Architekten-Bildband: Years with Frank Lloyd Wright: Apprentice to Genius, von Edgar Tafel (1979) – 6 Sterne

Eine reich illustrierte, sprunghafte Biographie. Tafel war ab 1932 neun Jahre einer von vielen Lehrlingen – oder Praktikanten – auf Taliesin, dem Anwesen des berühmten US-Architekten Frank Lloyd Wright. Tafel erzählt einige unterhaltsame Schrullen Wrights, der offenbar ein begnadeter Ex- und Egozentriker war (und als Geschäftspartner oder Chef ein  unkalkulierbarer Albtraum).

Viel Allgemeines:

Besonders intim wirkt der Einblick in die Architektenfarm Taliesin allerdings nicht, und über viele Seiten hin schreibt Tafel allgemein über Wrights Bauten, auch über Wrights Jugend und dessen Vorfahren. Tafel springt öfter zwischen ganz verschiedenen Epochen hin und her. Wo möglich, beginnt er mit einem konkreten Anlass: Zum Beispiel chauffierte Tafel Frank Lloyd Wright und seinen Gast Mies van der Rohe zu verschiedenen Wright-Bauten, die Tafel dann sehr ausführlich analysiert.

Die vielen persönlichen Wright-Anekdoten aus Taliesin und Taliesin-West gehören zu den Stärken des Buchs, die allgemeineren Absätze ersetzen keine fundierte Monografie. Tafel arbeitete unter anderem beim Fallingwater-Haus und beim Johnson-Wax-Gebäude mit. Dass viele Wright-Bauten schon bei der Schlüsselübergabe leckten oder durch klemmende Türen verstörten, erwähnt Tafel kaum, er lobt lieber die Experimentierfreude seines Meisters.

Viel Lob:

Das Buch entstand freilich auch erst knapp 40 Jahre nach Tafels Zeit bei Wright, Tafel war da lange Jahre selbst ein erfolgreicher Architekt gewesen (Tafel in der englischen Wikipedia). Obwohl Tafel viele unangenehme Seiten Wrights nicht verschweigt, redet er nur in den allerhöchsten Tönen über seinen Meister – und über die Vereinigten Staaten.

Das großformatige Buch enthält in der Ausgabe des Dover-Verlags auf jeder Seite Schwarzweißfotos in allerdings oft niedriger Qualität und auf ungestrichenem Papier; eine frühere Ausgabe lieferte offenbar auch Farbbilder. Die Aufnahmen zeigen genau die Bauten und Personen, die im Lauftext derselben Seite auftauchen. Besonders eindrucksvolle Gebäude oder Zeichnungen erhalten auch mal eine ganze oder sogar eine Doppelseite.

Insgesamt eine leicht konsumierbare, aber nicht tiefgehende Mischung aus oberflächlicher Biographie und Bildband.

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