Deutscher Roman: Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte, von Kurt Tucholsky (1912) – 6 Sterne

Nette, leichte, klitzekurze Sommerkomödie, die jedoch durch suboptimale Sprachspiele nervt; da tischt Tucholsky in Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte weit bessere Sprachkaspereien auf.

Die schwül erotischen Anspielungen wirken auf Dauer drückend. Auch hier gewinnt „Gripsholm“.

Zur Reclam-Ausgabe:

Die „editorische Notiz“ nennt gegenüber der Erstausgabe korrigierte Druckfehler. Man staunt, wie schlampig das Original erschien. (Angesichts des sprachverspielten und respektlosen Texts frage ich mich jedoch, ob „Wirtshauspuplikum“ tatsächlich einen Tippfehler dokumentiert.) Viereinhalb Seiten „Anmerkungen“ erklären Fremdwörter und historische Anspielungen. Freilich hätte ich die Anmerkungen gern direkt unterm Text gehabt. Außerdem gibt es ein munteres Gedicht Tucholskys über sein „Rheinsberg“.

Die drei Seiten Nachbemerkungen von Wiglaf Droste könnten auch „Tucholsky und die Frauen“ heißen. Es geht aber vor allem um Else Weil, das lebende Vorbild der „Rheinsberg“-Hauptakteurin „Claire“. Wer durch die „Rheinsberg“-Geschichte vielleicht in erhitzte Sommerstimmung geriet, wird hier durch  historische Tatsachen wieder abgekühlt.

Zur Verfilmung:

Die 1967er-Verfilmung Rheinsberg mit Cornelia Froboess und Christian Wolff lässt einiges weg (Wortspiele, Ruderausflug, schwüle Andeutungen), erfindet andererseits längere Episoden (das Kennenlernen in Berlin) dazu. Im Vergleich zur Tucholsky-Verfilmung Schloss Gripsholm erheitert der „Rheinsberg“-Film aber durchaus, vor allem wegen der weniger dümmlichen Cornelia Froboess.

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