Afrika-Schul-Roman: Girls at Play, von Paul Theroux (1971) – 6 Sterne

Drei Engländerinnen, eine US-Amerikanerin und eine Inderin sind offenbar die einzigen Lehrer einer kenianischen Dorfschule in den 60ern, kurz nach der Unabhängigkeit. Zwei von ihnen schikanieren sich laufend gegenseitig – mit gehässigen Worten, Käfern in der Suppe oder grün übermalten Fenstern.

Das plänkelt ganz amüsant dahin, doch erst nach 15 von 22 Kapiteln kommt etwas Abwechslung auf, wandelt sich der Schulreport zur drastischen Krimiklamotte.

Girls at Play (1969) wirkt wie ein Theaterstück:

Die ersten 15 Kapitel spielen meist in ein oder zwei Wohnzimmern der Lehrerinnen. Die wenigen weiteren Schauplätze danach: Eine Landkneipe, eine Polizeistation und eine verkommene Siedlung. Es gibt nur wenige Darsteller. Die Schülerinnen spielen gar keine Rolle.

Afrika auch nicht. Ähnlich wie manche Tropen-Bücher von Graham Greene könnte auch Girls at Play ganz woanders stattfinden. Über lange Strecken interessiert sich der Amerikaner Paul Theroux eher für den Unterschied zwischen Amerikanerinnen und Engländerinnen, letztere schneiden deutlich schlechter ab. Neben den weißen Frauen in den Hauptrollen erhalten gegen Buch-Ende ein paar Afrikaner kleinere Auftritte – und sympathisch ist in diesem Buch niemand.

Theroux nutzt eigene Erfahrungen aus den 60er Jahren:

Eine Hauptfigur im Buch arbeitet für das US-amerikanische Peace Corps – so wie Theroux von 1963 bis 1965 in Malawi (danach unterrichtete er vier Jahre in Uganda). Die Schule aus Girls at Play erinnert an das kenianische Institut, an dem Theroux seine erste Frau kennenlernte, eine Engländerin. Die Kneipe und ihr Inhaber aus Girls at Play erinnern an den kenianischen Schuppen, in dem Theroux einst mit V.S. Naipaul und dessen erster Frau Patricia einkehrte.  Naipaul verarbeitete den Pub ebenfalls, in der Erzählung In einem freien Land; bei Theroux kehrt das Etablissement drei Jahrzehnte später in Sir Vidia’s Shadow wieder.

Girls at Play ist deftige, grob gehobelte Satire, die man leicht runterliest, mit betont unterschiedlich geschnitzten Charakteren. Der noch sehr junge Paul Theroux zeigt hier in seinem dritten Roman nichts von seiner später so beeindruckenden Beobachtungsgabe und den knappen, perfekt sitzenden Dialogen. Man erfährt auch nicht viel von Afrika und wenn, dann nur Negatives; einige Sätze der Hauptfiguren klingen derb rassistisch und frauenfeindlich. Die Atmosphäre ist weit weniger dicht als in anderen Afrikakapiteln von Theroux, etwa in Sir Vidia’s Shadow, Mein geheimes Leben oder Mein anderes Leben (die beiden letzten auch auf Deutsch zu haben).

Fazit:

Schwächen offenbart Theroux bei den gedehnten Rückblenden in den ersten Kapiteln und beim wild schlingernden Schluss nach langem Vorgeplänkel. Immerhin gibt es in diesem frühen Buch aber noch nicht das später fast obligate Theroux-Alter ego.

Girls at Play steckt mit zwei weiteren frühen Afrika-Romanen von Paul Theroux auch im Sammelband On the Edge of the Great Rift.


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