Rezension Bollywood-Oldie: Khalnayak (1993, mit Madhuri Dixit) – Trailer & 4 Songs – 7 Sterne

Wilde Masala-Action im rüden, schroffen 80er-Bolly-Stil mit grober Gewalt, schmalztriefender Mutter-Sohn/Sohn-Mutter-Liebe, fetzigen lasziven Tänzen und aufrichtigen Polizisten, die das Böse-Böse nach bestem Gewissen bekämpfen (auch Khal Nayak geschrieben). Nichts für Sensible, denn Blut fließt reichlich. Einer der erfolgreichsten Hindifilme 1993. Rüde unterhaltsam, krachig, ungeniert.

Langweile kommt nicht auf:

Der Drei-Stunden-Kracher ist jederzeit spannend, für mich deutlich der beste Film von Regisseur Subhash Ghai, den ich bisher sah. Madhuri Dixit spielt für die Rampe, mit 100.000-Watt-Lächeln und hypnotisierenden Hüft- und Kopfschwenks in den Tänzen, so knallig wurde sie selten in Szene gesetzt. Das gilt natürlich besonders für den berühmten Tanz „Was ist hinter meiner Bluse – mein Herz, und ich gebe es meinem Liebsten“ (im Song Choli Ke Peeche, direkt unterhalb, der in Indien Kontroversen auslöste). Dazu steuerten Laxmikant-Pyarelal gewohnt kernige Songs mit viel Schmiss bei.

Alle anderen verblassen gegen Dixit: Sanjay Dutt spielt wie in den späteren Munna-Bhai-Erfolgsfilmen einen triefäugigen Gangster mit Herz, schon mit dem Trantütenblick der späteren Jahre, aber hier noch mit Hippiezottelmähne (originell: Dutt mimt einen Terroristen und stand fast zeitgleich tatsächlich unter Terrorismusverdacht im Zusammenhang mit den Anschlägen von Bombay 1993). Einige weitere Tänze reißen mit, dazu raffinierte Schnitte, die ein und dieselbe erzählte Handlung oft aus der Perspektive mehrerer räumlich getrennter Akteure zeigen.

Die Logiklöcher halten sich über lange Strecken noch in Grenzen, aber beim bombastische Finale gegen Ende wird es sogar für Bollyverhältnisse bizarr, bei einer Verfolgungsjagd, die auf dem Meer zwischen Dampfer und Nussschale beginnt und nahtlos auf festem Boden weitergeht.

Manche Stellen erinnern an andere Filme von Regisseur Subhash Ghai:

  • auch in Karz und Ram Lakhan gibt es eigenwillige, ölige Chefschurken mit dem besonderen Etwas
  • auch in Pardes gibt es Indien-Patriotismus (Khalnayak beginnt und endet mit einer Indienfahne, ist aber deutlich weniger patriotisch als das penetrante Pardes); in beiden Filmen heißt die Hauptakteurin Ganga (nach dem heiligen Fluss)
  • auch in Ram Lakhan agiert Jackie Shroff als guter Polizist, beide Filme zeigen auch Madhuri Dixit (in Khalnayak ist sie viel präsenter); zudem gibt es in Khalnayak einen Anil-Kapoor-Doppelgänger als Polizisten, der an Anil Kapoors Gesicht, aber nicht an dessen Rolle in Ram Lakhan erinnert

Wer Filme dieser Art mag, sollte neben Ram Lakhan auch Mrityudand sehen, noch so ein gewalttätiger Action-Kracher mit La Dixit und weiteren Stars (und Sozialkritik). Auch in Beta spielt Madhuri Dixit frisch auf und tanzt das berühmte, nicht konservative „Dhak Dhak Karne Laga“.



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