Bollywood-Romanze: Kyun! Ho Gaya Na … und unsere Träume werden wahr (2004, mit Aishwarya Rai, Vivek Oberoi, Amitabh Bachchan; mit Trailer & 4 Songs) – 3 Sterne

Der Film beginnt mit wilder Rallye-Action. Seht, spricht der Regisseur, hier kommt Vivek Oberoi als kerniger Jüngling, der „Liebe und Verlieren“ aus seinem Wortschatz gestrichen hat.

Und, wie macht sich Vivek Oberoi als Supermann?

Milchbart Oberoi überzeugt keine Sekunde, da mag ihn die Regie auch noch so heroisch inszenieren, mit Hubschraubern und Sonnenbrillen dekorieren. Gänzlich unglaubwürdig wird’s, wenn Oberoi kurz drauf den unterwürfigen Muttersohn mimt, der ergeben Mamas Braut-Auswahl abwartet. Wieviel packender und realistischer zeigte Oberoi den Jungen von nebenan in Saathiya – Sehnsucht nach dir.

Aishwarya Rai wirkt mit Korkenzieherlocken und ungewohnter Leibesfülle weniger attraktiv als sonst. Sie spielt zeitweise viel zu aufgesetzt ein junges Ding und äußert – wie auch Oberoi – Abgedroschenes zum Thema „Liebeshochzeit versus arrangierte Ehe“.

Szenen, die mir in Erinnerung blieben:

Die Akteure spielen sich hier derbe Streiche. Es bleibt unverständlich, wie Diya ihren Arjun da überhaupt noch anschmachten kann. Auch Waisenbetreuer Amitabh Bachchan und seine Kinderschar denken sich Erstaunliches aus, um sich mit Farbe traktieren zu können.

Eine Szene bleibt im Gedächtnis: Regisseur Samir Karnik spielt sich fast selbst als Drehbuchautor mit Schreibblockade. Auftritt Vivek Oberoi, der dem Skriptmann mit suggestiver Stimme, wildem Blick und dramatischen Hintergrundgeräuschen ein romantisches Filmende ausmalt. Hier beweist Oberoi für kurze Zeit kraftvolle Präsenz – Eigenschaften, die im restlichen Film selbst Altstar Amitabh Bachchan kaum liefert.

KKHH, KKKG, KHNH, KANK – ist KHGN damit vergleichbar?

„Kyun!… Ho Gaya Na“ fängt mit „K“ an und lässt sich mit vier Buchstaben abkürzen: KHGN. Dennoch kommt der Streifen bei weitem nicht an KKHH, KKKG, KHNH oder KANK heran, die romantischen Kassenknüller von Karan Johar (als Regisseur, Autor und/oder Produzent).

Eher erinnert mich KHGN an neuere Liebesbollys wie Jab we met – Als ich Dich traf oder Salaam-E-Ishq: modern, ambitioniert, doch blutleer ohne Emotion und Charisma (und ohne viel typische Hindi-Kultur). Das gilt auch für die Musik: Für Indian Love Story – Lebe und denke nicht an morgen (KHNH) lieferten Shankar-Ehsaan-Loy prächtige Nummern ab, bei „Kyun!…“ klingen sie formelhaft kopierend.

Einige Tänze spielen grundlos in Schottland und England. Die bollywoodtypischen Luxusvillen und Edelkneipen öden auch an.

Noch ein paar Hintergründe:

Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten waren die Hauptdarsteller Oberoi und Rai tatsächlich ein Paar. Später heiratete Rai indes Abhishek Bachchan, Sohn des KHGN-Darstellers Amitabh Bachchan.

Die Bonus-DVD enthält 22 untertitelte Minuten zur Entstehung des Films, die jedoch nicht viel hergeben, sowie zahlreiche Filmtrailer mit Hindi-Ton.

Die 168 KHGN-Minuten ziehen sich. Selten habe ich so wenig in einer „Komödie“ gelacht wie hier.


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