yeoh, Gemma Chan, Awkwafina, Regie Jon M. Chu).

Ein bisschen Drama:

Zwar gibt es ein bisschen Drama und Tränen, dennoch sind die Figuren nicht sonderlich tiefenscharf, manche Reaktion und manche Antwort haben mich darum irritiert oder überrascht. Als fluffig eskapistische Komödie im asiatischen Luxusmilieu unterhält es allemal. Es hilft sicher, wenn man Asien mag.

Die deutschen Synchronstimmen sind wie so oft viel klarer zu verstehen als die englischen O-Stimmen. Die deutschen Sätze klingen indes weniger synchron zu den Lippenbewegungen als bei anderen Filmen, zugleich wurden die deutschen Zeilen viel zu wortgetreu 1:1 aus dem Englischen übersetzt. Einmal habe ich mich jedoch gefreut; da heißt es bei der Familie Goh im Englischen sinngemäß: Die Farbe Rot bringe höchstens Glück, wenn man ein Briefumschlag sei; wer die chinesische Kultur nicht kennt, kann damit nichts anfangen, darum heißt es im Deutschen: Die Farbe Rot bringe höchstens Glück, wenn man ein Feuerlöscher sei.

Kontroversen:

Der Film wurde kritisiert, weil er nur den chinesisch-stämmigen Teil der Gesellschaft Singapurs zeige, nicht aber z.B. malayische oder indische Gesichter. Er wurde auch kritisiert, weil einige der Darsteller nicht pur chinesisches/asiatisches Blut, sondern auch ein westliches Elternteil haben, z.B. Hauptfigur Henry Golding. Diese Kritikpunkte finde ich lächerlich. In Deutschland gab’s Kritik, weil der Filmtitel „Crazy Rich Asians“ zu „Crazy Rich“ schrumpfte – Asienfeinde beim Verleih Warner Brothers?

Vergleich mit dem Roman:

Was es nur selten gibt: Ich hatte zuvor das Buch gelesen, dennoch gefiel mir die Verfilmung besser. Die Filmfiguren hatten zumeist etwas mehr Fleisch und Blut als die flachen Pappfiguren des Romans, die endlosen Luxusbeschreibungen des Romans entfallen in der Verfilmung. Wie üblich wurden im Film einige Handlungsstränge und Figuren gestrichen, einige Personen wirken leicht verändert, neue Gags kamen hinzu. Das Film-Ende hat eine etwas andere Note als das Buch-Ende, und die Nebenhandlung um Astrid erhielt ebenfalls einen Dreh. Einige derbe Vulgaritäten des Buchs mildert der Film deutlich ab.

Im Gegensatz zu anderen Literaturverfilmungen bringt Crazy Rich Asians keine verkürzten, unverständlichen Stränge aus dem Buch, die nur Leser des Romans verstehen. Grundhandlung und Charakter des Buchs bleiben unverändert. Zwei Filmfortsetzungen auf Basis der zwei Romanfortsetzungen von Kevin Kwan könnten offenbar ab 2020 in die Kinos kommen (Stand Mai 2019).


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