Rezension Bollywood-Film: Dil Se – Von ganzem Herzen (1998, mit Shah Rukh Khan, Manisha Koirala, Regie Mani Ratnam) – mit Trailer & Songs – 7 Sterne

Der Film pumpt, pumpt, pumpt. Santosh Sivans atemlos kreiselnde Kamera, A.R. Rahmans fantastisch pulsierende Musik (einer der besten Bolly-Soundtracks überhaupt), viel blaues Licht, bizarre Landschaften, Shah Rukh Khan als hektisch unbeugsamer (natürlich gut aussehender) Radioreporter, aufwühlende Gewalt, Tänze auf Zugdächern und vor Bombenexplosionen: Regisseur Mani Ratnam, bekannt für heiße Action, packt von Anfang an.

So geht’s schon los:

Meghna (Manisha Koirala) hat kein Feuer für Zigarettenraucher Amar (Shah Rukh Khan), aber der ist sofort Feuer und Flamme für sie (warum auch immer) und lässt nicht locker, bis alles in Feuer und Flammen aufgeht.

Shah Rukh Khan überzeugt als hauptstädtischer Rundfunkreporter weitgehend. Sein bekanntes lausbübisches Lächeln hält er großteils unter Verschluss und nur selten, wenn ergriffen, dackelt er noch dezent nach SRK-Art (zitternde Unterlippe, Kopfwackeln). Preity Zinta debütiert als knuffige, geerdete Großstädterin und bietet willkommene, überraschende Erholung von all den anderen, besessenen Charakteren.

Die Tänze: Eigentlich klasse, aber.

Die Tänze (eingerichtet von Star-Choreografin Farah Khan) faszinieren. Allerdings haben sie – wie oft bei Regisseur Mani Ratnam – wenig Bezug zur Handlung (weniger als in anderen Hindi-Filmen). SRKs orientalische Tanzpartnerin auf dem Zugdach ist nicht die Hauptdarstellerin Manisha Koirala, sondern Malaika Arora. Die hat ansonsten nichts im Film zu tun, ist also nur „Item Girl“, doch man fragt sich, warum sie Khan hier umgarnen darf.

Nun gut, genauso gut könnte man wohl auch sagen, die vielen hektischen Kamerafahrten seien auch übertrieben. Soviel Effekt muss sein. Wird so auch die viele direkte Gewalt gerechtfertigt? Nein, es gibt auf jeden Fall zu viel Brutalität im Film. Ich wüsste nicht, wieso das kindertauglich sein soll. Man kann schon von Verherrlichung von Gewalt und Militarismus reden.

Meine Lieblingszene:

Meine Lieblingsszene: Khan sitzt im Rundfunkstudio vor dem Mikrofon und erzählt seinen Hörern aufgeregt und aufregend (unbedingt auf Hindi mit Untertiteln, auch im Trailer oben zu sehen), wie er Meghna auf dem Bahnhof traf. Dabei imitiert er auch Regen, Wind und klappernde Teetassen sehr suggestiv. Das ist ein schauspielerisches Glanzstück, von mir aus könnte er den ganzen Film noch mal erzählen.

Kennt man Bollywood-Filme wie „Chak de! India“ oder „Kabhi Khushi Kabhie Ghum“, dann fällt an „Dil Se“ etwas Überraschendes auf: dieser Film geht nicht mit naiv indischem Patriotismus auf Seelenfang – und das, obwohl Separatistenterror und der indische Nationalfeiertag im Mittelpunkt stehen.

Ein weiterer Hindi-Film mit Terror und Action in den verschneiten Nordprovinzen (gefilmt in Polen) ist „Fanaa“. „Fanaa“ ist deutlich betulicher, familienorientierter, vielleicht noch weniger realistisch, es wirkt langgezogener und hat in der Hauptrolle die bezaubernde Kajol.


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