Bollywood-Kritik: Don – The King Is Back (2011, mit Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra) – 6 Sterne – mit Video & Pressestimmen

Der Bollywood-Actionklopper spielt gutteils in Berlin in einem Drama rund um die deutsche Zentralbank. Die Filmer lassen die Muskeln spielen: Alle Einstellungen blau oder rot gegradet, Jumpcuts, Zeitlupen, Drohnenflüge, Feuersbrünste; Bollywood-Diva Shah Rukh Khan agiert mit drei verschiedenen Frisuren, wird von der Kamera unentwegt heroisiert und vermöbelt jederzeit auch zehn Bösewichte am Stück, immer verbissen selbstironiefrei. Trotzdem ist alles nicht so ganz entfesselt – nicht so dämlich pubertär wie die Bolly-Actiondinger Dhoom und Fortsetzungen, nicht so Effekt-kraftmeiernd wie Main Hoon Na, nicht so blutberauscht wie viele Bollywood-Räuberpistolen (trotz vieler Morde), und die angedeutete Romanze zwischen den Hauptfiguren bleibt noch keuscher, als es Delhis Filmwächter vorschreiben (Regie Farhan Akhtar).

The King Is Back wirkt fast immer kurzweilig, wenn auch ohne jede emotionale Tiefe und ohne Dialogzeilen, die im Gedächtnis bleiben. Im Vergleich zu Don 1 von 1978 (mit Amitabh Bachchan) oder dessen Neuauflage von 2006 (Don – Das Spiel beginnt, mit Shah Rukh Khan) kann man diesem Don 2 leicht folgen. Die Akteure erklären die Handlung teils sogar aufdringlich deutlich (Ko-Autor ebenfalls Farhan Akhtar, Sohn von Drehbuchlegende Jarved Akhtar, der hier lt. Abspann die Songtexte schrieb).

Störend ist vor allem die permanent süffisant-arrogante Attitüde von Don (Shah Rukh Khan), an der sich praktisch nie etwas ändert und die bestenfalls den Rikschahwallas auf den billigsten Plätzen imponiert. Im Abspann zeigt der Film noch einen absurd gruseligen Tanz, der nichts mit dem Vorherigen zu tun hat (ich kenne nur die deutsche TV-Ausstrahlung, die in 720p-HD sehr gut aussah, mit gut sitzender Synchronisation).

Mit Feuersbrünsten, schicken Bauten, Hi-Tech, fliegenden Autos und dito Länderwechseln (Thailand, Malaysia, Schweiz, Deutschland) schafft Don – The King Is Back Anklänge an James Bond. Viele Rezensenten dachten auch an Ocean’s Eleven und die Mission-Impossible-Serie.

Mich erinnerte Don 2 aber mehr noch an The Italian Job (2003): Die Helden in Don 2 wie auch in Italian Job fernsteuern gehackte Großanlagen per Laptop, rauschen durch virtuelle Modelle der zu erobernden Komplexe und liefern urbane Unterwasser-Action; in beiden Filmen rasen Autos in U-Bahn-Schächte. The Italian Job ist in jeder Hinsicht besser.

Ein Inder ist Vizechef der Deutschen Zentralbank (und Haupt-Bösewicht), kann aber auch deutsche Immunitätszusicherungen besorgen. Kaum treffen die indischen Polizisten Om Puri und Priyanka Chopra in Berlin ein, übernehmen sie dort die Ermittlungen und dirigieren ihre deutschen Kollegen. In den wenigen Straßenszenen sieht Berlin nie sonderlich gut aus.

Shankar-Ehsan-Loy liefern Plastikmusik unter Niveau. Kunal Kapoor wirkt überraschend jung und entspannt. Boman Irani als Khan-Sidekick bleibt blass und angestrengt böse, darf sein Komiktalent nicht ausspielen; der muntere Arshad Warsi (Munna Bhai-Sidekick) hätte auf diesem Posten wohl mehr Eindruck gemacht, aber auch mehr vom blasierten Shah Rukh Khan abgelenkt, der nur Posen durchexerziert. Mit dabei: Hrithik Roshan, Lara Dutta, Om Puri.

Und ganz objektiv: Selbst als zweieinhalb Stunden lang perma-verkniffene Interpolizistin ist Priyanka Chopra göttlicher als jede andere Bollygöttin.

Kritiken:

  • Deutsche Kritikerzitate und Links (Film-Zeit.de)
  • 7,1 von 10 Publikumssternen bei IMDB (40961 Stimmen im Februar 2017, Männer und Frauen gleich kritisch, allerdings Frauen über 45 weit positiver als Männer über 45)
  • Wikipedia: Englisch, Deutsch

Molodezhnaja (3 von 5 Sternen):

Wenn Shahrukh Khan etwas sagt, dann steht die Welt still, dann ist immer Zeit für ein Grinsen, immer Zeit für einen coolen Spruch und immer Zeit für eine einprägsame Geste. Ja es scheint sogar nach jedem solchen Shahrukh-Intermezzo Zeit zu sein, damit das Publikum Johlen und Applaudieren kann. „Don 2“ ist der Inbegriff eines Starvehikels, bei dem es zwar unzählige profilierte Co-Stars gibt, aber nur einen Star. King Khan… eine Art Potpourri aus hundert anderen Actionthrillern vor ihm, vor allem der „Ocean’s Eleven“- und „Mission: Impossible“-Reihen… immerhin werden wir verschont von exzessiven Kamerafahrten oder billigen Seil-Stunts

EPD-Film:

Ein Actionformelfilm, der den Sekundentakt von Musikvideoclips ebenso routiniert exekutiert wie den Nahkampfthrill à la Playstationgames. Berechnet auf die Mentalität von pubertierenden Jungs, die für ihre Grandiositätsfantasien Futter benötigen. Mit einem Helden, der allzeit süffisant lächelt, ob er gerade seine Widersacher exquisit sadistisch ins Jenseits befördert oder das Tanzbein schwingt… Ein Film, der derart bedenkenlos abkupfert, wäre nur dann vergnüglich, wenn er seinen Zitaten einen besonderen Twist verleihen könnte, eine ausdrückliche Over-the-top-Selbstironie. Darauf aber wartet man hier vergebens.

