Doku-Kritik: Das Dorf der wilden Tiere (2016) – 5 Sterne – mit Video

Die Doku zeigt allerlei Wildtiere, die in einem idyllischen französischen Dorf leben und nicht in der Wildnis drumherum – Eichhörnchen, Vögel, Mäuse, Siebenschläfer, Marder – sowie hungrige Dorfbesucher wie Wildschweine und Greifvögel. Die Kamera kommt den Darstellern extrem nah, fliegt dann wieder über sie hinweg – so unmittelbare Bilder sieht man selten. Es wirkt wie ein Disney-Trickfilm oder wie ein Jan Haft auf Ecstacy.

Und doch, wie man eine Doku mit Effekthuberei verhunzen kann, das präsentiert diese mit allen Filmereitricks der Welt protzende Doku atemlos stolz:

  • zu großen Teilen bewegen sich die Tiere in starker Zeitlupe, man verliert völlig das Gefühl für normale Geschwindigkeit
  • Ess- und Trittgeräusche werden in Zeitlupenszenen oder Nahaufnahmen vom Tonmeister mit der Geräuschkiste nachsynchronisiert und klingen lächerlich
  • jumpcut-artig wechselt der Film manchmal zwischen Zeitlupe und Normaltempo und diese ohnehin absurden Tempowechsel und Chronologiesprünge untermalt auch noch ein sinnloses Comicfilm-Geräusch
  • der reißerische Blick aus nächster Nähe mit dramatisierender Weitwinkeloptik ermüdet schnell, auch wenn man ihn so kaum je gesehen hat
  • das allzu malerische Dorf wird immer wieder mit wildem Drohnenflug gezeigt, anders geht’s ja heute nicht mehr
  • unentwegt aufdringlich schwülstige oder dramatisierende Musik

Dazu kommt: Wer gern v.a. niedliche Tiere sieht (wie ich) und das bei Tageslicht (wie ich), der kommt im Dorf der wilden Tiere nicht ganz auf ihre*seine Kosten: Die Doku zeigt sehr lange fast genussvoll weniger appetitliche Würmer, Schnecken, Hornissen u.a. Insekten, bei den Ratten in der Kanalisation schwimmt offenbar auch menschlicher Kot vorbei. Und längere Passagen spielen bei Nacht.



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