Rezension deutscher Roman: Schloß Gripsholm, von Kurt Tucholsky (1931; mit Trailer) – 8 Sterne

Das Buch bereitet Vergnügen: Da charmiert schon der pfiffige Einstieg, ein Briefwechsel des Autors mit dem Verleger über Romanprojekte und Honorare.

Federleichter Einstieg:

Ein einziger Satz bugsiert den Roman dann – plötzlich und doch ganz leicht – in die eigentliche Sommergeschichte, in eben das gewünschte Romanprojekt hinein, lässig und unbeschwert fließen Handlung und Sprache, herrlich kantig, aber sympathisch wirkt der Ich-Erzähler mit seinen zwei Kumpeln Karlchen und Lydia (die ist auch seine „Prinzessin“). Gelegentlich kästnert es ein bisschen, schließlich erschien Fabian im selbem Jahr.

Das Plattdeutsch-„Missingsch“ gibt Tucholsky wundervoll wieder, nebst königlichen Wortneuschöpfungen und kreativer Fortschreibung der deutschen Grammatik; dabei protzt der Erzähler nie mit seinem Sprachzauber, sondern wahrt stets augenzwinkerndes Understatement.

Hier hatte ich Bedenken:

Ja, und dann kommt die Schöne aus Pernambuco, bald darauf spitzt sich die Sache um das kleine Mädchen zu. Bei der Auseinandersetzung ums Kinderheim entdeckte ich Kritikgründe: Weiterhin gut erzählt, doch hier wirken Details unrealistisch, zudem verstand ich den dramaturgischen Sinn dieses Handlungsstrangs nicht.

Ich bin immer noch nicht ganz glücklich mit diesem Abschnitt; aber schlecht ist er auch nicht.

Die zwei Gripsholm-Verfilmungen:

Die 1963er-Verfilmung Schloss Gripsholm mit Giller/Tiller verharmlost Lydia als heiratswütiges neckisches Dummchen und entfernt wesentliche Buchstränge; der liebenswert intelligente Ton des Buchs ist weg. Von der 2001er-Verfilmung Gripsholm mit Ulrich Nöthen und Heike Makatsch kenne ich nur den Trailer (oben eingebettet), der Streifen scheint dramatischer und politisch zu sein.

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