Rezension Afrika-Reisebericht: Show Me the Magic: Travels Round Benin, von Annie Caulfield (2002) – 8 Sterne

Annie Caulfield hat ein Talent für humorige, kurzweilige Reisebeschreibung (immerhin verfasst Caulfield auch Ratgeber für Reise- und Radioautoren). Caulfield beweist einen genauen, liebevollen Blick für eigenwillige Typen und wunderliche Sprache, und Benins erstaunliche Bräuche (Voodoo, Vielweiberei, krakeelende Lokalmonarchen) beschreibt sie ohne mit der Wimper zu zucken.

Auch ihre eigenen Bräuche verschweigt Caulfield nicht: mit Trinkgeldern für die Großen und Süßem für die Kleinen hält sie nicht zurück, speziell wenn etwas ihr Herz berührt.

Wie auf einer eigenen Entdeckungsreise:

Caulfield besucht teils typische Touristenplätze, etwa das See-Dorf Ganvié oder die Sklavenstätten in Ouidah, erzählt aber so davon, dass es nicht nach Touristentrampelpfad klingt. Sie verschweigt dabei andere Reisegruppen, aufdringliche Bettler und Verkäufer nicht. Dennoch hat man immer das Gefühl, auf einer ganz privaten Entdeckungsreise zu sein.

Ganz privat – aber immer unter der Fuchtel von Isidore. Isidore ist der Taxifahrer, mit dem Caulfield zu immer neuen Touren aufbricht. Er sagt ihr, wann und wo sie schlummern oder auch auf Toilette gehen soll.

Widerworte goutiert Isidore kaum, doch dass Caulfield seinen Heiratsantrag ablehnt, verwindet er scheint’s schnell. In den meisten anderen Punkten, beichtet Caulfield amüsiert, fügt sie sich Isidores Regiment. Ganz offenbar ist er kein typischer Beninois (er seufzt gern über „Afrikaner“), aber er gibt den perfekten Begleiter und Hauptdarsteller für eine Journalistin, die über Benin schreiben will.

Wo die Autorin weniger überzeugt:

Ein paar Misstöne gibt es auch. Caulfield lästert etwas arrogant über Billigreisende aller Altersklassen. Christliches Eifern beschreibt sie herablassend, während alle anderen Religionen mehr Respekt bei ihr genießen.

Caulfield lässt sich sogar für Reportagezwecke in einem Voodoo-Tempel initiieren. Ein gewisser „Bambi-äugiger“, so Caulfield, Theodor entziffert ihr Schicksal aus dem Blut frisch geköpfter Hähne.

Caulfield hat auch ein Buch über eine Liebesbeziehung mit einem Jordanier geschrieben („Kingdom of the Film Stars“). Von intimen Situationen mit ihrem westafrikanischen Taxikapitän Isidore hören wir nichts, auch wenn sein Körperbau sie offenbar in Schwindel versetzt.

Auch grübelt Caulfield öffentlich über Isidors Gedanken und Gefühlswelt nach. Aber mehr war nicht, jedenfalls falls nicht in den Zeilen.

Spannende Mini-Dramen:

Nicht alles ist Anekdote oder Historie. Caulfield liefert spannende Mini-Dramen – raffiniert Irrsinn mimende Bettler, verstörend peinliche Bittsteller, entwurzelte Togolesen, liebenswerte Alte: Wir lernen sie kennen und blättern mit dem Gefühl einer echten Begegnung weiter. Auch Feste schildert Caulfield lebhaft bis begeistert, ohne dass sie in Ausrufezeichen ausbricht oder auch nur ihre milde Ironie vergisst.

Das Englisch dieses Buchs fiel mir noch leichter als, sagen wir, ein Lonely Planet-Reiseführer. Oder ist es nur das heiter-ironische Parlando der Annie Caulfield, das einen beschwingt über Vokabeldefizite hinwegträgt?

Tageszeitungen trudelten ein, Wochenzeitungen trudelten ein, aber ich habe weiter Caulfield gelesen, konnte „Magic“ volle 370 Seiten lang nicht weglegen, obwohl das Buch auf kein Ziel zusteuert, es ist nur eine Ansammlung von Ausflügen in Benin: Die heitere Landpartie mit Annie und Isidore ist einfach zu vergnüglich.

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