Rezension Andalusien-Buch: Leben im Publeo. Das 21. Jahrhundert hält Einzug in ein andalusisches Dorf, von David Baird (2004) – 7 Sterne

Dies ist kein Roman. Baird erzählt vom eigenen Leben in einem andalusischen Dorf. Er zog mit Frau in den 60er Jahren in ein baufälliges Haus und rekapituliert gut drei Jahrzehnte.

Es gibt keine durchgehende Handlung, das Buch (engl. „Sunny Side Up“) erscheint sogar etwas heterogen und die Kapitel kann man weitgehend unabhängig voneinander lesen. Einzelne Kapitel wirken dabei oft wie geschlossene Kurzgeschichten oder Reportagen, und die vier Kapitel über die vier Jahreszeiten gehören natürlich zusammen.

Der Untertitel „Das 21. Jahrhundert hält Einzug in ein andalusisches Dorf“ klingt zu dramatisch, denn es gibt keine große umwälzende neue Entwicklung in der Erzählung – der wesentlichste einzelne Umschwung ist die neue Demokratie nach Francos Tod 1975, aber auch hier wird das Dorf nicht auf den Kopf gestellt. Dann folgen noch zwei Kapitel mit allen anderen Änderungen in einem Aufwasch, von Satellitenschüsseln bis Küssen in der Öffentlichkeit und Tourismus.

Professionell erzählt:

Baird schreibt geschliffen, routiniert und so, dass ich es kaum weglegen konnte. Manchmal wirken die Dialoge und Entwicklungen schon einen Tick zu ausgefeilt – aber der Autor sagt ja auch nicht, dass alles realistisch ist.

Baird beobachtet kühl und spöttisch; die meisten Figuren erscheinen einigermaßen clownesk, Spanier ebenso wie die Engländer und Amerikaner, die auch im Dorf leben oder (ungebeten) zu Besuch kommen. Wir lernen so einiges über den Jahresablauf, über Sitten und Gebräuche.

Im Vergleich zur andalusischen Driving over Lemons-Trilogie von Chris Stewart schreibt Baird kühler und mit weniger intensiven individuellen Portraits. Gleichzeitig erfährt man bei Baird aber viel mehr vom Alltag im Pueblo: Baird lebt im Dorf – umgeben von sechs unmittelbaren Nachbarn -, während Stewart sich auf einer isolierten Farm auf der falschen Seite des Flusses niederlässt.

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