Tropen Frucht (Fragment) [Story auf Deutsch]

Das mußte der „Beach Park“ sein. Ich ließ mich an einem dieser knorrigen Ironwood-Bäume nieder und atmete auf. Geschafft. Angekommen.

Wenige Meter vor mir begann ein schmaler Kieselstrand. Dahinter schwappte satt blau der Pazifik. Ein paar vergammelte Fischerbötchen waren dort verankert, und zwischen den Kieseln steckte eine weiß-gelbe Plastiklatsche. Wohltätig strich eine Brise vom Meer herein. Auf der kleinen Sportfläche in meinem Rücken spielten ein paar schwarze Kids Volleyball. Ich lehnte mich an den mächtigen Baum und streckte alle viere von mir. Ameisen gab es offenbar nicht. Wunderbar. Jetzt erlaubte ich mir ein Nickerchen.

Hawaii. Es ist ein endloser Trip bis hierher, jedenfalls wenn man auf die billige Tour reist wie ich. Dann geht es mit dem D-Zug zwischen grauen Malochern nach Frankfurt Hbf, mit der S4 zwischen grellbunten Urlaubern zum Flughafen, mit United Airlines von Frankfurt nach Washington, von Washington nach Los Angeles, von Los Angeles nach Honolulu. Weiter kommst du an dem Tag nicht mehr. Du trittst erstmals in die feuchtheiße tropische Atmosphäre – wie in ein Aquarium -, suchst den City-Bus, fragst dich zum vorgebuchten Hotel durch, hievst Dein Gepäck am nächsten Morgen in den Bus zurück zum Airport, besteigst den Inter-Island-Flieger auf die Insel, die tatsächlich Hawaii heißt, läufst dir die Hacken ab nach der Autovermietung, lehnst den angebotenen Upgrade auf Standardklasse ab und forderst Subeconomy wie geordert, bekommst dann Standardklasse zum Subeconomy-Preis, weil sie gar kein Subeconomy dahaben, kurvst über verschlungene Ausfahrten mit rätselhaften Hinweisschildern, findest den Highway Nummer 11, rauschst an traumhaftem Meeresblick vorbei nach Süden, guckst hektisch auf die Karte und merkst, daß du nach Holulaloa wieder zurück mußt, aber im Holulaloa Inn hat ein gewisser Desmond tatsächlich das telefonisch verabredete Zimmer für Dich. Weiter Blick über Land und übers Meer. Es ist mittags, die Sonne knallt; dein Kopf sagt Mitternacht, du bist müde und gerädert.

Aber ins Bett ging ich natürlich nicht – nicht am ersten Tag im Paradies. Nein, ich wollte das Revier erkunden, das ich mir für die nächsten zwei Wochen ausgesucht hatte. Also – Dusche, und wieder raus auf die Piste. Der Ford lief wie am Schnürchen, aus den Boxen perlte Softpop, der Highway Nummer 11 nach Süden war voll schöner Ausblicke und Kaffeebuden. Zwischendurch störten ein paar massive Betonburgen; doch als mich die Müdigkeit plötzlich massiv erwischte, hatte ich diese Touristenghettos schon hinter mir und schnurrte durch eine Steppenlandschaft, die mit schwarzgrauem Lavageröll durchmischt war. Ich wollte mich ein paar Stunden in den Schatten legen und vielleicht eine Cola trinken oder den örtlichen Kona Coffee. In dem Moment kam der Wegweiser nach Milolii. Milolii? Ich fuhr rechts ran in den Staub und wälzte den Reiseführer. Angeblich gab es in Milolii einen schattigen „Beach Park“; genau das Richtige für einen ermatteten long distance traveller mit jet lag.

