Rezension Bollywood-Epos: Veer & Zaara – Die Legende einer Liebe (2004, mit Shah Rukh Khan, Preity Zinta, Rani Mukerji, Amitabh Bachchan) – 7 Videos – 7 Sterne

Episches Liebesdrama von 2004 mit Shah Rukh Khan und Preity Zinta in traditioneller Umgebung von Pakistan und Indien. Weitere sehenswerte Akteure: Rani Mukherjee, Amitabh Bachchan, Hema Malini, Divya Dutta, Kiron Kher, Anupam Kher. Musik und Ambiente bleiben komplett indisch, es gibt keinen Tanz in der Schweiz, keinen Aufenthalt in New York, London, Sidney (Originaltitel Veer-Zaara).

Das ultimative Melodram. Bolly Pathetique. Tragische Geschichte. Böse Mächte. Vergebliche Liebe.

So oft wirkt Bollyschmalz und Bollyschmerz einfach nur lächerlich. Verblüffend, aber wahr: selbst der Zyniker, der hier schreibt, mehrte bei „Veer & Zaara“ den Umsatz der internationalen Papiertaschentuchindustrie. Zudem kommt „Veer & Zaara“ ohne Klamauk und alberne Witzchen aus.

Die 190 Minuten vergehen weit zügiger als bei manch kürzerem Schinken aus Filmistan. Trotz aller epischen Tragik und Regietricks wirken die Figuren gleichwohl nicht ganz so überlebensgroß wie etwa in den Karan-Johar-Produktionen „Khabi Khushi Khabie Gham“ oder „Khabie Alvida Na Khena“.

Packende Produktion:

Der Film erklärt das Wort „Melodram“ besser als jeder andere: Er liefert ein packendes Drama – und das zu sehr melodischen Klängen: Die gefällige, angenehm unmoderne Musik wurde bestens in „Veer Zaara“ integriert und stimmt oft heiter. Häufig hört man die leicht gewöhnungsbedürftige, aber altbekannte Stimme der Bollywoodsängerin Lata Mangeshkar, für Shah Rukh Khan schmettert wie oft Sonu Nigam.

Meister der Linse Anil Mehta entringt seiner Kamera soviel selektive Unschärfe wie gerade nur möglich (wenn er auch in „Khabi Alvida Naa Kehna“ noch schönere Bilder zauberte). Hervorzuheben auch nach Regisseur Yash Chopras Studiokulissenorgie aus „Dil To Pagal Hai“ (1998): „Veer Zaara“ zeigt viele schöne Außen- und Tempelszenen.

Romantischer Subkontinent:

Ähnlich wie in „Dilwale Dulhania Le Jayenge“ tunkt Gestalter Yash Chopra seine einstige, jetzt zu seinem Leidwesen auf zwei Länder verteilte Heimat Punjab in verklärend güldenes Licht: Wogende Felder, nette Dörfler in hübschen Kleidern, urige Sitten und Gebräuche, opulente Tänze und in „Veer Zaara“ das grundsympathische Dorfvorsteherehepaar Amitabh Bachchan und Hema Malini. Wohl kaum realistisch, aber filmi, filmi, filmi.

„Veer Zaara“ verzichtet ganz auf westliche Kulissen oder Klänge und setzt komplett auf südasiatische Atmosphäre. Es gibt ein paar milde Botschaften – Verständigung zwischen Religionen und Nationen; Gleichberechtigung für Frauen -, aber sie fallen kaum auf. Der Film zeigt keinen platten Patriotismus und – trotz aller Soldaten, Polizisten und Gefängniswärter – keine körperliche Gewalt.

Der Beste von den Chopras:

Erstaunlich, wie plausibel der Alterssprung gelingt. Speziell bei Preity Zinta, eigentlich Inbegriff des modernen, jugendfrohen City-Hüpfers: Sie überzeugt auf den letzten Filmmetern als gealtertete Dörflerin mit schwerer Vergangenheit. Aber auch Shah Rukh Khan macht seine Sache als alter Mann (mit Zottelperücke) gut, und er dackelt weniger übertrieben als in „Mohabbatein“ oder „Khabi Khushi Khabie Gham“.

„Veer Zaara“ (2004) erzeugt noch einen weiteren Reflex: alle anderen Werke von Vater Yash und Sohn Aditya Chopra aus den umliegenden Jahren um drei Sterne herunterzustufen. Sie waren passabel, aber laue Lüftchen gegen „Veer Zaara“: so „Dil To Pagal Hai“ (1997, Dialog Aditya Chopra, Regie Yash Chopra, Hauptdarsteller Shah Rukh Khan), „Mohabattein“ (2000, Buch und Regie Aditya Chopra, Hauptdarsteller Shah Rukh Khan) oder „Rab Ne Bana Di Jodi“ (2007, Buch und Regie Aditya Chopra, Hauptdarsteller Shah Rukh Khan).

„Veer Zaara“ wurden mehrere Logiklöcher vorgeworfen, so die Frage, warum die junge Anwältin den richtigen Namen des Gefangenen kennt – aus den alten Akten natürlich. Was mich jedoch tatsächlich wundert: Der Gefängnisangestellte sagt bei Gericht, der Gefangene sei immer hilfsbereit und tröstend gewesen. Und das, wo er doch 22 Jahre nicht gesprochen hat?

Einzelne Nachteile:

  • einige Reden klingen allzu formelhaft und gestanzt
  • die Rückkehr nach Indien mit dem riesigen Grenztor wirkt übertrieben himmlisch, zumal vorher immer die Ähnlichkeit der Länder beschworen wurde
  • Zaaras Verlobter und Vater erscheinen sehr eindimensional

Kleinkram. „Veer Zaara“ holte reichlich Preise (u.a. Filmfare-Auszeichnungen für bester Film, beste Handlung und bester Dialog) und spielte seine Kosten wieder ein.

Zu Recht – Veer & Zaara zählt zu den großen Bollywood-Epen seit 1995:





Bollywood-Empfehlungen auf HansBlog.de:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.