Andalusien-Auswanderer-Buch: Chickens, Mules and Two Old Fools, von Victoria Twead (2009) – 5 Sterne

Twead schreibt wohlgemerkt lustig und kurzweilig, aber sie verwendet auch viele abgedroschene, erwartbare Phrasen und wiederholt bestimmte Stilmittel ad nauseam: So enden Kapitel oft im spannendsten Moment, um den Leser ins nächste Kapitel zu ziehen; ihr Mann kratzt sich immer gern zwischen den Beinen; und Nachbar Sancho hat eine schwarze Katze und Flatulenz – und wieder, und wieder. Und wieder. Eigenartig auch, dass sie ein Huhn mit einem four-letter-word benennt und sich an der bei ihrem Mann aufkommenden Eifersucht weidet.

Nicht so liebenswert:

Das Buch offenbart weniger Herz und weniger Charakter als etwa die mediterranen Auswanderer-Geschichten von Chris Stewart, Annie Haws, Michael Jacobs oder David Baird (dass Twead weit mehr Rezensionen auf Amazon.com bekommt als die anderen Autoren, aber von keiner Zeitung rezensiert wird, passt ins Bild). Vielleicht liegt die Kühle daran, dass Twead und Ehemann auch Häuser zum Weiterverkauf hochziehen (wie sie es schon in England praktiziert hatten) und zunächst nur auf fünf Jahre probewohnen – ihr Haus in England behalten sie so lange als Rückkehr-Option, sie entwickeln weniger Wurzeln.

Twead hat später noch ein Ratgeber-Buch geschrieben – kein Ratgeber für Spanien-Auswanderer, sondern ein Vademecum für Möchtegern-Autoren. Chicken, Mules and Two Old Fools klingt manchmal so routiniert gutgeölt, als ob Twead selbst den zehn wichtigsten Tipps für Buchautoren eifrig hinterherschreibt und dabei auf einen eigenen Stil getrost verzichtet:

Das Ganze liest sich wie eine muntere Auswanderer-Vorabendserie, eine andalusische Sitcom fürs Massenpublikum, und manche kauzigen Charaktere und schrille Situationen wirken mehr konstruiert als lebensecht. Kennt man die ersten 30 Seiten, folgen keine Überraschungen und Entwicklungen mehr, sondern nur Variationen des Immergleichen – eben wie bei einer Fließband-Fernsehserie. Vielleicht war das Buch Teil ihres Fünf-Jahre-Andalusien-Geschäftsmodells.

In Andalusien war ich auch mal.

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Fast wie ein Stilmittel aus dem Autoren-Ratgeber für mediterrane Themen wirken auch die eingestreuten Kochrezepte. Einige haben mit der Handlung zu tun, andere nicht. Aber im Lauftext redet Twead kaum über kulinarische Genüsse, und so bleiben die Rezepte Fremdkörper, meist ohne Abbildung, die wenig inspirieren.

Fotos gibt es nur von verschiedenen Episoden aus dem spanischen Leben der Erzählerin – aber die Bilder sind schwarz-weiß, sehr grob gerastert und sämtlich nur circa 44×32 Millimeter groß.

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