Einsteiger-Erfahrung: Espressomaschine Sage Oracle Touch SES990

Auch wenn vieles digital vorgeplant ist, muss man sich ausführlich damit befassen und viele Reinigungs- und Pflegeprozeduren beachten. Störend auch, dass die Menge des Mahlguts sich nur durch Herumschrauben ändern lässt, auch die Milchschaumdüse und der Fänger darunter sind unkomfortabel konstruiert.

Die Sage Oracle Touch SES990 heißt in anderen Ländern auch Breville Oracle Touch – und sie ist nicht zu verwechseln mit

  • Sage Oracle ohne „Touch“
  • der viel günstigeren Sage Barista Touch

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Angenehm an der Sage Oracle Touch:

  • Abklopfkiste und Milchkännchen liegen bei.
  • Mahlgut wird automatisch angedrückt (dt. „getampert“ oder „getampt“), und zwar sehr gleichmäßig. Man muss nicht von Hand andrücken.
  • Zubehörfach innen rechts im Abtropfreservoir.
  • Per Drehgriff im Abtropfreservoir schaltet man den ganzen Apparillo zwischen rollbar und festgestellt um
  • Der abnehmbare Wasserbehälter ist hinten unten, doch man kann Wasser auch von vorn oben einfüllen.
  • Wasserstand ist von vorn ablesbar, dank Beleuchtung auch im Dunkeln, wird auch im Display gemeldet.
  • Dampflanze misst Milchtemperatur und schaltet bei programmiertem Wert ab, z.B. bei 61°C.
  • Regelbare Beleuchtung.
  • Vielseitige Zeitschaltuhr.
  • Eigene Kreationen einprogrammierbar.
  • Nach drei Monaten erinnert das Display an das Auswechseln des Wasserfilters – bei Nichtbefolgen muss die Erinnerung 1x täglich weggeklickt werden.

Schade nur:

  • Keine eingebaute Waage.
  • Dampflanze nach vorn neigbar, aber nicht zur Seite.
  • Keine Füllstandwarnung zu Bohnenbehälter (Füllstand lässt sich durch halbtransp. Plastik vage ahnen).
  • Menge des entstehenden Mahlguts nur umständlich durch schlecht dokumentierte Schrauberei regelbar, kaum unter 17g zu bringen (außer evtl. durch zugekauften separaten Siebträger-Einsatz).
  • Die Tassenwärmung oben auf dem Gerät, neben dem Bohnenbehälter, wirkt erst nach ca. 20 Minuten deutlich.
  • Geschmacksänderung durch eingebauten Wasserfilter ist mir noch unklar.
  • Der Fünfklang beim Einschalten des Geräts nervt. Man hört ja ohnehin das Betriebsgeräusch und das Display leuchtet auf.
  • Einige der Getränkevoreinstellungen lassen sich individuell anpassen, andere nicht – das irritiert.

Kurzanleitung:

Da kauft man also eine 1900-Euro-Espressomaschine (oder 2500 Euro beim Hersteller) (Stand April 2021), packt die 20-kg-Maschine und ein Dutzend Kleinteile aus und wundert sich für sein Geld:

Die, Zitat, „Kurzanleitung“ in sieben Sprachen (PDF beim Hersteller) liefert ganze 16 Seiten für eine hochkomplexe Dampfmaschin‘. Mehr zum 1900-Euro-Gerät gibt’s vom Hersteller anbei NICHT (online schon, siehe meine separaten Tipps zum Gerät).

Die „Kurzanleitung“ des Herstellers macht ihrem Namen Ehre, sie ist sogar zu kurz. Und die Abbildungen des Maschinen-Displays in der Anleitung zeigen dort englische Sprache – die Anleitung zeigt das Display nicht auf Deutsch (so wie viele deutsche Anleitungen englische Displays zeigen). Und das bei einem 1900-Euro-Produkt, das dringend erklärt werden sollte.

Innerhalb ihres Rahmens ist die Kurzanleitung gut: Sie ist um Klarheit bemüht und ordentlich aus dem Englischen übersetzt – weit besser als viele andere Anleitungen.

Tatsächlich liefert das Touch-Display selbst auch eine erste brauchbare Einführung. Nur wird das nirgends gesagt.

Natürlich kann ich zehntausend Videotutorials zum Gerät gucken. Da treten aber lauter aufdringliche Grinsefressen auf, die auch noch dauernd sagen, ich muss sie liken, ich muss sie abonnieren, ich muss was kaufen, vorher komnmt noch Youtube-Werbung, weil man auf manchen Geräten den Adblocker ausschalten muss und dann soll ich mich da auch noch bei Youtube anmelden, sind ja alles meine Freunde. Neenee, da trinke ich lieber Nescafé. (Links zu tatsächlichen nützlichen Oracle-Touch-Videos in meinem separaten „Tipps“-Beitrag.

Wasserhärte:

Der Wasserhärtestreifen lässt sich nicht so ablesen wie vom Hersteller vorgesehen, die Anzeige ist unspezifisch. Ich kenne die Wasserhärteangabe meiner Gemeinde in dH, aber zu dH-Werten äußert sich Hersteller Sage nicht in der „Kurzanleitung“.

