Deutscher Spielfilm: Schloß Gripsholm (1963, Regie Kurt Hoffmann, mit Walter Giller, Nadja Tiller) – 4 Sterne

Harmlos flach

Ein harmloses, verharmlosendes Vergnügen – auch wenn man die exzellente Buchvorlage von Kurt Tucholsky gar nicht berücksichtigt: Jana Bre(j)chová gibt „Lydia“ als mild exaltiertes, aber durchaus selbstbewusstes Dummchen, das wie ein Baby ihren Galan Kurt penetrant mit „Daddy“ an- und von sich selbst in der dritten Person redet.

Ihr Plan: die Heirat mit Kurt. Ihr Trick: das heikle H-Wort möglichst nicht erwähnen.

Wie sind die Schauspieler?

Dem hat der ausstrahlungsfreie Walter Giller nichts entgegenzusetzen, wenn auch der Wortwechsel mit Hanns Lothar („Kumpel Karlchen“) nicht humorfrei geriet. „Billie“ Nadja Tiller könnte dem Film dann noch eine Tiefendimension geben; sie erscheint indes zu spät, verschwindet dann aber abrupt früh aus der Handlung.

Wie gesagt, auch ohne Kenntnis der Buchvorlage ist das nur ein mildes 60er-Urlaubsfilmchen auf ZDF-Niveau, mit den allzu routinierten Kräften Kurt Hoffmann (Regie) und Herbert Reinecker (Buch). Vom entspannt liebevollen, aber vor allem intelligenten Ton der brillanten Tucholsky-Buchvorlage Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte bleibt nichts übrig. Drehbuchautor Reinecker („Der Komissar“, „Derrick“) zeigt Lydia als ihren Kurt anbetendes Weibchen, allerdings gönnt sie ihm neckisch auch was (alle Literaturverfilmungen auf HansBlog.de).

Wesentliche Episoden von Tucholskys Novelle wurden stark gekürzt oder ganz gestrichen, dafür spielen die Vor- und Nachteile einer Eheschließung eine größere Rolle als auf Papier. Der Film liefert überdies zusätzliche Szenen zum Kennenlernen in – hier – Hamburg.

Zur DVD und zum Bonus-Material:

Das in Eastmancolor gedrehte „Schloß Gripsholm“ präsentiert gepflegt langweilige schwedische Landschaft; die leicht ausgewaschenen Farben passen gut zur verblichenen Epoche. Der Bonusteil meiner DVD liefert Trailer zu rund acht Filmen, darunter viel Altes u.a. mit Heinrich George und mehrfach Peter Alexander, aber auch die Fußballerparade „Deutschland, ein Sommermärchen“ und die „Gripsholm“-Verfilmung mit Heike Makatsch von 2000 (offenbar weit dramatischer und mit politischen Anspielungen, die auch nicht aus der Romanvorlage stammen).

Die versprochenen Interviews mit Regisseur und Drehbuchautor sind kurze Texttafeln aus dem Presseheft zum Film – also nichts Interessantes. Die Verantwortlichen rechtfertigen den Verlust wichtiger Buchpassagen hier so intensiv, als ob sie die Szenen vielleicht doch wichtiger finden als behauptet.

Der Trailer zum 1963er „Schloss Gripsholm“ ist sehr clever geschnitten und verspricht weit mehr Esprit, als das Vollprodukt liefert. Die Tucholsky-Verfilmung Rheinsberg entstand ein paar Jahre später mit demselben Regisseur und Drehbuchautor; sie ist noch weiter vom Original entfernt als „Gripsholm“.

Hauptdarstellerin Froboess wirkt aber – auch wegen eines nicht gar so dummen Buchs – in „Rheinsberg“ deutlich weniger kindisch als Jana Bre(j)chová auf „Gripsholm“ und Beau Christian Wolff macht in „Rheinsberg“ eine bessere Figur als „Gripsholm“-Besucher Walter Giller. Beide Filme zeigen eine behagliche, gutbürgerliche Atmosphäre, die nichts mit der Buchvorlage zu tun hat.


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