Deutscher Spielfilm: Rheinsberg (1967, Regie Kurt Hoffmann, mit Cornelia Froboess; mit Trailer) – 6 Sterne

Ein Film von 1967, der 1912 spielt. Die leicht neckische, aber stets dezidiert freundliche Cornelia Froboess trägt „Rheinsberg“ fast allein mit ihrer Lebendigkeit.

Beau Christian Wolff (*38) wirkt hier eher jünger als Froboess (*43) und besieht sie die meiste Zeit nur heiter-amüsiert. Die milde Komödie strahlt bürgerlich-plüschige Behaglichkeit aus und zeigt puppig hübsche Vorkriegskulissen. Dazu erklingt amüsante Blasmusik.

So wird die Buch-Vorlage verarbeitet:

Der Film übernimmt nur einige Motive von Kurt Tucholskys Sommererzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte. So wurde die Ruder-Episode stark gekürzt, dafür kommt ein langes Kennenlernen in Berlin dazu.

Der Film ist weniger erotisch-schwül und bietet auch weniger Sprachverdrehungen als das Tucho-Original – gut so, denn in diesen Aspekten überzeugt die Erzählung weniger. Andere Filmdialoge stammen wörtlich von Tucholsky.

Zwei Tucholsky-Verfilmungen im Vergleich:

Ein paar Jahre zuvor hatten die Routiniers, Regisseur Kurt Hoffmann und Skriptautor Herbert Reinecker, bereits Tucholskys famose Erzählung Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte verfilmt. Im Vergleich mit der Verfilmung Schloss Gripsholm wirkt der „Rheinsberg“-Streifen besser:

„Rheinsberg“-Akteurin Cornelia Froboess zeigt weniger Bein, aber mehr Format als „Gripsholm“-Darstellerin und Ulknudel Jana Bre(j)chová. Froboess‘ Wortbeiträge geraten zudem weit weniger dümmlich, auch wenn sie ihren Jüngling allzu oft mit „Wölf(f?)chen“ anreden muss. Christoph Wolff beweist in „Rheinsberg“ auch mehr Ausstrahlung als „Gripsholm“-Pendant Walter Giller, bleibt aber trotz perfekter Föhnlocke gegen die frohgemute Cornelia Froboess blass.

Die beiden Tucholsky-Umsetzungen zeigen aber auch Parallelen: So wird jeweils das Kennenlernen der Paare als Rückblende erzählt, bei Tucholsky kommt das jeweils gar nicht vor. In beiden Rückblenden agieren kauzige, konservative Vermieterinnen, die sich offenbar immer für einen Spaß eignen (alle Literaturverfilmungen auf HansBlog.de).

Die Farben der DVD scheinen brauchbar. Meine DVD enthielt Trailer zu vielen älteren Filmen der Schwarzweiß-Ära, u.a. Fassbinders „Veronika Voss“ und Stücke mit Curd Jürgens und Mario Adorf. Offenbar gab es 1987 noch eine „Rheinsberg“-Verfilmung in der DDR (mit Silke Klan, Regie Klaus Gendries).


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