Menge des Mahlguts – Gefummel mit dem Tamper-Gebläse:

Verblüffend, dass man die Menge des Mahlguts nicht elektronisch regeln kann – weder Gramm noch Mahl-Zeit lassen sich auf dem Display oder mit einem Regler einstellen (nur für den Mahl-Grad gibt’s einen Regler). Nach allen Testberichten verspricht Sage, dass 22g gemahlen werden, aber es kommt wohl eher mehr heraus, und außerdem haben viele Anwender für einen Doppio (dt. Double Shot) lieber 18-20g.

Um die Menge des Mahlguts zu ändern, muss man das Tamper-Gebläse (dies die Bez. lt. dt. Kurzanleitung; engl. „tamp fan“, Aussehen wie Schiffsschraube oder Propeller) per mitgeliefertem Magnet ausbauen, dann einen Stahladapter herausziehen und daran herumschrauben (dazu engl. Video 1; engl. Video 2; engl. Text + Fotos (im Teil Changing the Coffee Dose)).

Mit einem zugekauften Einsatz für Siebträger/Filterkorb, Ridged, für 15g bei 58mm Durchmesser (bei Amazon), bekommt man evtl. kleinere Mengen hin

Milchschaumdüse:

Die Milchschaumdüse muss man nach dem Schäumen außen abwischen – und zwar, so lange die Düse noch nach vorn gekippt ist, um das Milchkännchen entnehmen zu können. Sobald man die Düse wieder senkrecht nach unten klappt, spratzelt automatisch Heißwasser zum Reinigen durch. Und ist das Heißwasser erst gespratzelt, klebt der Restmilchschaum außen fest, also wischt man besser vor dem Spratzeln.

Unten im Gitter überm Heißwasserabfluss gibt’s keine Extraöffnung für das Gespratzel. Vielleicht lasse ich sie mir hineinschneiden.

Ich habe fette und fettarme Milch bei Milchtemperaturen um 62 Grad probiert. Die Milch war nett und fast professionell, aber m.E. doch nicht für Latte Art geeignet (ich hab’s nicht ernsthaft probiert). Für meinen ganz persönlichen Geschmack ist handgeschäumte Milch mit so einem Handstampfer im Kännchen luftiger und eingängiger.

Kaffeemühle:

Die Kaffeemühle ist unerträglich laut. Wenn das Mahlgut fast aufgebraucht ist, könnte sie klemmen – dann einen gröberen Mahlgrad einstellen (z.B. von 10 auf 40 schrauben). Wer nur mahlen, aber nicht kochen will, muss (ohne Umbauten) damit leben, dass

  • der Kaffee angepresst in 20g-Einheiten im Siebträger landet
  • schon beim Mahlen die Aggregate aufheizt werden

Das vollständige Entfernen der Rückstände ist umständlich, man muss einen Stahlbügel recht gewaltsam drehen und dann ein Staubsauger-Rohr reinhalten.

Nach meiner Erfahrung sollte man Mahlgrade feiner als 4 gar nicht verwenden (also nicht 1 – 3, superfein): der Mahlvorgang bleibt stehen und dann steht eine umständliche Mahlwerkreinigung mit Staubi an (dazu gibt’s ordentliche englische Videos).

Erfahrung mit generalüberholtem Gebrauchtgerät:

Ich zahlte ca. 960 Euro gebraucht statt 1900 Euro neu, wenn auch nicht in Wunschfarbe. Extrem schnelle Lieferung: Das Gerät kam innert 24 Std nach Bestellung – und das einen Tag vor Lockdown-Weihnachten 2020!

Bestelltes Gerät lt. Beschreibung „mit deutlichen Gebrauchsspuren“. Es sah viel besser aus als erwartet, gutteils wie Neuware. Inhalt offenbar vollständig und in etwa wie bei Neugerät angeordnet. Bis hierhin sehr zufrieden.

Aber: Einige Einzelteile steckten im schon eingebauten Wasserbehälter statt im Zubehörkarton, so fand ich sie zunächst nicht. Und auf der vorderen Wasserzufuhr fehlte der Aufkleber wie bei Neuware, dass im Wassertank noch Material steckt – es hätte also passieren können, dass ich vorne Wasser einfülle und das hinten versteckt im Tank geparkte Zubehör überflute.

Und die Maschine war etwas stärker demontiert als wohl vom Hersteller vorgesehen: Das Tamper-Gebläse (ähnlich Propeller, Schiffsschraube) lag separat in Tütchen bei (es flog also nicht lose rum, was bei diesem nur magn. gehaltenen Teil vielleicht denkbar ist). Als Neuling konnte ich nicht ahnen, dass das Tampergebläse noch eingesetzt werden muss (ich dachte, es sei ein Ersatzteil, das Teil erscheint nicht in Lieferumfangliste und nicht in Kurzanleitung für Start). Beim ersten Mahl-Versuch also ohne „tamp fan“ erhielt ich erst eine grobe Fehlmahlung, das Kaffeepulver segelte quer durch den Salon (aber prima Duft!).

Ich erkannte das Problem erst zufällig nach Ansehen eines engl. Tipps-Videos, bei dem der „tamp fan“ ausgebaut und verstellt wurde (bei mir lag er wie gesagt lose bei). Dann mit „tamp fan“ probiert – das Teil fiel samt Halteschraube ins Mahlgut im Siebträger. Danach klappte es dann.

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