Rezension Bollywood-Filmbuch: Fantasies of a Bollywood Love Thief: Inside the World of Indian Moviemaking, von Stephen Alter (2007) – 8 Sterne

Zum größeren Teil beschreibt Love Thief die Entstehung des Films Omkara (2006; R Vishal Bardwaj, u.a. mit Kareena Kapoor, Ajay Devgn, Saif Ali Khan, Konkona Sen Sharma, Naseeruddin Shah; sehr sehenswert, allerdings mit brutalen Morden). Alter erzählt sehr flüssig, leicht lesbar und in leichtem Englisch. Man hat oft das Gefühl, persönlich dabeizusein bei den Drehbuchkonferenzen, bei den Arbeiten am Set, wenn die (echten) Maschinengewehre im Büro eintreffen und bei den kleinen, subtil beobachteten Rivalitäten der Hauptdarsteller. Wir lernen, wie der Maskenbildner Blut anrührt und warum das Muhen einer Kuh trotz Synchrontonverfilmung die Aufnahme nicht ruiniert.

Begegnung mit Alt-Stars:

Andere, kürzere Abschnitte liefern weitere Bollywood-Hintergründe, stets in Verbindung mit konkreten Interviews oder Szenenbeschreibungen. Dabei trifft Alter Filmstudenten und ansonsten vor allem etablierte Akteure, deren größte Zeit ein paar Jahrzehnte zurück liegt, so etwa Shekar Kapoor, Shyam Benegal, Dev Anand, M.F. Hussain, Gulzar und Javed Akhtar (Teil von Salim-Javed). Personal, das erst nach Mitte der Neunziger groß herauskam, trifft man mit Ausnahme der Omkara-Mitarbeiter kaum, so fehlt Ausführlicheres zu Shah Rukh Khan, Salman Khan, Karan Johar, Mani Ratnam, Farah Khan, Aishwarya Rai oder zur YRF-Filmfabrik von Yash Chopra und Aditya Chopra. Love Thief verrät auf den letzten Seiten das Ende des Films Omkara und endet mit der Premierenparty.

Das Buch hat einen ausführlichen Index, aber nur wenige, flaue Schwarzweiß-Abbildungen. Es ergänzt die Omkara-DVD des deutschen REM-Vertriebs, denn diese DVD hat kaum Extras. An DVD-Extras erinnert auch Alters Tendenz, nichts zu kritisieren, sondern eher zu loben.

Weitere Bollywood-Bücher:

Mir fällt nur ein weiteres Bollywood-Buch ein, das halbwegs ähnlich lebhaft über aktuelles Bollywoodkino berichtet – das üppig ausgestattete Lights, Camera, Masala, Making Movies in Mumbai. Dieses Buch zeigt zudem ein weit breiteres Spektrum von Bollywood als Alters meist auf den Film Omkara beschränkter Band.

Sehr gut lesbar ist auch Anupama Chopras 2006 endende Biografie zu Shah Rukh Khan. Chopra schrieb in der BFI-Reihe auch Filmbücher über DDLJ und Sholay, die gegen ihre SRK-Biographie wohl konzeptbedingt leicht abfallen; noch deutlich öder ist freilich der BFI-Band über Mani Ratnams Film Bombay.


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