TV Spielfilm (waagerechter Daumen (mittelprächtig)):

Aufgedrehte Nonsens-Fortsetzung für den internationalen Markt, mit viel „bondiger“ Action und weniger Tanz und Gesang als in Bollywood üblich. Doller Action-Pulp fern indischer Stärken

Bild:

Möglichst viel Action und eher wenig Sinn… Überhaupt brechen in diesem Film irgendwelche Darsteller ziemlich oft in Gesang aus, der nicht immer überzeugt, während sich die Tanzszenen durchaus sehen lassen können ((wo denn? – HansBlog))… Der offensichtlich nicht gerade uneitle und gerne ganz in Weiß gewandete Hauptdarsteller Shah Rukh Khan tänzelt mit unglaublicher Selbstverliebtheit und unfassbarer Haartracht über die Glitzerböden und gibt dabei irgendwelchen Blödsinn von sich, der für die Handlung zum Glück ohne Belang ist. Was auch insofern nicht weiter stört, als eine halbwegs logische Handlung ohnehin nicht zu erkennen ist.

Spiegel:

Das Resultat schwankt zwischen Action-Sause mit Berliner Luft und labyrinthischem Hindi-Reißbrettkrimi ohne besonders neue Einfälle.

Focus:

Die Pläne des Gangsters sind teilweise vollkommen undurchsichtig, lösen sich aber immer wieder verblüffend auf… Der Film ist eine Mischung aus „James Bond“ und „Oceans Eleven“ – auch in Sachen Selbstironie. Manche Momente sind auch unfreiwillig komisch… Überhaupt ist „Don 2“ eher etwas für Zuschauer, die auch mal eine Tanzszene mit Gesang zu schätzen wissen und nicht auf trockene „Tatort“-Unterhaltung bestehen. Die indische Herkunft sorgt nicht nur dafür, dass alle Figuren sensationell gut angezogen sind – sie macht den Film außerdem viel bunter und krawalliger als vergleichbare Hollywood-Kracher.

New York Times:

If “Mission: Impossible” and “Ocean’s Eleven” had a bombastic, funny and slick cousin, it might be “Don 2.”… It’s indeed an impossible mission (Don even uses a peel-away mask) in the jokey spirit of Danny Ocean. “Don 2” is more comic book than that, except most comics have nods to emotional depth. Don is a superenigma, an anti-hero way too extraordinarily capable to take seriously… audiences will have to forgive the bland performances. Not the actors’ fault, really; when a cocky chuckle (Mr. Khan) or determined lips (Ms. Chopra) are your only character bits, you don’t have much character to explore. Only Kunal Kapoor, as a more sympathetic colleague of Don’s, has human moments. They’re almost out of place; subtlety is one language this playful film doesn’t speak.

Planet Bollywood:

SRK’s Don is often reduced to mannerisms, including an iconic grimace, and catchphrases. These shorthands are likely effective marketing tools, but there’s a danger of becoming hackneyed when overused or poorly written… Don is largely a cardboard character… The film is fully focused on SRK’s Don: the other characters, and perhaps even the script, are mere accessories. Priyanka Chopra’s character is reduced to reacting and eye candy.

Rediff:

Through most of the film Khan is very cool. He often has a twinkle in his eye, a slight mischievous smile… He walks with a swagger, whether in a Malaysian prison wearing an orange jump suit, or on the dance floor with Dutta. There is a rhythm in his body… Don 2 is beautifully shot, well lit and has a very clean look, whether on the streets of Berlin or inside the studio… a story, plot and script that is dull, almost boring. When we are not seeing Khan’s swagger, or hearing the hip upbeat background score by Shankar Ehsaan Loy, Don 2 starts to lose steam… the script explains everything to us step-by-step… For a suspense thriller, Don 2 has no edge-of-the-seat moments… Khan’s charming presence aside, Don 2 is packed with uninspired performances by a large supporting cast.

Variety:

Writer-director Akhtar handles the “Ocean’s Eleven”-type bank job with aplomb, but what gives the proceedings their zing are the strong emotional undercurrents interlinking Khan and his multiple enemies, and the palpable sexual sparks ricocheting between Kahn and conflicted cop Chopra. In contrast with “Ra.One,” Khan’s last overwrought starring venture, the explosions and CGI pyrotechnics in “Don 2” always take a backseat to physical immediacy and psychological tension. The constant reversals and numerous twists that characterize Don’s convoluted schemes might strain credibility were they not so perfectly integrated into the character’s mischievous, table-turning mastery. As written and directed by Akhtar and thesped by Khan, Don takes such devilish delight in confounding his enemies’ expectations that the viewer cannot help but revel in his cleverness even when disturbed by his unapologetic villainy, knowing smirk and arrogant self-assurance. Except for the pic’s mercifully few over-the-top musical numbers, which range from garish to ludicrous in their channeling of James Bond credit sequences, tech credits are ace.


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