Rezension Kinofilm: Beste Chance (2014, Regie Markus H. Rosenmüller, Teil 3 der Beste-Trilogie) – 5 Sterne – mit Trailer & Presse-Links

Im ersten Teil waren sie fast nur in Tandern und Hilgertshausen (Beste Zeit, 2007). In Beste Gegend, 2008, schafften sie es schon bis zum Brenner. Und Teil 3 der Trilogie spielt nun zum guten Teil in Indien: Anna Maria Sturm als Kati und die Bauernväter Andreas Giebel und Heinz-Josef Braun stolpern durch Delhi, Ashrams und Rishikesh, auf der Suche nach vermissten Freunden oder Angehörigen.

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Alte Bekannte:

Die liebgewonnenen Figuren, Kulissen und Requisiten aus den früheren Filmen sind wieder da: Der Ricki, der Toni, die Eltern, die gruselige Rockband, das Vereinsheim, der olle Daimler.

Indes, früher war alles besser: Teil 1 hat mehr Kraft als Teil 2, und Teil 3 fällt nochmal ab. Die Witze in Teil 3 sind einfach zu platt. Die Bayern in Indien verhalten sich zu unglaubhaft dämlich und naiv, und auch die Missgeschicke und Liebeshändel in den bayerischen Szenen haben was von „Stadl“.

Dazu mehrere unglaubwürdige Zufälle und drastische (teils umgekehrte) Geschlechterklischees. Der Gebrauch von Handys einerseits und der völlige Verzicht auf E-Mail-Kommunikation andererseits harmonieren nicht. Die genannten Ortsnamen passen teils geografisch nicht zusammen, und die bekannt strapaziöse indische Visaprozedur scheint die Protagonisten bei ihren Blitzreisen gen Hindustan nicht aufgehalten zu haben. Die ruhigen englischen Songs wirken auf Dauer zu aufdringlich.

Außerdem: Die zwei Filmfreundinnen Kati und Jo (Anna Maria Sturm und Rosalie Thomass) haben diesmal nicht eine einzige gemeinsame Szene: Sturm sieht man nur in Indien, Thomass nur im Dachauer Land. Die Energie, die dieses Duo nur im Duo erzeugt, fehlt also diesmal auch.

Out of India:

Rosenmüller drehte schon seinen frühen Kurzfilm Hotel Deepa in Indien, auch Autorin Karin Michalke reiste dort bereits privat. Doch im Film bleibt das Land diffus, ein Curry aus Straßendieben, grinsenden Rikschawallahs und allerlei Statisten. Länger im Bild ist nur ein Straßenmädchen, das aber keine Persönlichkeit entwickelt, sondern blass oder willkürlich nach dramaturgischen Erfordernissen agiert (ein sehenswerter Spielfilm mit echten indischen Straßenkindern ist Salaam Bombay).

Nicht auf Stop gedrückt habe ich, weil ich doch wissen wollte, wie sich am Ende alles auflöst. Aber ich war weder bewegt noch habe ich gelacht. So blöd wie in dem Film können die gar nicht sein.

Zur Bluray:

Meine Scheibe enthielt Interviews mit allen Hauptakteuren, teils als Fernsehaufzeichnung des BR, der den Kinofilm mitproduziert hatte. Am interessantesten vielleicht die kurze Begegnung mit Drehbuchautorin Karin Michalke, die das Skript zu allen Beste-Filmen lieferte und die man sonst nicht sieht. Die vier Minuten Drehbericht „Hinter den Kulissen“ sind belanglose Schnipsel.

Die Bluray liefert Trailer zu allen drei Beste-Filmen. Auch sie zeigen klar, früher war es besser.

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„Scharf am Klamauk vorbei…“ – die Kritiker:

Süddeutsche Zeitung:

dieses Sichtbarwerden der Zeit verleiht dem Film einen unschlagbaren Charme.

EPD-Film:

Das klassische Spiel mit den sich kreuzenden Wegen und knapp verpassten Treffen arbeitet Marcus H. Rosenmüller zu einer indisch-bajuwarischen Komödie aus

Film.at:

Überhaupt Indien: Sobald Rosenmüller seine bayerische Scholle verlässt, verflacht seine Erzählkraft zu schalen Tourismusklischees aus dem Reiseladen.

Kino-Zeit.de:

So wird auch Indien zum Dorf, in dem Kati an den unwahrscheinlichsten Orten plötzlich jemanden aus Tandern trifft.

Filmclicks.at (mit dem deutlichsten Verriss):

Der Film ist eine Promenadenmischung aus alternativem Arthaus-Kino und spießigem Komödienstadl, die außer Langeweile nicht viel zu bieten hat.

Spielfilm.de:

Fazit: Charmante, mit leisem Humor ausgestattete Heimat-Komödie und gelungener Abschluss einer echten Wohlfühl-Trilogie

Film-Rezensionen.de:

Die schon in Beste Gegend auftretenden Tendenzen der Übersteigerung und übertriebenen Zufälligkeit finden hier ihre Fortsetzung.

Mehrfilm.de:

Die Darstellung des Subkontinents als kriminalitätsgesättigte Touristenfalle und Fluchtpunkt für Sinnsucher ist dabei nicht frei von Klischees

Stuttgarter Nachrichten:

Rosenmüller hat ein Gespür für komödiantisches Timing… Dabei ist Rosenmüller weit entfernt vom Komödienstadl, von dem er nur die Kulisse borgt

Rheinische Post:

Schade nur, dass er für Indien nicht dasselbe Gespür für Echtheit entwickelt wie für seine bayerische Heimat. Der Subkontinent bleibt exotisches Ausflugziel

Deutschlandfunk:

Die geniale Verbindung von Tragischem und Komischem, die Rosenmüller in seinem Debüt „Wer früher stirbt ist länger tot“ gelang, die wird man hier vergebens suchen.

Bild:

Regisseur Rosenmüller (40) begeistert erneut mit einer liebenswerten, das Herz berührenden Dramedy voll bayrischem (und indischem!) Lokalkolorit.

Welt:

Obwohl Rosenmüllers Situationskomik oft den Zufall strapaziert und manch dramaturgische Wendung klamottig und wie nicht auserzählt erscheint…



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