Rezension Action-Film: James Bond jagt Dr. No (1962, mit Sean Connery, Ursula Andress) – 3 Videos – 7 Sterne

Dieser erste James Bond überhaupt ist ausgesprochen gediegen und kultiviert: Sean Connery mit Toupet und maßgeschneidertem Dress macht bellissima figura als Spion seiner Majestät (darum werfen sich ihm alle Filmfrauen zu Füßen, und er lässt keine unbeglückt); ursprünglich war die Rolle für Cary Grant gedacht. Die Außenaufnahmen stammen fast alle aus Jamaika, nicht spektakulär, aber angenehm tropisch und in den Clubs und Büros gepflegt kolonial – eine Atmosphäre wie bei Graham Greene.

Erst nach mehr als einer Stunde wechselt Bond, James Bond, zum vorgelagerten Inselchen Crab Key; dort verschanzt sich Bösewicht Dr. No. Hier lässt der Film nach, auch wenn die Schweizerin Ursula Andress noch so aufreizend aus den Fluten steigt: Andress‘ Filmname Honey Rider ist zu pubertär erdacht (allerdings so ähnlich schon im zugrundeliegenden Roman), ihr Charakter undefiniert, der feuerspuckende Panzer mit aufgemaltem Drachenmaul zu lächerlich, ebenso wie einiges an Dr. Nos Atomgruft, die Raketenstarts auf Cape Canaveral stören kann.

Vergleich zu späteren Bond-Filmen:

  • relativ wenige und wenig verstörende Morde (insgesamt 16)
  • ausgesprochen lange, ruhige Dialoge, auch lange wortlose Szenen voll drohender Gefahr
  • einiges wird zu deutlich ausgesprochen und erklärt; allerdings auch:
  • sehr einfach zu verstehende Handlung
  • kaum Ortswechsel
  • besonders kurz (110 Minuten)
  • weniger Humor
  • kaum Action, wenig Feuerbälle (der Film wurde mit nur einer Million Dollar sehr billig produziert, er lieferte dann reichlich Gewinn)
  • Dr. Nos tropischer Inselbunker samt Bikiniblondine ließ mich an den 74er-Bond denken, Der Mann mit dem goldenen Colt
  • im 2002er-Bond, Stirb an einem anderen Tag, wiederholen Hale Berry und Pierce Brosnan die erste Begegnung von Sean Connery und Ursula Andress am Meer (und noch später liefert Priyanka Chopra einen ähnlichen Auftritt im Bollywoodschwank Dostana) (beide Videos unten)

Kritiken:

Dieser erste James Bond überhaupt wurde meist gelobt und erhält 7,3 von 10 Publikumssternen bei IMDB (Kritikerzitate bei Rotten Tomatoes). Hintergründe bei IMDB und Wikipedia.

Variety:

„An entertaining piece of tongue-in-cheek action“

Variety 2012:

„Connery, looking as handsome as he ever did or will… one of the series’ least memorable adversaries — and no doubt its most unforgettable Bond girl

Time Out:

„Looking back with hindsight, one realises the extent to which the later films got bigger but not better, relying on expertise rather than creativity, and reducing film-making to committee decisions“

New York Times:

„Strictly a tinseled action-thriller, spiked with a mystery of a sort. And, if you are clever, you will see it as a spoof of science-fiction and sex… so wildly exaggerated, so patently contrived, that it is obviously silly and not to be believed… it’s nonsense — pure, escapist bunk, with Bond, an elegant fellow… these things happening so smoothly in the lovely Jamaica locale, looking real and tempting in color“



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