Afrika-Reisebuch: Dark Star Safari, von Paul Theroux (2002) – 6 Sterne

Das hat mir gefallen:

  • Auf den ersten Seiten eine Afrika-Zusammenfassung, die sehr dicht wirkt und genau meine Erfahrungen widerspiegelt (obwohl meine Afrika-Reisen nicht in die Länder aus Dark Star Safari führten)
  • schöne Begegnungen u.a. in wenig bekannten Gegenden des Sudan und Äthiopiens
  • Treffen mit Nahgib Mahfous (sehr orientalisch) und Nadime Gordimer an den Anfangs- und Endpunkten der Reise
  • überwiegend sehr untouristische Ziele und Reisemittel, keine Parallelen zu Geo Saison oder Abenteuer & Reisen (mit störenden Ausnahmen in Ägypten und Südafrika)

Diese Punkte überzeugen weniger:

  • gelegentlicher billiger Spott etwa über die US-Regierung, über „wealthy people too lazy to read“, über Ausländer-Englisch und immer wieder über die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen; hier vermisst man besonders die Abgeklärtheit von V.S. Naipauls Reiseberichten
  • natürlich auch selbstgefälliges Ablästern über Safari-Touristen
  • und um die Selbstgerechtigkeit herauszustreichen, ein komplett harmloser Bericht über den entzückenden Aufenthalt in einem – Safari-Camp (mehr banale Sightseeing-Prosa folgt in Kapstadt)
  • manche Kapitel beginnen mit Verallgemeinerungen oder Landeskunde; der Südägyptenteil hat mehr Belehrung als Reiseerlebnisse; ein Einstieg mit einem konkreten Erlebnis zieht mich viel besser ins Buch
  • viel zu viele Bezüge auf Conrads Heart of Darkness (er liest es ein Dutzend mal auf der Reise)
  • wiederholte Vergleiche von Afrika mit einem „dark star“, die wohl den wolkigen Buchtitel rechtfertigen sollen
  • zu viele Bezüge auf seinen sechzigsten Geburtstag, sein Aussehen und die „erotische Novelle“, die er abends im Hotelzimmer verfasst
  • der häufige Wechsel von Kultur und Land lässt alles etwas beliebig wirken, so wie ein RTW-Trip in zwei Monaten; letztlich bevorzuge ich Reisen und Reisebücher, die sich auf eine weniger große und diverse Region konzentrieren
  • manche Anekdoten oder besondere Momente werden zu deutlich auserklärt, an sich schöne Beschreibungen dadurch mitunter im letzten Satz entwertet
  • säuerlich müffelnde Altherren-Fantasie über drei verschwitzte Krankenschwestern in einem dreckigen Hotelbett im afrikanischen Hinterland
  • endloses Meilen-Runterreißen ohne viel Erkundungen rund um den Victoria-See
  • kaum eine Erwähnung der Jahreszeit und ob das Wetter den Erwartungen entspricht; nicht oft ein Hinweis auf Visumbeschaffung
  • unübersichtliche Afrika-Karte, in der die Route nicht eingezeichnet ist
  • keine Fotos

Ungefähr ab Seite 200, ab Khartoum, zog mich das Buch in seinen Bann. Theroux beschreibt ein Afrika, in dem Bettler in einstigen Kolonialbauten campieren und alles verfallen lassen; indische Händler, die sich um ordentliche Buchführung bemühen, werden darob von den Afrikanern verspottet und ausgewiesen; weiße Siedler in Zimbabwe werden vertrieben und ermordet; jeder verlangt selbstverständlich Geldgeschenke, keiner will dafür mal arbeiten – das ist Theroux‘ Afrika.


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