Bollywood-Schmacht-Oldie: Satyam Shivam Sundaram: Love Sublime (1978, mit Shashi Kapoor, Zeenat Aman) – 3 Videos – 5 Sterne

Verkitscht schwüles Dorfdrama

Zeenat Aman trägt in diesem Film nur ein paar hauchdünne Taschentücher überm Luxusbody, und so schlendert sie täglich in den Dorftempel – typisch indisch. Shashi Kapoor (Bruder des Regisseurs Raj Kapoor) verfällt ihr aber nicht wegen ihrer halluzinogenen, blankgelegten Kurven, sondern weil sie so schmelzend singt. Dass ihre rechte Gesichtshälfte schlimm entstellt ist, merkt er zunächst gar nicht.

Au weia:

SSS (1979) ist eine schwüle Altherrenphantasie, die aber womöglich die Rikshawallas auf den vordersten, billigsten Kinoplätzen erhitzte. Schon in Bobby (1973) ließ Regisseur Raj Kapoor Dimple Kapadia meist im Bikini agieren, allenfalls trug sie einen Minirock; Julie (1975, Regie Sethumvadhavan) wiederholte das „Konzept“. Bobby ist weit besser als SSS.

Die aufdringliche „Erotik“ treibt Raj Kapoor hier für Bollywoodverhältnisse zu neuen Höhen: Zeenat im See-through-Fummel unterm Wasserfall, Shashi in Unterhose unterm Wasserfall, Zeenat oben ohne, Shashi auf Zeenat, Shashi küsst Zeenat, Zeenat küsst Phallussymbol.

Bizarre Farben:

Die Schwüle wird untermalt durch grelle Zweifarben-Filter, die offenbar die Morgenstimmung verstärken sollen: die untere Bildhälfte mit Grünschleier, die obere mit Orangeschleier (die indischen Farben). Na danke. Viele Dorfkulissen wirken allzu „studio“, die Bühne für die Traumsequenzen entstand gewiss nach Genuß indischer, in Europa verbotener Rauchwaren. Shashis übertriebene Visionen von Totenfratzen erschrecken ebenso wie seine allgemeine Schuftigkeit (und Blindheit gegenüber der Wahrheit).

Das Ende gerät bombastisch-melodramatisch in einer mittelmäßig inszenierten Endzeitkatastrophe, aber ohne wirkliche Spannung. In vielen Punkten ist die Handlung unlogisch und nicht nachvollziehbar. In einem ernsten Film wie hier, gar mit Botschaft, fällt das stärker ins Gewicht als bei einer fröhlich selbstironischen Spaß-Klamotte.

Zugunsten des Films kann man sagen:

Die kurvenreiche Zeenat Aman ist schön anzusehen und spielt dabei lieblich bis herzzerreißend die Ausgestoßene im Dorf – auch wenn ihre Schritte und Gesten reichlich theatralisch ausfallen. Gelegentlich gibt es gute Kameraeinstellungen (sofern ohne GrünOrange-Filter); die Bilder bleiben im Gedächtnis und lassen an alte indische Sagen denken – Rama und Sita vergnügen sich im Dschungelbad, etc.

Laxmikant-Pyarelal lieferten wieder packende, bestechende Songs mit Stimmung und Rhythmus selbst in langsamen Nummern, hier oft mit sakralem Anklang – sie sind die Besten ihrer Zeit. Vielleicht deshalb gibt es in SSS so viele Lieder von ihnen.

SSS zeigte an der Kinokasse wenig Standvermögen, bekam aber Filmfare-Auszeichnungen für Kamera und Musik (Zeenat Aman als beste Hauptdarstellerin war nominiert). Der Film erscheint in sämtlichen Listen mit Bollywoods aufregendsten Frauen, schlimmsten Küssen oder nassesten Saris. Auf IMDB bewerten ihn Männer im Durchschnitt deutlich schlechter (7,0) als Frauen (8,1, August 2014). Es gibt viele Parallelen zu Raj Kapoor 1982er-Film Prem Rog, dazu zählt allerdings nicht die Dorf-Erotik.


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