Rezension Bollywood-Kracher: Om Shanti Om (2007, mit Shah Rukh Khan, Deepika Padukone; mit Trailer & 4 Songs) – 7 Sterne

Es gibt sensationell witzige, beglückende Szenen – und äußerst langatmige und oder schwülstige Abschnitte dazu. Fast jeder 2007 lebende indische Kinostar hat einen Kurzauftritt (im Video ganz unten), und Om Shanti Om liefert Anspielungen auf Dutzende Bollywood-Oldies; selbst wer diese Filme nicht kennt, hat aber mit Om Shanti Om seinen Spaß. Om Shanti Om ist einer der wenigen Filme, denen sogar ein Buch gewidmet ist.

Schon klar:

Die Story ist hier nicht nur genre-typisch Nebensache und logikfrei, sondern diesmal auch höchst verworren. Man kann sich die Handlung ruhig vorab auf Wikipedia komplett durchlesen, um überhaupt mitzukommen.

Der Film glänzt aber durch die komödiantische Szenenfolge, eine bomba(ya)stische Nummernrevue: hochoktaniger Kindergarten, unterlegt mit exzellenter, für Bollywood-Verhältnisse sehr abwechslungsreicher Musik von Vishal-Shekar – mal sanft, mal-schmissig und swinging, mal liebreizend im Walzertakt, dann wieder heiße Disconummern (die feurige Oldie-Parodie Doom Tana (nächstes Video unten) steuerte Pyarelal vom einstigen Erfolgsteam Laxmikant-Pyarelal bei, das die Musik zu Dutzenden Bollywood-Oldies geliefert hatte).

Einige attraktive Szenen:

„The star of the evening, the Dreamy Girl herself, Shantipriya“, geht, nein, schwebt über den roten Teppich gen Premierenkino. Und das in magischer Zeitlupe, während sich ihr Kleid an Om Prakashs Armbändchen verfängt. Wie sie zum Schluss nochmal zurücklächelt, ins Teleobjektiv hinein, ganz Leinwandgöttin, und doch scheinbar nahbar, im Hintergrund rosa-grüne Unschärfewölkchen: zum Niederlegen.

Dazu tönt die romantische Weise „Ajab Si“, die es fast nicht in den Film geschafft hätte (und die im Original-Soundtrack viel länger läuft). Nebenbei ist das auch eine der vielen gelungenen Massenszenen des Films, bei der sich die indischen Filmfans um den roten Teppich drängeln und von Sicherheitskräften mühsam im Zaum gehalten werden. Regisseurin Khan sagte, man habe jederzeit hundert bis zweihundert Statisten am Set gehabt, die ja alle auch zeittypisch gekleidet werden mussten.

Ein paar Randaspekte:

  • Die Kameraführung ist wunderbar. Wann immer man die Pausetaste drückt, das Standbild taugt als Poster. Der Film schreit – wie so einige Bollywoodstreifen – nach der ganz großen Leinwand, mindestens nach einer Blue-Ray-Scheibe mit Full-HD-Beamer. Speziell die gut anzusehende Newcomerin Deepika Padukone wird von der Kamera sehr  vorteilhaft gezeigt. So manche Windmaschine brannte sicher am Set durch, um ihr Haar am Wehen zu halten. Padukone kann sich für diesen eindrücklichen Debütauftritt bei Regisseurin Farah Khan, Produzent und Spielpartner Shah Rukh Khan und beim Kameramann bedanken.
  • Die Kostüme und Frisuren im ersten, 70er-Jahre-, Teil sind sensationell. Interessant: Speziell für Shah Rukh Khans Staffierung war Karan Johar zuständig, sonst hochgelobter Filmfirmenchef, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent.
  • Mein heimlicher Favorit in der Schauspielerriege ist der treuherzige „Pappu“, Freund des Hauptdarstellers, gespielt von Shreyas Talpede, der im 70er-Jahre-Teil eine famose Frisur, ein niedliches Lächeln und nur leicht weniger schrille Klamotten als der Hauptdarsteller selbst zur Schau trägt.
  • Im Bonus-Teil meiner BD gibt es mindestens zwei Interviews mit Shah Rukh Khan: bei der Berlinale und auf MTV India – zwei höchst unterschiedliche Ereignisse.
  • Die Hindi-Stimmen sind exaltierter, aber auch charmanter, als die deutschen Synchronstimmen. Ich würd’s darum in Hindi mit Untertiteln sehen. Der tatsächlich gesprochene Hindi-Englisch-Mix ist ohnehin amüsant. Und viele der auch im O-Ton englisch gesprochenen Sätze klingen so eindrücklich wie bekannte Zitate, auch wenn sie vielleicht erst nach Om Shanti Om bekannt wurden; so etwa „Call me Mike, everyone in Hollywood does“. Dieses Markant-In-Stein-Gehauene geht den deutsch gesprochenen Sätzen gänzlich ab.
  • Om Shanti Om ist einer von vielen Bollywood-Filmen, die das Bollywood-Geschäft selbst zum Inhalt haben. Weitere solcher Meta-Bollywood-Produktionen habe ich hier aufgelistet.


Ein paar Minuspunkte:

  • Wie bei anderen Bollywood-Filmen sieht alles etwas nach Studio und Pappmaché aus. Ich vermisse „echte Szenerie“.
  • Manche Monologe geraten viel zu lang(weilig), so die Ansprache zum Filmplakat, die gespielte Preisverleihungsrede im ersten Teil, die echte Preisverleihungsrede im zweiten Teil.
  • Es gibt nicht viel Gewalt. Aber es gibt sie, und diese Szenen verleiden es mir, den Film öfter komplett durchlaufen zu lassen. Auch die 2007 in Bollywood eigentlich schon seltenen Furzszenen gibt es.

Trotzdem – Om Shanti Om zählt zu den ganz großen Bollywood-Krachern seit 1995:


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