Bollywood in Spanien: Man lebt nur einmal – Zindagi Na Milegi Dobara (2011, mit Hrithik Roshan, Katrina Kaif) – Trailer & 3 Songs – 5 Sterne

Wie so oft in Bollyland: Alte Herrschaften spielen junge, infantile Bürschlein. Oder wie Raja Sen über diesen Film schreibt:

„The boys are men pretending to be boys pretending to be men. The result is a group of actors being embarrassingly juvenile while trying to deal with just how badly miscast they all are.“

Trotzdem ist das Drama um verflossene und aufkeimende Lieben teilweise interessant und teilweise witzig, attraktiv verfilmt (u.a. mit Hrithik Roshan, Katrina Kaif, Naseeruddin Shah, Farhan Akhtar, Abhay Deol). Die Herrschaften spielen nicht ganz so schmalzig, selbstfindungs-vergrübelt und und überzogen wie etwa in Dil Chahta Hai (auch mit Farhan Akhtar und einer neureichen Jungmännerclique, darunter wie hier ein verzweifelter Künstler vom Dienst) oder Mujhse Doste Karoge! (auch mit einem grimmigen Hrithik Roshan).

Der Spanien-Trip dauert zu lange:

Allerdings läuft Man lebt nur einmal – Zindagi Na Milegi Dobara (auch deutsch synchronisiert erhältlich) mit 2:30 Stunden eine gute halbe Stunde zu lang. Die überflüssige Nebenhandlung mit Imrans Vater hätte man streichen sollen.

Fürs Geld gibt es immerhin sehr viel Spanien und sehr viel Sport: schöne Bilder vom Tauchen, dramatische Bilder vom Skydiven (völlig unrealistisch), Klamaukbilder vom Tomatenschmeißfestival und sehr dramatische Bilder vom Stierlauf in Pamplona (die Helden fallen hin, aber die Hemden bleiben blütenweiß).

Natürlich Luxus pur:

Selbstverständlich kurven die alten Jungmänner in einem schnieken Cabrio-Oldtimer über die iberische Halbinsel und logieren nur in allerersten Häusern. Schließlich zeigte schon der Filmbeginn, wie sie erster Klasse einflogen. Um so unglaubwürdiger, dass sie einmal doch ein einziges Zimmer teilen. Und die Nacht am Lagerfeuer – reiner Quark.

Die Beziehung Kabir-Natasha spielt eine wesentliche Rolle in dem Film. Gleich zu Anfang sehen wir, wie Kabir um Natashas Hand anhält. Sie sagt zu und die Hochzeit soll in zwei Monaten folgen. Dieser Antrag geschah jedoch nicht ganz aus freien Stücken – wesentliches Hintergrundwissen dazu liefert Zindagi Na Milegi Dobara allerdings erst am Schluss und ändert so viel zu spät die Betrachtung der gesamten Handlung.

Ordentliche Musik:

Die beteiligten Musiker Shankar-Ehsan-Loy liefern je nach Film bzw. Auftraggeber mal gute, mal mediokre Klänge ab, Karan Johar bekommt für seine Filme immer die besten Stücke. Aber auch hier in Zindagi Na Milegi Dobara muss man nicht die Ohren zuhalten, es rockt teils ganz angenehm, nur die Disco-Nummer bei der Tomatenschmeißparty verstört (nächstes Video unten).

Interessant ist das nett arrangierte und choreographierte Stück Señorita (direkt oberhalb), eine Art Soft-Salsa: hier wechseln spanische und indische Sänger und Tänzer, die Zeilen erklingen teils in Spanisch und teils in Hindi – ein Sprachen-Mix aus Hindi und Spanisch, der an das nicht unähnlich klingende Jee Le aus dem ansonsten unsäglichen U Me Aur Hum (mit Kajol und Ajay Devgn) erinnert. Bei Señorita wie auch bei anderen kurzen Einlagen fällt wieder der enorm elastisch und sehenswert tanzende Hrithik Roshan auf; beim Schauspielen wirkt er schnell zu verbissen.

Fazit:

Das Rührstück um urlaubende Millionarios und ihre belanglosen Luxusproblemchen, mit Frauen nur in Nebenrollen, war ein Kassen- und Kritikererfolg, sammelt Bestnoten bei der IMDB-Publikumswertung und reihenweise Branchenpreise, u.a. Filmfare Awards in den Kategorien Bester Film und Beste Regie.

Ich jedoch bin reichlich enttäuscht von Regisseurin Zoya Akhtar (auch Co-Autorin; Schwester des Darstellers Farhan Akhtar; beide sind Kinder des berühmten Drehbuchautors und Dichters Javed Akhtar): Mit Luck By Chance lieferte Zoya Akhtar einst eine liebenswerte, selbstironische und leicht schräge Komödie ab. Ihr Zweitling Zindagi Na Milegi Dobara ist dagegen teure, aber hohle und materialistische Massenware.



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