Bollywood: Rangeela (1995, mit Aamir Khan) – mit 3 Videos – 6 Sterne

Der Film beweist Herz am rechten Fleck:

Die Eltern der angehenden Kinoheldin sind nicht obsessiv beschützend oder geldgierig, sondern lassen wohlwollend ihre Tochter einfach mal machen. Sogar Herrenbesuch darf sie empfangen.

Größere Teile des Films spielen in der entschieden kleinbürgerlichen Wohnung von ‚Mili‘, selbst die gelegentlich zu sehende Villa des ferrarifahrenden ‚Superstars‘ Jackie Shroff ist nicht außerirdisch pompös. Bei manchen Szenen wird nicht ganz klar, ob es jetzt Film ist – oder Film im Film – bis kurz vor Kuss die Klappe fällt.

Der Gesamteindruck:

Insgesamt wirkt „Rangeela“ zwar immer noch wie ein Masala-Spektakel, aber doch einen Tick mehr geerdet als andere Streifen aus den Mittneunzigern, etwa als „Dilwale Dulhania Le Jayenge“ oder „English Babu Desi Mem“. Sehenswert.

Alle spielen leicht überzogen; aber eben nur leicht. Urmila Matondkar gibt das robuste, gutherzige Vorstadtmädel genauso überzeugend wie die angehende Diva. Aamir Khan spielt den Straßenbengel etwas monoton hart und rüde, es geht aber grade noch.

Handlung und Musik:

Jackie Shroff zeigt den öligen Superstar in passender Weise. Zwischendurch gibt es unterhaltsame Parodien auf Dreharbeiten à la manière Bollywood. Ich habe viel gelacht und auch viel gefiebert – anders als viele Kommentatoren ahnte ich nicht so recht, wie es enden würde, das Geschehen schien mir bis zum Ende offen. Das Ganze meist schnell, schnell, schnell, Langeweile kommt nicht auf.

Höchstens bei den zahlreichen Musiknummern. Die Stücke von A.R. Rahman betonen wie immer Rhythmus und Elektronik, Melodie und Harmonie interessieren weniger. Aber wow, wie die elastische Urmila Matondkar dazu tanzt – und mit einer oft raffiniert choreographierten Compagnie im Hintergrund.

Häufig spielen diese Leibesübungen am Strand von Bombay oder Goa, so dass Urmila Matondkar notgedrungen noch mehr Haut zeigen muss. Aber allein mit ihrem Gesichtsausdruck transportiert sie schon jede Menge Sinnlichkeit, gerade in den Nahaufnahmen zeigt sie enorme Präsenz. Ich kenne sie noch aus ‚Tehzeeb‘, sehr gut, und, als Randfigur, aus ‚Company‘.

Schade, dass Matondkar nie den ganz großen Durchbruch schaffte. Vielleicht wäre sie vor 30, 40 Jahren erfolgreicher gewesen.

Meine in Indien gekaufte DVD stammt vom seit 1977 etablierten Vertrieb Eros International. Die Bildqualität ist extrem schlecht. Der Ton überzeugt auch nicht.


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