Bollywood-Film: Mohabbatein – Denn meine Liebe ist unsterblich (2000, mit Shah Rukh Khan, Aishwarya Rai, Amitabh Bachchan; mit Trailer & Songs) – 6 Sterne


Das hat mir gefallen:

  • Viele starke Tänze in großer Besetzung auf Marktplätzen oder in Aulen, choreografiert von Maestra Farah Khan. Die Tänze wurden gut in die Handlung integriert, teils gibt es während der Tänze Konfrontationen und neue Entwicklungen – so muss Bollywood sein. Einmal, ohne Bezug zur Handlung, schwingen die Akteure das Tanzbein auch in der schönen Schweiz.
  • Sehenswert: Helen, Tanzbombe der 60er und 70er Jahre, legt hier als Schuldirektorin eine verblüffend kesse Sohle aufs Parkett.
  • Die Musik lieferten Jatin-Lalit – wie bei Dilwale Dulhania Le Jayenge – Wer zuerst kommt, kriegt die Braut, dem 95er-Vorgängerfilm von Regisseur Aditya Chopra. Die Musik ist ähnlich gefällig indisch, rhythmisch und fast Synthesizer-frei. Die Musik bleibt mir hier aber weniger erinnerlich als bei „Dilwale“: Sie passt gut in den Film, aber ich begehre sie nicht als MP3. Ungewöhnlich die Nummer „Rhythms of Mohabbatein“: Sie hat keinen Gesang, nur wenige Instrumente, teils nur Perkussion, die Kamera wechselt hier zwischen den drei jungen Paaren.
  • Schönheitskönigin und Kosmetik-Modell Aishwarya Rai spielt teils lebendig und natürlich, nicht als makellose Porzellantasse.
  • Der Film dauert über drei Stunden, doch mir wurde nicht langweilig. Er verzweigt in diverse Nebenhandlungen und liefert einige schöne Momente; Beispiel: Shah Rukh Khan kritzelt seiner Angebeteten einen Liebesbrief auf ein Laubblatt und diese antwortet auf der Rückseite – das Ganze auf einem Busbahnhof, unmittelbar vor ihrer Abreise.

Meine Kritikpunkte jedoch:

  • Shah Rukh Khan spielt den geigenden Musiklehrer mit Brille so verkniffen und vergeistigt, dass seine Energie nicht herüberkommt. Vorteil im Nachteil: Er übertreibt Unterwürfigkeit und Ergebenheit nicht so wie etwa in „In guten wie in schweren Tagen – Sometimes Happy, Sometimes Sad“, ebenfalls gegenüber Amitabh Bachchan. (Ich mag einen gedämpften, unter der Vergangenheit leidenden SRK schon auch, doch in Chak De! India – Ein unschlagbares Team macht er das viel besser.)
  • Amitabh Bachchan zeigt als Donnerpatriarch wieder enorme Präsenz, bleibt dabei aber eindimensional. Die Konfrontationen mit dem zurückgenommenen Shah Rukh Khan erzeugen keine größere Spannung. Fast die gleiche Figur spielt Bachchan 2001 in „Kabhi Khushi Kabhie Gham…“ – und auch dort gewittert es tatsächlich majestätisch von der Tonspur, wenn Bachchan die Untergebenen (Familie, Mitarbeiter, Gattin) zur Schnecke macht, vor allem wieder Shah Rukh Khan, diesmal entsetzlich dackelnd.
  • Die nicht endende Hintergrundmusik mit penetrant säuselndem Engelschor.
  • „Mohabbatein“ (2000) zeigt Bollywood-typische Plausibilitätslöcher über das genre-typische blitzartige Sich-Verlieben in Fünf-Sekunden-Schnelle hinaus: S.R. Khans beruflicher Aufstieg am Ende ließ mich nur kichern; es gibt sehr widersprüchliche Hinweise auf Ort und Jahreszeit der Handlung; „Mohabbatein“ spielt in einer Lernanstalt, die viel Wert auf Bildung und Disziplin legt, doch man sieht keinen normalem Unterricht (nur die lässigen Musikstunden mit S.R. Khan im Parkpavilion und die Vollversammlungen in der Aula).
  • Der Film wirkt öfter schwer und erhaben, er hat nichts von der unbekümmerten, erfrischenden Lockerheit des Vorgängers „Dilwale“.
  • Einzelne Komik-Elemente, etwa Anupam Kher als turtelnder Dorfwirt, erscheinen leicht deplatziert und nachträglich als Witzfigur eingebaut.
  • Die Charaktere der drei männlichen Studenten wirken teils verwechselbar, ihre drei Angebeteten allzu klischeehaft (die legendäre Kajol hatte die Nebenrolle als zickige Tanzkönigin Ishika abgelehnt, verständlich).

Fazit:

Kann man sich ansehen, auch mehrfach; aber es gibt klar Besseres, speziell von diesen hochkarätigen Akteuren. Wer drei Studentenkumpel in der Lehranstalt sehen will, kann die deutlich moderneren (nicht unbedingt besseren) „3 Idiots“ konsumieren.


Bollywood-Empfehlungen auf HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.