Rezension Afrika-Dokumentation: Der gekaufte Konsul – The Ambassador (2011, Regie Mads Brügger) – mit Trailer und Gesamtfilm – 7 Sterne

Regisseur Mads Brügger reiht Klops and Klops in dieser Dokumentation, in der er selbst die Hauptfigur ist:

  • Er besorgt sich einen liberianischen Diplomatenpass
  • er führt sich in Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, als angehender Konsul Liberias ein
  • er schließt seltsame Verträge mit einem windigen Diamantenförderer
  • er plant den Bau einer Streichholzfabrik, importiert einen indischen Streichholzfabrikexperten und…
  • …will für diese Fabrik Pygmäen anheuern, die dann alkoholisiert für ihn tanzen

Versteckte Kamera:

All das kommentiert Brügger nonchalant und hochgradig zynisch. Zu diesem Ton passt auch seine Erscheinung: immer in feinstem Tuch, edlen Schuhen, Sonnenbrille, Zigarre oder Zigarette mit Zigarettenhalter im Mund – und eine attraktive blonde Sekretärin anbei.

Offenbar filmt der dänische Regisseur meist heimlich und dekouvriert auch Diplomaten Indiens und Italiens als Geschäftemacher, ebenso wie verschiedene Figuren Liberias und der Zentralafrikanischen Republik bis hin zu Verteidigungsminister Jean-Francis Bozizé, Sohn des damaligen Präsidenten. Wir lernen auch weiße Diplomatenpasshändler kennen.

Dreist inszeniert:

Es ist unterhaltsam, wie Brügger immer neue Knallchargen trifft und selber die schmuckste Knallcharge von allen abgibt. Oft redet er bewusst hohles Zeug daher.  Wahrscheinlich trägt er meist eine Sonnenbrille, damit sein Grinsen nicht auffällt.

Auch ein Ausflug in ein Rebellengebiet gehört zum Programm. Ernsthaftes Interesse an den Ländern hat Brügger nicht. Er will nur seine Farce durchexerzieren. Allerdings: Gegen Ende manövriert Brügger sich in eine sehr komplizierte Lage, und wie er diese überwindet, lässt er in seiner Dokumentation völlig offen.

Störend bei der deutschen Ausstrahlung:

Störend bei der Ausstrahlung in ZDF Kultur: Über das englische Voice-over legt der deutsche Sender noch ein deutsches Voice-Over-Voice. So redet die deutsche Stimme permanent über dem Klangteppich der englischen Stimme, die immer erst ein paar Silben nach der deutschen endet.

Und dann bringt die deutsche Fassung auch noch Klöpse bei der Übersetzung wie „mit lichtscheuen Absichten“ (O-Ton „with hidden agendas“). Nach meiner Erinnerung wird auch „Zentrale Afrikanische Republik“ gesagt statt „Zentralafrikanische Republik“, aber das kann ich nicht unter Eid behaupten.

Manchmal fragte ich mich: Hat Brüggen wirklich den Pass gekauft? Die Geschichte wirklich so erlebt? Oder spielt er ein doppeltes Spiel? Veräppelt Brügger uns mit einer komplett gespielten Geschichte, in der er die Afrikaner veräppelt?

Diese Ahnung beschlich offenbar auch A.O. Scott in der New York Times:

Unless, that is, “The Ambassador” is even more of a hoax than it seems to be. This strikes me as plausible, since somebody having this much fun in such proximity to horror may not be completely trustworthy.


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