Ich bog auf die Straße nach Milolii ein. Der bequeme Überland-Highway wich hier einer ramponierten Piste voller Schlaglöcher. Diese Straße fiel in steilen Kehren drastisch zum Meer ab und eröffnete weite Ausblicke auf die karge, abweisende Felsenküste. Ein oder zwei verbeulte Pickups kamen mir entgegen und zwangen mich zu hakeligen Ausweichmanövern zwischen Staub und Steinen. Am Steuer saßen Schwarze, die mich finster anguckten; mein fabrikneuer Standardklasse-Ford outete mich natürlich als Standardklasse-Tourist – weiß. Unten gurkte ich auf Lehmpiste zwischen ein paar baufälligen Holzhütten mit Wellblechdächern durch – das sollte wohl der Ort sein – und stellte mein Auto neben einem Volleyballfeld ab; dort droschen ein paar schwarze Kids den Ball über eine Wäscheleine. Dazu drei Bäume, ein Picknick-Pavillon und ein kleiner Kieselstrand: Offenbar war das der „Beach Park“ von Milolii – gut genug für einen Schlummer. Ich suchte mir ein schattiges Plätzchen und achtete auf eine Entfernung zum Spielfeld, die die Sphäre der Kids nicht störte; ich jedenfalls glaubte, genug räumlichen Abstand hergestellt zu haben; ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt nicht als Trampel und weißer Eindringling.

Die Brise, das Meeresrauschen und die Rufe der Volleyballer trugen mich in den Schlaf. Irgendwie rumpelte ich immer noch mit United Airlines durch die Stratosphäre, fühlte unsicheren Boden, wollte ankommen, tastete durch Gänge, fingerte nach Gepäck – als mich ein Schubser aus dem Schlummer riß.

***

Der Volleyball hatte mich getroffen. Ich tauchte aus Traumwolken auf und sah, wie eine Jugendliche – schwarz – in meine Richtung trottete, um den Ball zu holen, der gleich neben mir auskullerte. Sollte das eine Art feindselige Attacke sein, ein Signal, daß ich besser abhaue? Das Mädel spazierte mit einem betont gelangweilten Blick auf mich zu. Sie kam barfuß daher, trug olivgrüne Shorts und ein rotes T-Shirt, das sie in die Hose geschoben hatte. Sie hatte ein fast noch kindliches Gesicht, aber schon einen gehörigen Busen. Im Sitzen reckte ich mich nach dem Ball und versuchte dabei, weder ungeschickt, noch lächerlich, noch übereifrig zu wirken; nein, ganz lässig warf ich der Teenagerin das Plastik-Ei zu. Sie fing es ohne jedes Signal des Danks auf und schlurfte zurück zu den anderen. Besonders groß war sie nicht. Sie trug den Kopf sehr aufrecht, ein Gummiband hielt ihre buschigen, dichten Locken zu einem Zopf zusammen. Ich nahm ihre kurzen, knubbeligen, aber kraftvollen Beine wahr und darüber einen drallen, stolz gereckten Hintern. Unter den Shorts zeichnete sich die Bikinihose ab.

Prall, dachte ich. Tropen Frucht.

Als sie – immer noch ungemein cool – den Kopf zurück drehte, stießen unsere Blicke aus Versehen aufeinander. Was für ein fremdes Gesicht!

Axel hatte mich schon vorgewarnt: „Da laufen lauter Traumfrauen rum.“ Und: „An die kommste all nich ran. Sind alles Schwarze.“ Naja, eine Traumfrau war diese Teenagerin kaum. Eher schon eine frühreife Tropen Frucht – dabei nicht unapettitlich. Keine Frage: Uns trennten Welten. An einem anderen Tag hätte ich nichts gegen Smalltalk oder gegen ein kleines Volleyball-Match. Doch so distanziert, wie die sich gab – vergiß es, dachte ich. Ich lerne niemanden aus Milolii kennen, stattdessen massenhaft Kalifornier und Paderborner in meinem Hotel in Holulaloa.

***

Kalifornier, Paderborner und keine Einheimischen, darüber versackte ich wieder im Dämmer. Ich muß länger geschlafen haben. Als mich der Volleyball ein zweites Mal am Arm traf, war die Sonne ein gutes Stück weiter. Das Meer leuchtete noch intensiver, der Himmel war klarer, die Brise weg. Außerdem vermißte ich die Geräusche der Volleyballer. Und richtig: Das Spielfeld war leer. Der Ball trudelte wieder neben mir aus, und auf mich zu trottete – Miss Tropen Frucht. Ich wich ihrem Blick aus und betrachtete interessiert das blaue Meer. Diesmal würde ich mich nicht verrenken, um ihr den Ball zukommen zu lassen. Ihre Kumpels waren längst weg; ich mußte also glauben, daß sie mich mit dem Wurf bewußt angepeilt hatte.

