Deutscher Roman: Vorn, von Andreas Bernard (2010) – 3 Sterne

Blutleeres Buch in blutleerem Deutsch, zeitweise weinerlich-selbstmitleidig, um hippe junge Medienmenschen in München. Es gibt fast keine Dialoge, die wenigen wörtlichen Sätze klingen genauso leblos wie der allgemeine Erzählton. Nichts erscheint „locker und beschwingt“ – kein Roman, eher ein Text.

Selbst die Liebesdramen wirken wie aus zwei Kilometer Entfernung betrachtet – wichtiger sind die Namen von Kneipen, Kneipenkellnern, Drinks, Kleiderfirmen, Bands und Songtitel. Zu beachten: Nur Spießer sagen „Brunchen“ und „Location“.

Blutleere Zeilen:

Wie andere Neue Deutsche Autoren will Bernard den Leser keine Zeile lang mit knackiger Handlung oder peppigen Dialogen charmieren. Das wäre wohl unhip. Rein in den Text muss die eigene Bio – zum Beispiel als Rückblende mit dem Vergleich zweier Gymnasien.

Auf dem Rückumschlag wird SZ-Autor Bernard von Ex-SZ-Autor von Uslar gelobt. Hip?

Ich mochte das jetzt-Magazin, ich mag das SZ-Magazin und die Süddeutsche Zeitung (Arbeitsstätten Bernards, die er in Vorn scheinbar realistisch beschreibt). Der Roman befriedigt also zumindest meinen persönlichen Voyeurismus: Münchner Szene, Münchner SZene-Journalisten, das verfolge ich interessiert wie einen Klatschbericht. Ein Bernard-Buch über Berliner Start-up-Unternehmer hätte ich sofort weggelegt.

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