Bollywood-Filmbuch: Bombay, von Lalitha Gopalan (2005; über Mani Ratnams Film von 1995) – 3 Sterne

Lalitha Gopalan schreibt sehr akademisch, mit vielen gespreizten Adjektiven und spitzfindigen Erkenntnissen über Mani Ratnams Aufruhr-Film Bombay von 1995. Unentwegt sagt sie „my reading of [Filmtitel]“, „mise en scene“ oder „diegetic“. Aus der selben BFI-Buchreihe kenne ich auch Bücher der Journalistin Anupama Chopra über Sholay (der Film, das Buch) und über Dilwale Dulhania Le Jayenge (der Film, das Buch) – Chopra erzählt viel lebendiger und bemüht sich, den Leser zu fesseln.

Die Wissenschaftlerin Lalitha Gopalan im Buch zu Bombay bevorzugt dagegen den akademischen Diskurs. Ich nicht.

Schmales Bändchen:

Das sehr dünne Bändchen kommt inklusive Fotos, Anhang, Fußnoten und Stichwörterverzeichnis auf 91 Seiten. Die Fotos präsentieren meist unmittelbar Szenen aus dem Film und kaum Reportagebilder von den Dreharbeiten.

Ein paar wenige Aufnahmen zeigen Regisseur Mani Ratnam und Kameraman Menon. Doch Musiker A.R. Rahman taucht im Bild gar nicht und im Text als Person nur marginal auf (seine Musik als solche wird jedoch behandelt).

Themen, die Gopalan jeweils einige Seiten lang diskutiert:

  • Zensur, politische Einflussnahme und Unruhen vor und nach Veröffentlichung des Films
  • die Bedeutung menschenleerer Filmbilder
  • Beziehungen zum Horrorfilm-Genre und zu weiteren Genres
  • Parallelen zu Filmen oder Stilen aus dem Iran, aus Italien und Palästina
  • Parallelen zu früheren Ratnam-Filmen
  • die Rolle der Steadicam und ihre erzählerische Funktion
  • wie Muslims, Hindus und Staatsgewalt im Film dargestellt werden
  • wie Musik und Film zusammenwirken

Themen, die kaum gestreift werden:

  • was bei den Unruhen in Bombay 1992 und 1993 geschah
  • wie die Dreharbeiten abliefen
  • wie die Musik entstand
  • Menschliches vom Filmset
  • Hintergründe zu den Schauspielern

Bei Preisangaben sagt Gopalan zum Beispiel „1.5 crores of rupees“ oder „30 lakhs of rupees“. Sie erklärt weder die Begriffe „crores“ und „lakhs“ noch liefert sie eine Circa-Übersetzung in Dollar oder Pfund; und das Lektorat schaut zu.

Insgesamt haben mich nur die Seiten zu politischer Einflussnahme und die Unruhen beim Filmstart interessiert. Ansonsten präsentiert Gopalan kopflastig zu viel Interpretation und zu wenig Fakten, sie sucht zu intensiv nach Schubladen und Genres, und das im falschen Tonfall. (Beurteilung der Autorin und Dozentin auf RateMyProfessors.com)


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