Bollywood-Oldie: Prem Rog (1982, mit Shammi Kapoor) – 4 Videos – 4 Sterne

Sozialkritik, Blut und Tränen

Pathetisch aufgeblasenes Liebesdrama (1982, Regie und Schnitt Raj Kapoor), in dem alles, aber auch alles problematisiert wird, was problematisiert werden könnte, die Tradition, das Dorf, die Religion, die Stellung der Frau, die Stellung der verwitweten Frau, die Verwandten, Klassendenken, Kastendenken.

Die Dialoge sind teils viel zu poetisch, teils viel zu direkt sozialkritisch, die Kulissen papiern. Auch sonst wirkt nichts echt und robust, schon gar nicht die Gefühlsbekundungen des blassen Milchbarts Rishi Kapoor, Sohn des Regisseurs.

Vergnügungssteuer wird nicht fällig:

Andere Bollywooddramen sind ebenfalls im ersten Teil vergnügt und werden dann tragisch bis kurz vorm Happy End. Bei Prem Rog aber macht der Spaßteil wenig Spaß, die Hochzeit ödet an und der hysterische Dramateil berührt kaum – auch wenn die wirklich schöne, zunächst recht glaubwürdige Padmini Kolhapure fast durchgehend heult und Rishi Kapoor sich im Namen der Liebe immer wieder dumpf-heroisch verprügeln oder fast sogar erschießen lässt.

Die Musik stammt von Laxmikant-Pyarelel, die wohl besten Musikproduzenten ihrer Zeit, die selbst langsamen Nummern Groove und Zauber einhauchen. Für Prem Rog (wörtlich „Liebeskrank“) produzierten sie weniger packende Nummern und Teddybär Rishi Kapoor ist auch nicht der optimale Darsteller für Hindi-Musik-Videos.

Raj Kapoor landete wieder einen Erfolg:

Filmfare-Auszeichnungen gab es für Regie, Schnitt und Hauptdarstellerin, in acht weiteren Disziplinen war „Prem Rog“ nominiert. 1982 verdiente nur ein Hindi-Film mehr Geld an den Kinokassen. Meine bevorzugte Raj-Kapoor-Regie bleibt jedoch Bobby (1973).

Parallen zu Satyam Shivam Sundaram (1979, Regie ebenfalls Raj Kapoor):

  • auch in Satyam Shivam Sundaram hängen ständig unscharfe Blüten in den Vordergrund
  • während der Film über weite Strecken Bollywood-untypisch wenig Gewalt gezeigt hatte, geht es auf den letzten Metern doch noch unerwartet massiv zur Sache
  • lächerliche Spezialeffekte und Kulissen für den Traumsong
  • Padmini Kolhapure spielte in SSS noch die Kinderversion der Hauptdarstellerin


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