Rezension deutscher TV-Spielfilm: Männertreu (2014, mit Matthias Brand) – mit Trailer – 7 Sterne

Der links-liberale Verleger ist so smart wie elegant – und er könnte Bundespräsident werden. Die Frau an seiner Seite ist erfolgreiche Scheidungsanwältin. Dass der Verleger ihr immer wieder untreu wird, bringt die Geschichte Männertreu ins Rollen.

Starkes Spiel:

Matthias Brandt und Suzanne von Borsody zeigen die reichen Arrivierten kalt-lässig überzeugend, mit nonchalanter Chuzpe. Matthias Brandt verkörpert den kultivierten Machtmenschen perfekt – freilich wirkt er nicht ganz wie der Mann, dem die Frauen reihenweise verfallen.

Die Filmbilder sind jederzeit genauso edel-kühl wie die Filmfiguren – starkes Bokeh, blaues Grading, Villa Neue Sachlichkeit. Die Dialoge bleiben zurückhaltend, es gibt längere Abschnitte ohne Reden. Doch nicht zuletzt beeindrucken Passagen, in denen Filmfiguren und Sprecher im Radio oder Fernsehen ineinander reden (Regie Hermine Huntgeburth, Buch Thea Dorn).

Interessant geschrieben:

Die stets spannende Handlung durchläuft mehrere Wendungen, und die Beteiligten wahren fast immer die Contenance. So bleibt der Erregungspegel niedrig – wir folgen dem Geschehen genauso distanziert wie die Figuren ihrem eigenen Leben.

Ein interessanter Blick auf Medien, Justiz und Politik – der vermeintliche Einblick wirkt aber nicht so spannend wie bei den TV-Spielfilmen Der Minister (orientiert an Karl-Theodor zu Guttenberg) und Der Rücktritt (Christian Wulff): in Männertreu geht es ja nicht um eine einzelne historische Figur, die wir alle aus den Nachrichten „kennen“.

Wie realistisch das Geschehen ist, weiß ich nicht. Doch Männertreu ist besser als übliche TV-Filme und bekam viel Lob in der Press (Kritiken auf Wikipedia).

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Weitere Assoziationen:

  • Matthias Brandt: Seine Rolle als Machtmensch und homo politicus erinnern in unterschiedlichen Aspekten an seinen Vater Willy Brandt, an Dominique Strauss-Kahn (der offenbar die Autorin inspirierte), laut Presse an Frank Schirrmacher, den 2014 verstorbenen Mitherausgeber der FAZ, an Bill Clinton, François Hollande und Christian Wulff
  • Maxim Mehmet: spielt Brandts Sohn, erinnerte mich äußerlich immer wieder an Tim Renner
  • Die Verlegervilla: erinnerte mich an die Staatssekretärsvilla aus Agnes und seine Brüder (2004, Regie Oskar Röhler)


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