Biografie: The Real Life of Anthony Burgess (2006), von Andrew Biswell – 6 Sterne

Ich habe das entspannt heruntergelesen. Man hat nicht das Gefühl, dass Biswell seinem Sujet sehr nahe kommt (zum Beispiel portraitiert Patrick French V.S. Naipaul schärfer und genauer, konnte allerdings auch noch selbst mit ihm sprechen). Immer wieder diskutiert Biswell philosophische und religiöse Skrupel des Anthony Burgess. Mehrere Burgess-Mythen, die Burgess mit widersprüchlichen Aussagen nährte, klärt auch Biswell nicht endgültig. Immerhin gibt es interessante Fakten zu dem „Todesurteil“, das Burgess 1959 angeblich von seinen Ärzten erhielt und unter dessen Eindruck er fünf Romane in einem Jahr schrieb.

Unkritisch:

Biswell schätzt den Schriftsteller Burgess und war für diese Biographie auf die Kooperation von Burgess‘ zweiter Frau, Liana, angewiesen. Biswell klingt (darum?) meist wohlwollend, mitunter indifferent, wenn es um das Persönliche geht. Wir erfahren gelegentlich, welche Summen Burgess mit einzelnen Werken verdiente, doch wie sich sein Vermögen entwickelte, wann er finanziell unabhängig war, davon hören wir nichts. Wie es mit seinem Sohn und seiner zweiten Frau nach seinem Tod weiterging – kein Wort dazu.

Klar wird: Burgess war ein vielseitig gebildeter Exzentriker, der gern mit Worten jonglierte und auch über sich selbst lieber eine gute als eine wahre Geschichte erzählte. Unklar bleibt, wie Burgess sein gigantisches Pensum bewältigte – Unmengen sehr unterschiedlicher Bücher geschrieben, Unmengen Theaterstücke, Filmskripte, Radioskripte, Gedichte geschrieben, Unmengen Musik geschrieben, an Unis gelehrt, Unmengen gelesen und rezensiert, Unmengen geraucht und getrunken, viele Sprachen gelernt, viele Frauen gehabt, dabei 26 Jahre mit einer nymphomanisch-cholerischen Alkoholikerin verheiratet, und immer wieder zwischen verschiedensten Ländern umgezogen.

Der Mann bleibt ein Phänomen.

Stark autobiografische Romane lieferte Anthony Burgess mit Devil of a State (Brunei-Zeit auf Ostafrika übertragen), The Long Day Wanes (Malay(si)a) und Der Mann am Klavier (engl. The Pianoplayers, arme Kindheit in England). Burgess legte auch eine Autobiografie in zwei Teilen vor, der erste heißt Little Wilson and Big God.

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