Diesmal trug sie übliche Strandlatschen. Flap flap flap. Ich hörte sie näherkommen und widmete mich voller Interesse dem Studium der Meeresoberfläche. Flap flap flap. Sie ging hinter mir her, flap flap, griff sich den Ball, flap, und blieb stehen. Was sollte das jetzt? Ich kam nicht umhin, ich sah sie an. Ihr Gesicht war wieder betont ausdruckslos. Und doch, lange hielt ich diesem Blick nicht stand. Irgendwie brannte er.

„Hi“, sagte sie.

Ich auch: „Hi.“

Und dann geschah es. Sie hauchte: „Wonna see fine beach?“

Schlaftrunken, wie ich war, mußte ich erstmal realisieren, daß hier jemand mit mir redete, daß es die unnahbare Tropen Frucht war, und daß ich mich auf ein schwarzes Pidgin-Englisch einzustellen hatte. Ihre rauhe, tiefe Stimme kroch durch mein träges long distance Germanen-Hirn, in dem es vier Uhr nachts war. Ich rieb mir die Augen. Konnte es wahr sein? Tropen Frucht an Touri: Fine beach. Touri: [ratlos]. Wieder ein Blickkontakt, diesmal in Rekordlänge von drei Sekunden. Wonna see fine beach?

„Yes“, sagte ich geistreich. „Why not?“

Darauf legte sie den Ball wieder hin. „Okay.“

Sie zeigte vom Ort weg Richtung Süden und schlappte gleich los. Ich mußte mich erstmal aufrappeln, ausgiebig strecken und diverses Blattwerk von meinen Kleidern fegen. Immer noch benebelt, griff ich meinen Daypack und nahm die Verfolgung auf. Gut, daß sie nicht sah, wie ich bei diesen ersten Schritten noch taumelte. Immerhin war es anregend, ihren wogenden Prunk-Hintern im Blick zu behalten. Aus der Hals-Öffnung ihres T-Shirts guckte ein Bikini-Träger.

Wir gingen über den sandigen Grasstreifen, der parallel zum Kiesstrand verlief. Das Dorf verschwand hinter uns. Wir erreichten einen monströsen Stacheldrahtzaun samt übergroßem, knallig rotem Schild: PRIVATE PROPERTY! NO TRESPASSING! Hier bog sie Richtung Wasser ab, schlurfte auf ihren Plastiklatschen über das Geröll und zeigte mir ein akzeptables Loch im Stacheldraht, durch das ich hindurchschlüpfen sollte.

Ich deutete auf das dramatische Schild: „No problem?“

„No“ meinte sie, „fine.“ Ich glaube, ich sah dabei ein flüchtiges, geringschätziges Lächeln.

Ich schob mich durch die Maschen und hielt die Drähte für sie hoch. Bald kamen ein paar schwarze, zackige Lavafelsen, die ich als natürlichen Schlußpunkt akzeptiert hätte. Mit ihren dünnen Plastiklatschen turnte das Mädel darüber wie eine Gazelle. Ich hatte viel mehr Probleme, trotz meiner festeren Sandalen. Lässig sprang Tropen Frucht über eine Felsspalte, die mir gar nicht geheuer war. Unten schwappte brackiges Pazifikwasser, es roch moderig herauf. Schließlich setzte ich hinterher und griff dankbar die Hand, mit der sie meine Landung absicherte. Dieses Ereignis eines Hautkontakts erreichte mein Bewußtsein aber erst später. Oben auf dem Felsen wirkte die Berührung äußerst selbstverständlich und unspektakulär. Sie führte mich über einen kleinen Trampelpfad durch sperriges Unterholz. Ich überlegte, ob ihre Kumpels gerade meinen Mietwagen der Standardklasse auseinandernahmen. Alternativ konnten sie auch hier aus dem Gebüsch springen und mich mit Hilfe eines Buschmessers nach Kreditkarte und PIN-Nummer fragen.

Tropen Frucht blieb stehen. Und da lag sie, wirklich, eine sehenswerte Bucht: Über vielleicht 400 Meter ein edel geschwungener Streifen weißen Sandes, wie man ihn hier auf der Vulkaninsel wirklich nicht vermutet hätte. Zehn, zwanzig Meter vom Wasser entfernt standen zwanglos die ersten, hohen Palmen, von der Nachmittagssonne golden angestrahlt. Der Strand schien menschenleer zu sein. Gleich auf unserer Seite schlängelte sich ein glitzerndes Bächlein durch den Sand.

