Dokumentationen: Warum muss sich der Journalist immer ins Bild stellen? – Mit Video

Bei Dokumentationen, speziell bei TV-Berichten, stören Journalisten, die sich ins Bild stellen. Teils geht es nicht mehr um die Sache, sondern darum, dem Film-Macher eine Bühne für den Egotrip zu verschaffen.

Beispiele für aufdringliche Journalisten:

  • Markus Lanz in Indien: zeitweise sprechen Inderinnen, derweil zeigt die Kamera betroffen schauend: Markus Lanz. (Besprechung und Video auf HansBlog.de)
  • In der Reportage zu Haien vor La Réunion sieht man viel zu oft einen Journalisten am Caféhaustisch brüten oder halb aufgefressene Gesprächspartner betroffen anlächeln. (Besprechung und Video auf HansBlog.de)
  • Pierre M. Krause verwandelt die Doku über Japaner in Düsseldorf in einen kompletten Ego-Shoot (Video, Info). Er zeigt sich sogar über eine Schwelle stolpernd. Warum?
  • Die TV-Männer Peter Kunz und Markus Gürne in Indien und sonstwo in Asien müssen sich immer wieder vor die Kamera stellen, statt Land und Leute zu zeigen – wohl als Existenznachweis?
  • Alexander Hacke tigert rauchend durch Fatih Akins Musikfilm Crossing the Bridge – er wirkt jedoch betont unprätentiös und hat immerhin eine Aufgabe als Toningenieur und Mitmusiker. (Ry Cooder als Anker des Kuba-Musikfilms Buena Vista Social Club wirkt aufdringlicher.)
  • Auf Reporterin komm‘ raus, exhibiert sich auch Sabine Bohland (ARD Nairobi) immer wieder sehr aufdringlich in Mittelost und Somaliland
  • Ingo Schmoll achtet in der Rockpalast-Sendung über den Reggae-Musiker Gentleman eifersüchtig darauf, dass der Journalist mehr im Bild ist als sein Gesprächspartner; er beginnt die unerträgliche Sendung mit einer Erklärung zu seinem persönlichen Musikgeschmack und macht auch noch immer präpubertär „geil, geil“ (WDR-Seite mit Video)
  • Antje Pieper posiert fürs ZDF in Saudi-Arabien in schwarzem Abaya-Landeswickel (Doku bei YouTube) und ist sichtlich sauer, dass sie nicht mit den enthüllten Blondinen aus dem nächsten Abschnitt konkurrieren darf

Besonders blonde Reporterinnen tun sich hervor:

  • Andrea Jansen macht für den SRF etwas Wunderbares, sie zeigt die Malediven außerhalb des Touristen-Zaubers – eigentlich; tatsächlich aber zeigt sie meist sich selbst, „ich“ ist das häufigste Wort (Trailer-Beweis oben, ganze Sendung hier beim SRF). Und wieder beim SRF:
  • Noch eine Reporterin (oder sollte ich sagen, Moderatorin), die sich gern selbst präsentiert und „ich“ sagt: Wasiliki Goutziomitros mit ihrer „unterwegs“-Reihe, z.B. zu den Seychellen (SRF-Seite mit Video).
  • TV-Köchin Sarah Wiener zeigt in ihren „Kulinarischen Abenteuern“ (Arte-Seite inkl. Video) nicht nur indische Plantagen, sondern gern auch Sarah Wiener in Indien.
  • Kate Humble in ihrer schön gefilmten, mehrteiligen BBC-Gewürze-Doku erdrückt die ganze Serie mit ihrem selbstgefälligen Lächeln, im Vorspann erscheint sie wie ein Filmstar vor Bergkulisse (und ohne Gewürz). Aber gut, „humble“ heißt ja auf Deutsch „unbescheiden“ (Text-Info mit Bildbeispiel, eine Folge auf YouTube). Überhaupt, die BBC:
  • Auch Hannah Rothschild muss sich in ihrer Pannonica-Rothschild-Thelonious-Monk-Doku immer wieder vorführen (und zwar blond)
  • Nicht zu vergessen Petra Haffter, die in ihrer fünfteiligen Serie Die Farben der Wüste viel zu oft sinnlos durchs Bild läuft (Videos hier, auf Documentary klicken)

Schon klar:

Die Berichtenden müssen sich in einem absterbenden Markt profilieren und ihr eigenes Haupt vorrangig vor dem Thema der Dokumentation präsentieren. Doch auch diese Köpfe werden trotz aller Präsenzmühen in ein paar Jahren Digi-Prekariat sein und das Brot nurmehr ganz dünn mit Klicks und Likes schmieren.

Manche Reporterinnen verkaufen auch Bücher, auf denen das aus dem Fernseher bekannte Gesicht prangt, wie Kate Humble; oder sie verkaufen passend zur Doku Lebensmittel, wie Sarah Wiener. Da kommt ein Selfie vor laufender Kamera gelegen.

Natürlich meidet man Dokus, die den Journalisten schon im Titel oder Untertitel feiern („Eberl entdeckt…“).

Wie Kinder:

Es gibt viele Krankheiten bei Dokumentationen: Spielszenen, wichtigtuerische Stimme, dramatisierende Musik, hektisch geschnittene Interview-Schnipsel ohne Hintergründe, Zeitraffer, Zeitlupe (alle Krankheiten hier). Am schlimmsten aber sind Journos, die sich wie kleine Kinder vor die Kamera drängeln. Sie machen den Bericht über die Sache zum Bericht über den Berichtenden.

Bitte, die Herrschaften. Je ein Aufsteller am Anfang und Ende der Sendung ist ok – alles weitere:  Narzissmus.


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