App-Kritik: BayernAtlas (Landkarten-App) – 4/10 Sterne

Getestet wurde BayernAtlas in der Android-Version, Stand Juli 2018. Es gibt auch eine iOS-Version, die Karten zudem im Internet hier (klick/tipp). Die verschiedenen Kartenbilder sind gut für Entdecker in Bayern und zeigen auf dem Land Namen und kleinste Merkmale wie einzelne Schuppen und Bäche  teils genauer und besser bezeichnet als Google Maps oder Open Street Maps. Höhenlinien erscheinen in der „Topografisch“-Anzeige deutlicher als in Googles „Gelände“-Darstellung, je nach Geschmack vielleicht schon zu deutlich.

Überhaupt spricht das Kartenbild in der Stadt v.a. in der Darstellung „Topographische Karte“ weniger an, es ist auch weniger hoch aufgelöst. Etwas gefälliger wirkt die zudem höher aufgelöste Darstellung „Karte“ (sic). Die Satellitenbilder unterscheiden sich teils von Google Maps. Man kann im BayernAtlas überdies Entfernungen messen, „Wanderwege“ und separat „Radwege“ einblenden. Eigene zurückgelegte Routen lassen sich als „Tracks“ aufzeichnen und abrufen.

Abb. 1. Kartenbild online, also mit Internetzugang, von links nach rechts: 1) Größe Zoomstufe BayernAtlas „Karte“, 2) Größte Zoomstufe BayernAtlas „Topografische Karte“, 3) Größte Zoomstufe Google Maps „Standard“, 4) Größte Zoomstufe Maps.me mit Open Street Maps (OSM)

Schon wenn BayernAtlas Internetzugang hat, vermisst man Dinge:

  • Ich kann keine Favoriten – wichtige Orte – speichern.
  • Satellitenbilder sind in meinen Stichproben bei vergleichbarem Ausschnitt unschärfer als in Google Maps und lassen sich weniger weit zoomen (sehr hoher Zoom bei Google freilich sehr unscharf). Googles Luftbild ist in meiner Stichprobe eindeutig aktueller, im BayernAtlas dagegen Jahre alt
  • Ich kann keine Routenvorschläge abrufen.
  • Restaurants, Tankstellen oder Geldautomaten zeigt die App nicht (nur Alpenvereinshütten u.ä.), man kann also z.B. auch nicht nach Restaurantnamen suchen. Andererseits sieht man je nach Darstellung z.B. Stromleitungen und Stützmauern, das gibt’s bei der Konkurrenz teils nicht.
  • Ein-Finger-Zoomen (Doppeltipp, dann rauf-/runterziehen) funktioniert viel schlechter als mit Google Maps und Maps.Me (zeigt Open Street Map, OSM).

Abb. 2. Luftbilder im Vergleich (alle nur online verfügbar), v.l.n.r.: 1) BayernAtlas größte Zoomstufe, 2) Google Maps vergleichbare Zoomstufe, 3) Google Maps größte Zoomstufe

Probleme bei Offline-Nutzung:

Solange man BayernAtlas mit Internetverbindung nutzt, ist die App kostenlos, ebenso wie die Kartendarstellung im Browser. Interessant – und problematisch – wird es draußen in der Natur, im Offline-Gebrauch ohne Internetzugang. Man kann Landkartenausschnitte kostenpflichtig im Mobilgerät speichern: 500 Quadratkilometer für 89 Cent und 2000 Quadratkilometer für 2,69 Euro (Stand Juli 2018).

Will man Kartenteile offline nutzen, gibt es folgende ernste Probleme:

  • Es gibt nur die etwas grob gezeichnete „Topografische Karte“ und nicht die gefälligere „Karte“ (die eher an Google Maps erinnert).
  • Man kann in diese „Topografische Karten“ weit weniger stark hineinzoomen als in die anderen Karten nur mit Internetzugang – denn die höchsten Karten-Auflösungen werden nicht lokal im Mobilgerät gespeichert. Ein schwerer Mangel. Die speicherbare Google-Karte ist viel genauer.
  • Satellitenbilder sind ohne Internet gar nicht abrufbar, sie werden nicht auf dem Mobilgerät gespeichert (das geht derzeit auch bei Google Maps nicht). Doch genau das fehlt bei allen Karten-Apps, die ich kenne: Offline nutzbare Satellitenbilder beim „Navigieren“. Es wäre so schön, ist aber vielleicht auch politisch nicht gewollt.

Außerdem gelten die schon bei Online-Nutzung bekannten Probleme (s.o.), so kann man keine Favoriten speichern.

Probleme mit Suchfunktion:

  • Online, mit Internetzugang: In den Darstellungen „Karte“ und „Luftbild“ kann ich nach Ortsnamen und Längen- und Breitengraden suchen; in der Darstellung „Topografische Karte“ nur nach Längen- und Breitengraden, nicht nach Ortsnamen.
  • Offline, ohne Internetzugang: Hier gibt es nur die Darstellung „Topografische Karte“, ich kann also offline nicht nach Ortsnamen suchen, nur nach Längen- und Breitengraden.

Sehr unpraktisch.

Abb. 3. Offline-Nutzung v.l.n.r.: 1) Größter Ausschnitt Bayern-Atlas mit einziger Darstellung „Topografisch“ (viel kleiner als online), 2) Größter Ausschnitt Google Maps offline (hier wie online)

Datenmengen:

Im Play Store (Seite für Käufe von Android-Apps) antwortet(e) die Bayerische Vermessungsverwaltung mehrfach auf Nutzerkritik am BayernAtlas. So schreibt sie im derzeit neuesten Statement  (Stand Juli 2018) vom 5.1.2017:

Sehr geehrter Nutzer, wir bedauern, dass Sie mit den angebotenen Kartenausschnitten der In-App-Käufe nicht zufrieden sind. Mit einer zusätzlichen downloadbaren Zoomstufe vervierfacht sich die Datenmenge des Datenpakets. Um diese diese großen Datenmengen anbieten zu können, suchen wir zur Zeit noch nach einer geeigneten Lösung. Ihre BVV

Die Dateigröße der Karte spielt jedoch bei aktuellen DSL-Internetpreisen und Handyspeichern fast keine Rolle; erst recht nicht, wenn man auch Speicherkarten nutzen kann. Meine gekauften 2000 Quadratkilometer belegen laut App-Anzeige 84 MB. Bei höchstmöglicher Auflösung wären es dann wohl 4×84 = 336 MB – keinerlei Problem. Und ich gebe gern auch ein GB oder mehr für Satellitenbilder her (am liebsten so scharf wie bei Google).Bei Satellitenbildern reicht oft auch eine sehr kleine Region.

Fazit:

Online mit Internetzugang ist der BayernAtlas nützlich, egal ob als App oder am PC im Browser. Offline ohne Internetzugang – also draußen in der Natur – bleiben sehr viele Wünsche offen.

 

Abb. 4. Suchfunktion BayernAtlas v.l.n.r.: 1) Suche mit Internetzugang (online), hier alle Kartenstile und je nach Kartenstil Suche nach Ortsnamen möglich, 2) Suche ohne Internetzugang (offline), hier keine Suche nach Ortsnamen, nur Suche nach Geo-Koordinaten, nur Stil „Topografische Karte“

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