Bollywood-Oldie: Jewel Thief (1967, mit Dev Anand) – mit 3 Videos – 6 Sterne

Toller swinging-sixties-Stil voller James-Bond-Anklänge und bizarrer Deko, flotte oder melancholische Lieder von S.D. Burman (aber nur zwei Tänze), ein dramatisches Finale mit Schusswaffen und Verfolgung, zwei schöne Frauen plus Tanzbombe Helen begehren den lässigen Gentleman in Karohosen und Breitcordjoppe:

„Jewel Thief“ (1967) hat alle Zutaten zum Kracher. Tja, und „Jewel Thief“ unterhält auch halbwegs.

Aber letztlich riss mich der allseits hochgelobte Film nicht so mit wie andere Hindi-Streifen aus der Epoche:

Die möglichen Liebesgeschichten kommen nicht in Fahrt, denn Dev Anand lässt die schmachtenden Damen meist am kleinen Finger verhungern, umgekehrt kämpft seine eigentlich Auserwählte mit ganz eigenen Problemen. Auch die Krimihandlung weckt kein allzu großes Interesse, basiert sie doch auf Verwechselungen, die man erst im Nachhinein durchschaut, und sie wird von viel Gerede in Phantasie-Eigenheimen aus dem Bollywood-Katalog begleitet.

Insgesamt bin ich kein Fan der Verwechselungsdramen: die Filmhandlung liefert zwei verschiedene Personen, die sich so ähnlich sehen, die so ähnlich sprechen und agieren, dass alle Welt sie verwechselt – sehr herbeifantasiert, nur im Hindi-Film gibt’s das immer wieder.

Das Mittel „Verwechslung“ ist mir fast zu billig und unplausibel und im Movie aus Mumbai mitunter so angelegt, dass man das Spiel auch bei genauem Aufpassen frühestens zum Abspann durchschaut – wenn überhaupt.

Allein mit Shah Rukh Khan fallen mir gleich mehrere Verwechslungskomödien ein:

Zum Beispiel „Duplicate“ (hier verät es schon der Titel) oder der „Don“ von 2006, der die Verwechselungen noch ein Stück weiter treibt als der 78er-Original-„Don“; dazu „Baadshah“, bei dem allerdings nur Namensgleichheiten zu Konfusion führen. Den Höhepunkt lieferte vielleicht Regisseur und Autor Gulzar mit „Angoor“ (nach Shakespeare), bei dem zwei Paar Zwillinge mit insgesamt nur zwei verschiedenen Namen agieren – Spaß komm raus. (Der umgekehrte Ansatz – ein Filmcharakter wechselt zwischen zwei verschiedenen Persönlichkeiten, wie in „Rab Ne Bana Di Jodi“ oder „Dil Bole Hadippa“ – gefällt mir kaum besser, jedenfalls in den Hindifilmen, die ich kenne.)

Vielleicht könnte man – am Ende von „Jewel Thief“ – sogar sagen, so schlimm ist es hier doch mit Verwechslungen gar nicht. Aber man muss erstmal alles durchschauen. Wie bei vielen epischen Bollies hilft vorab ein Blick in die Handlung auf Wikipedia (deutsch, ausführlicher englisch).

Wenn schon Dev Anand und swinging sixties, dann gibt es Alternativen:

So fühle ich mich mit „Evening in Paris“ (klamaukiger und glamouröser) oder „Guide“ (indischer, wie „Jewel Thief“ mit Devs Bruder Vijay Anand als Regisseur) besser bespaßt als beim „Jewel Thief“. Eine ähnliche swinging-sixties-Atmosphäre zeigt eindrucksvoll auch „Bobby“ (mit jugendlichen Hauptakteuren).

„Jewel Thief“ liefert keine besonders eindrucksvollen Bilder und das trotz Sikkim-Himalaya-Kulisse; interessant allerdings die Kameraregie bei den zwei Tänzen und immer wieder die ausdrucksvolle Vijayanthimala ganz nah.

Meine „Jewel Thief“-DVD des Vertriebs Shemaroo besitzt aber eine bessere Bildqualität als mancher 90er-Jahre-Film; der Ton wirkte insgesamt passabel, fiel nur in kleineren Aussetzern mitunter schlagartig ab. Ein wiederkehrendes Motiv in der Hintergrundmusik erinnert mich stark an das Riff des Songs „Daily Records“ von den „Who“ (1981).

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