Bollywood-Film: Swades – Heimat (2004, mit Shah Rukh Khan; mit Trailer & Songs) – 5 Sterne

Fazit:

Netter, gemütlicher Film vom indischen Landleben mit schönen Landschaftsbildern, der jedoch allzu konstruiert Missstände und Stereotypen vorführt. Dennoch sehenswert.

Stärken:

  • Viele schöne Bilder vom indischen Landleben, die weniger nach Film City, Bombay, aussehen als übliche Bollywoodproduktionen. Auch die US-Szenen entstanden sichtlich nicht in einem heißen Bollywood-Studio, sondern vor Ort bei der NASA.
  • Shah Rukh Khan macht bella figura sowohl als NASA-Manager mit Krawatte wie auch als Dorfbesucher in Jeans und Oberhemd, einmal sogar im (halb ironisch) traditionellen Dhoti. Er spielt angenehm zurückhaltend und glaubwürdig.
  • Abschnittweise packende Szenen, u.a. der Start des Wasserkraftwerks in Charanpur und der Raketenstart in USA.
  • Viele unterhaltsame, kauzige Nebendarsteller im Dorf, die aber nicht überzogen auftreten, so Dayashankar Pandey als tatendurstiger Fastfood-Unternehmer in spe, Rajesh Vivek als ebenfalls zupackender (auch beim Ringen) Postbeamter mit stechendem Blick und viele andere.


Schwächen:

  • Die Dialoge sind allzu gutmeinend und belehrend: Die Unterdrückung der Frau, die Untätigkeit der Regierung, das böse Kastenwesen, Kinderarbeit, Analphabetismus, Bildung gegen Armut, Tradition gegen Fortschritt, Egoismus gegen Altruismus, Internet versus Schneckenpost – alles wird brav andiskutiert, aber nicht immer in kinowürdige Handlung umgesetzt. Manche Figuren verkommen so zu handgeschnitzten Stereotypen, vom NASA-Oberen bis zum verelendeten Bauern. Man merkt, dass Regisseur-Autor-Produzent Ashutosh Gowariker („Lagaan“) seine eigenen Armutsrecherchen aus dem Vorfeld hier unbedingt unterbringen will.
  • Das Drehbuch liefert einige Plausibilitätslücken. Ein Beispiel: Shah Rukh Khan verfährt sich angeblich heillos auf dem Weg nach Charanpur – als NASA-Wissenschaftler und Kraftwerkkonstrukteur? Doch Wunder, ein zottelhaariger Wanderer zeigt ihm punktgenau den Weg ins Dutzende Kilometer entfernte Ziel.
  • Es gibt keine Gruppentänze. Meist tanzen nur ein oder zwei Personen, in der Regel Shah Rukh Khan und dann vielleicht noch Gayatri Joshi. Für mein Empfinden geht das ein- oder zweimal pro Film, aber nicht immer. Die sehr elektrische, rhythmische Musik von Meister A.R. Rahman spricht manchmal an, gehört aber nicht auf seine Best-of-CD, sie bleibt nicht im Kopf und steht in seltsamem Kontrast zu dem schlichten, staubigen Dorf.
  • Bollywood-Debütantin Gayatri Joshi als studierte Dorflehrerin Gita wirkt herb und teils verbissen dogmatisch. Sie passt nicht ins Dorf, beeindruckt weniger als andere indische Schauspielerinnen und ich persönlich würde meine NASA-Karriere nicht für sie opfern. (Sie agiert nicht übel, passt aber eher in eine Hauptstadt-Soap. Vor Swades spielte sie in 250 Werbefilmen, dabei einmal für Hyundai mit Shah Rukh Khan.)
  • Nachdem die indischen Verhältnisse drei Stunden lang kritisiert wurden, bekommt der Film gegen Ende plötzlich eine kräftige nationalistische Schlagseite.

Parallelen:

  • Es gibt noch einen Film über einen indischen Heimkehrer, der sein Land entdeckt: „Delhi-6“, 2009, Regie Rakeysh Mehra, Hauptdarsteller Abhishek Bachchan, auch der mit schönen Bildern und überladenem Drehbuch, derzeit nicht auf Deutsch, nicht bei Amazon.de.
  • Wer diesen konzentrierten, ruhigen SRK mag, sollte unbedingt auch Chak De! India – Ein unschlagbares Team sehen.


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