Bollywood-Komödie: Ein göttliches Paar – Rab Ne Bana Di Jodi (2008, mit Shah Rukh Khan) – mit Trailer & 5 Songs – 6 Sterne

Shah Rukh Khan spielt einen Büro-Langweiler – doch um seiner Liebsten zu imponieren, mimt er den Super-Macker. Die Glaubwürdigkeitslücke klafft weiter und tiefer als der eindrucksvolle Nektarteich rings um Amritsars Goldenen Tempel. Doch wir sind ja auch nicht in der Tagesschau.

Mein Zwischenfazit:

Insgesamt ein solider Feelgood-Film mit oft gefälliger Musik, mit vielen sehr, sehr schönen Kameraeinstellungen und getragen vor allem auf den bewährten Schultern von Bollywood-Evergreen Shah Rukh Khan.

Die ausstrahlungsfreie Anushka Sharma überzeugt in der weiblichen Hauptrolle nicht, in ihren vielen stillen Szenen wirkt sie einfach nur abwesend. Sie sollte, wenn überhaupt, eher exaltierte Rollen annehmen, Item-Girl in Tanzeinlagen oder wieder Model spielen. Etwas vor ihr hatte Deepika Padukone ein weitaus sehenswürdigeres Debut in Om Shanti Om, selbst Freida Pinto debütierte bemerkenswerter.

Auch diese Stars tauchen kurz auf:

In einem einzelnen Tanz tauchen plötzlich andere Bollywood-Stars auf (Video unmittelbar oberhalb); natürlich hüpft das Herz, wenn man plötzlich Preity Zinta, Rani Mukerji oder gar die glutäugige Kajol erkennt. Dennoch erschließt sich der Starreigen nicht ganz; der Tanz, obwohl er eh auf einer Kinoleinwand spielt, bleibt ein Fremdkörper im Film, auch wegen seiner seltsamen Studiotricks. Und man denkt wehmütig, wie viel besser etwa Preity Zinta die weibliche Hauptrolle ausgefüllt hätte.

Ebenso eigentümlich wirken die Anspielungen auf Action-Reißer-Filme wie Dhoom 2, doch bieten sie immerhin Anlass zu einer vergnüglichen und schön gefilmten Motorradschlacht (Anushka halbgrimmig am Lenker, Shah Rukh Khan als Handtaschenhalter dahinter). Auch die mühsam ins Drehbuch gequetschte Klopperei mit einem Sumo-Ringer passt nicht gut ins Großeganze.

Von Amritsar und dem Punjab sieht man nur die Klischees: Den Goldenen Tempel mit der famosen Palastanlage, wogende Kornfelder, viele Turbane und ein paar ärmliche, aber gediegen abgefilmte Straßen.

Die Tänze haben selten den Bombast einer Farah-Khan-Choreographie (die hier tatsächlich nicht beteiligt war), dafür gibt es hier schöne „kleine Tänze“, in denen mir Shah Rukh Khan sehr gut gefällt, rein darstellerisch sogar besser als in Om Shanti Om oder den großen Karan-Johar-Produktionen.

Highlight unter den Songs ist recht früh „Haule Haule“ mit einem plötzlich gelösten Bürohengst Surinder (SRK), der verspielt und allerliebst zwischen Rikschahs und Reissäcken tänzelt (Video direkt oberhalb). Herrlich! Ähnlich locker und ausgelassen wirkt er später zeitweise, wenn er während des Landausflugs als Liebesgockel Raj tanzt (Video direkt unterhalb).

*Nicht* unglaubwürdig finde ich übrigens Shah Rukh Khans Darstellung als alternder Charme-Gockel Raj mit Betonhumor: Ich kenne genug über 40jährige, die genau diese forcierte, berufsjugendliche Spaßnummer abziehen – und dabei ohne Shah Rukhs Luxusbody (der hier noch gestählt ist von der Oben-ohne-Disconummer Dard-e Disco aus Om Shanti Om).

Mir bereitet der durchgeknallte Pseudomacker Raj viel Vergnügen. Over-acting ist hier erlaubt. Zumindest trennt Khan die zwei Rollen für einen Schauspieler deutlicher als im Doppelrollen-Gaukelspiel Paheli – Die Schöne und der Geist.

Zwei meiner Lieblingsszenen im Film:

  • Die Kollegen stürmen Suris Haus, laden sich selbst ein, um die neue Frau zu sehen. Die aber bleibt verstockt in ihrem Zimmer, keiner erblickt sie. Der pikierte, aber loyale Suri verteidigt seine Überraschungsbraut, sie sei einfach noch erschöpft. Die Kollegen resignieren, vertrösten sich aufs nächste Mal, auch wenn die Versteckpolitik peinlich berührt; doch da – taucht die neue Ehefrau doch noch auf, schüchtern bietet sie Getränke an, geht herum, wechselt Worte, taut langsam auf, lacht gar zum Schluss, und das macht natürlich auch unseren lieben guten Surinder von Herzen glücklich. Ihr Gesicht, wenn sie überraschend mit den Getränken ankommt und scheu auf die neugierigen Blicke der Surinder-Kollegen reagiert: das ist schönes Kino.
  • Surinder, der Tropf, sitzt immer sauertöpfisch in seiner Bürozelle beim Stromversorger Punjab Power. Und wenn sein Telefon bimmelt, sagt er „Punjab Power, lighting up your life ji“ – mit diesem melancholischen Trantütengesicht, das eher nach dem siebten Stromausfall aussieht.

Insgesamt eine unterhaltsame Klamotte: Bollywood, lighting up your life.


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