Bollywood: Die Hochzeitsplaner – Band Baaja Baaraat (2010, mit Anushka Sharma, Ranveer Singh) – Trailer & 4 Szenen – 4 Sterne

Ein Teenie-Film. Die Darsteller spielen jede Gefühlsregung überdeutlich aus, kaum ein Moment vergeht ohne aufdringlich pumpende Bangra-Musik, und dann noch dieses kitsch-as-kitsch-can-wozu-glaubwürdig-sein-in-einer-Romkom-erwarten-wir-das-so Schmalz-Ende.

Massenware:

Ein Film von der Stange. Unverkennbar die Handschrift des Produzenten Aditya Chopra und seiner YRF-Traumfabrik, der für Band Bhaja Baraat (so der Hindi-Titel, auch in deutscher Synchro erhältlich) noch einmal die Schnittmuster zu Rab Ne Bana Di Jodi (2008, dt. Ein göttliches Paar) auspackte – diesen Film hatte ebenfalls Aditya Chopra mit ebenfalls Anushka Sharma inszeniert, oh, und Band-Bhaja-Baraat-Regisseur Maneesh war war bei RNBDJ Regieassistent.

In beiden Filmen gibt das Szenario Anlass zu vielen Tänzen in öden Sälen voll bunter Glühbirnen; in beiden Filmen schütten sich die zuvor entfremdeten Akteure gegen Ende die Herzen aus und tanzen noch einmal besonders schmissig. Rab Ne Bana Di Jodi hatte aber die weitaus bessere Musik (von den selben Musikern) und, nebenbei, es hatte Shah Rukh Khan (männlicher Hauptdarsteller hier ist Ranveer Singh).

Kein Vergnügen:

Ein Film ohne Witz. Band Bhaja Baraat, der Erfolgsstreifen von 2011, lässt Humor vermissen. Habe ich mal gelacht? Ich erinnere aber noch unangenehm das testosterongeschwängerte Dorfmackergehabe Ranveer Singhs. Nicht nur seine Männersprüche, auch sein Cowboygang; isst mit offenem Mund, redet mit vollem Mund – offenbar gibt es ein Publikum, das so etwas cool findet, und die Filmfare-Trophäre gab’s auch dafür.

Newcomer Ranveer Singh erinnert verblüffend an einen anderen Teeniebopperstar, an Shahid Kapoor, und tanzt fast so eindrucksvoll wie dieser. Aber Singh erscheint eher als kraftraumgestählter Milchbubi – als Hochzeitsplaner macht er nichts weiter her. Der Hindifilm-Hochzeitsplaner par excellence bleibt unangefochten Vijay Raaz aus Monsoon Wedding (2001) – der ist ein echter Charakter, kein Bodybuilder.

Nur Beats und Betriebsamkeit:

Der Film hat kaum Konflikte (außer gegen Ende), er hat überhaupt wenig Handlung. Band Bhaja Baraat zeigt immer nur: Atmosphäre, Atmosphäre, Atmosphäre, Betriebsamkeit, Betriebsamkeit, Betriebsamkeit – vor allem das Hochzeitsplanerbüro, die Hochzeitsvorbereitungen und die Feste selbst. Dabei hämmern und zirpen unentwegt Bangra-Beat-Synkopen im Hintergrund. Auch die meisten gesungenen Lieder bestehen vor allem aus schwitzigem Rhythmus mit ganz wenig Melodie oder Harmonie.

Verblüffend die Küsserei in diesem Film. Da müssen sich die Hindi-Medien überschlagen haben. Die Liebesnacht wird dann enttäuschend in Szene gesetzt, da gibt es (jugendfrei) Stimmungsvolleres in Saathiyaa oder Dor (der Schwulst aus der Bhatt-Filmfabrik ist keine Konkurrenz).




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