Bilder-Buch: The Africa Book, von Lonely Planet (2007) – 4 Sterne

Der englische Text richtet sich eindeutig an Touristen, an Afrika-Neulinge, und nicht etwa an Geschäftsleute, Politiker oder Wissenschaftler. Die Fotos sind jedoch eher reportage-artig und berücksichtigen Touristen ganz und gar nicht. So sieht man im Bild immer wieder beeindruckende Gesichter in Großaufnahmen, aber äußerst selten einen Landschaftsüberblick, einen Strand, ein Verkehrsmittel, ein Restaurant, Hotel oder Essen.

Beispiele für das Missverhältnis von Text zu Bild:

Die Vorspann-Texte und die Essentials-Kästen zu Guinea-Bissau und Sierra Leone loben die Strände der Länder. Aber es wird kein Strand abgebildet, stattdessen praktisch nur Leute.

Bei Guinea erscheinen „stunning landscapes“ im Vorspann, doch die zwei Doppelseiten zeigen nur ein sehr kleines Bild, das man als Landschaftsfoto bezeichnen könnte. Im Abschnitt zum Niger wird die Landschaft durchgehend gelobt; doch auf vier Seiten zu diesem Land erscheint – kein Landschaftsbild.

Noch allgemeiner kann man sagen:

Die Bilder korrespondieren nie mit dem Text, sie illustrieren nie die von den Autoren erwähnten Landschaften, Speisen oder Persönlichkeiten.

Die Qualität der Bilder schwankt. Technisch sind sie nicht immer optimal reproduziert, das ganzseitige Aufmacherfoto zu Mali ist sogar durchgehend leicht unscharf. Als Coffeetable-Buch würde ich es darum nur bezeichnen, solange es nicht aufgeschlagen wird.

Es gibt einige gestalterisch ansprechende Hingucker-Bilder. Die Betonung auf großformatige Portraits langweilt aber nach 200 Seiten. Andere Aufnahmen sind eher langweilig. Die Landkarten erscheinen nur zweifarbig und geben keinerlei Orientierung über Höhenlagen oder Vegetation.

Die Informationen reichten mir nicht:

Im obligaten Abschnitt zu den jeweiligen Bewohnern werden stets Volksstämme, Religionen und Sprachen aufgelistet, doch fehlt mir ein kurzer Abschnitt à la „National Psyche“, wie er etwa zu jedem Land in Lonely Planets Westafrika-Reiseführer gehört. Auch ein paar kurze Preisangaben wären nützlich.

Nun ja. Insgesamt illustriert das Buch nicht sonderlich gut Afrika, sondern vor allem Lonely Planets Trend zur Oberflächlichkeit spätestens seit dem Einstieg der BBC (der sich vielleicht nach dem Wieder-Ausstieg der BBC noch verstärkte). Der Band eignet sich sicherlich immer noch, in die afrikanischen Länder quasi im Vorbeifahren reinzuschnuppern.

Dabei hilft der Text mehr als die Bilder.


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