Afrika-Satire: Dschungelliebe (engl. Jungle Lovers), von Paul Theroux (1971) – 5 Sterne

Semi-Satire über Revoluzzer und Versicherungsverkäufer in einem verkommenen Afrika

Ein amerikanischer, weißer Versicherungsvertreter trampelt durch Malawi in den 60ern; statt Policen zu verkaufen, verrennt er sich zwischen Bretterhütten und Puffschänken. Alternierend erleben wir den ebenfalls weißen Revolutionstruppkommandeur Marais und seine schwarze Schlägertruppe im Dschungelcamp; anders als die Werbung suggeriert, bekommen Versicherungsmann und Revoluzzer wenig miteinander zu tun.

Das Afrika-Buch entstand in Singapur:

Als Theroux Dschungelliebe (engl. Jungle Lovers) verfasste (erschienen 1971), war er bereits von Afrika nach Singapur weitergezogen. Vielleicht hätte er gern über Singapur geschrieben, aber das untersagte ihm sein Dozentenvertrag in dem Stadtstaat. Also produzierte er seinen Singapur-Roman Saint Jack erst, nachdem er von Singapur nach England wechselte (vgl. Therouxs Vorwort zum Sammelband On the Edge of the Great Rift (1996), der neben Jungle Lovers auch die frühen Afrika-Romane Fong and the Indians und Girls at Play enthält; alle von mir hier besprochen).

Beim Vergleich mit Therouxs etwas älteren Afrika-Romanen Fong and the Indians und Girls at Play fällt auf: Theroux wird in Jungle Lovers deutlich vulgärer, malt Körperfunktionen genüsslich aus, beschreibt auch mehr Gewalt und stellt Afrika nochmal negativer dar (die Gedanken- und Lieblosigkeit; der Dreck; die kalte Gewalt; das Selbstmitleid und das Anspruchsdenken). Außerdem ist Jungle Lovers deutlich länger. Wie in den früheren Afrika-Romanen sind die Hauptakteure Nichtafrikaner.

Qualitäten – und Abstriche:

Theroux schreibt schöne Dialoge, satirisch-lakonische Beschreibungen und führt seine Helden lustvoll in immer neue Bredouillen; richtig gute, atmosphärisch dichte Afrika-Passagen lieferte Theroux allerdings erst weit später, in den mehr oder weniger autobiographischen Büchern Mein geheimes Leben (engl. My Secret History), Mein anderes Leben (engl. My Other Life) und Sir Vidia’s Shadow; noch später, im Reisebericht Dark Star Safari, schneidet das Afrika von 2004 sehr schlecht ab und das Buch ist kein Genuss. Die bekannten Afrika-Romane von V.S. Naipaul sind besser.

Die Kapitel in Jungle Lovers schalten zwischen dem Versicherungsmann und dem Revolutionär hin und her. Das Ganze wirkt beim Lesen noch heterogener, als es in meiner Beschreibung klingt. Dem Buch schadete wohl auch die Entstehungszeit von über zwei Jahren (Theroux hatte in Singapur nicht viel Zeit zum Schreiben und erkrankte noch dazu). Die Tölpeleien des Versicherers wirken noch wie eine drollige, wenn auch unrealistische Satire; die Aktionen und Grübeleien des Buschrevolutionärs befremden vor allem.

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