„That’s really fine“, kommentierte ich. Vielleicht hatte sie ja auf eine Bemerkung gewartet, auch wenn ihr Gesicht nichts dergleichen erkennen ließ. Ein kurzes Stück abwärts durch rötlichen Staub, dann waren wir am Strand. Ich riß sofort die Sandalen von den Füßen und stapfte durch den Sand – ich liebe diese Zone, die nur bei jeder siebten Welle Wasser abbekommt, dort, wo der Sand angenehm kühl und naß, aber doch fest genug zum Schlendern ist. Ein wunderbares Gefühl. Jetzt erst kam ich so richtig auf der Insel an.

Sie ging ein paar Schritte rauf zu einer Palme und blickte forschend zu mir herüber. Meine Befangenheit hatte deutlich abgenommen. Wer mich zu einem solchen Strand führt, ist kein böser Mensch. An einen Überfall glaubte ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich stieg zu ihr hin und war sogar so gelöst, daß ich kühn ihren Blick erwiderte.

Sie: „Wonna swim?“

Hawaiis Strände sind berühmt für gefährliche Strömungen, und vielleicht gab es auch Haie. War doch ein Überfall geplant? Ein tragischer Unfall vielleicht? Gleichwohl wirkte das Wasser ruhig und einladend. Weit draußen schien es ein Riff zu geben, das alle wesentlichen Wellen brach. Allerdings: Meine Badehose steckte noch im Daypack. Und ich glaube, in Hawaii läßt kein weißer Touri locker den Feinripp sinken, um sich vor einer schwarzen Teenagerin umzuziehen.

„Not dangerous?“ fragte ich. Ich paßte mich ihrem coolen Tonfall an.

„No. Fine.“

Hm. Das Wasser war verführerisch, der Nachmittag vom Feinsten – mehr bereits, als ich vom Urlaub erwarten konnte -, und nachdem sie mich an diesen edlen Platz geführt hatte, wollte ich mich nicht als Spielverderber aufführen und ihre weiteren Erwartungen an einen Standardklasse-Touristen enttäuschen.

„So – let’s go“, sagte ich also betont tatendurstig.

Dann folgte etwas Nettes. Ich wußte ja längst, daß sie unter ihren Klamotten einen Bikini trug. Gleichwohl verschwand sie schicklich hinter der Palme, die uns als Basislager diente, und stieg erst dort aus Shorts und T-Shirt. Als sie wieder auftauchte, registrierte ich ihre begehrenswerte, braune, glatte Kinderhaut, die delikat kontrastierte mit dem roten Bikini. Sie hatte noch etwas Dralles, fast Babyhaftes. So, wie sie ihre Kleidung hielt und die Arme verschränkte, sah ich von ihren Brüsten nicht viel. Das war aber nur gut, denn die Entblößung hatte die Befangenheit wieder gesteigert.

Ich fand meine eigene Situation viel komplizierter. Ich mußte mich ja noch komplett umziehen. Aus und an. Mit der Unterhose ins Wasser zu steigen schied aus, da ich nicht an das Gummi glaubte und damit das Problem ohnehin nur verschob. Während ihrer Gymnastik hinter der Palme hatte ich es vor lauter Krampf und Grübelei gerade mal geschafft, Handtuch, Sonnencreme und Badehose aus dem Daypack zu wühlen. Ich rätselte immer noch, wie und wo ich mich taktvoll umziehen konnte. Sollte ich mir das Handtuch schamhaft um die Lenden wickeln und den Höschen-Wechsel-Dich-Stunt auf einem Bein hinlegen? Sie blickte ausdruckslos auf den Wust in meiner Hand. Dann ließ sie ihren Packen lässig in den Sand plumpsen und marschierte ohne weitere Worte zum Wasser. Offenbar hatte sie meine Nöte erkannt und wollte mich für ein paar Sekunden aus ihrem Radar herausnehmen. Sehr aufmerksam.

Während sie diskret an der Wasserlinie stand und sich die Zehen vom Ozean kitzeln ließ, breitete ich hastig das Handtuch im Sand aus. Ich war so verschämt, daß ich mich tatsächlich im Sitzen umzog. Ich riß mir hektisch die Sommerjeans samt der Unterhose von den Knochen; natürlich verhakte sich alles an den Fersen, der Pimmel war ein paar quälende Sekunden länger als nötig am Tageslicht, bevor ich mich in die Badehose wälzen konnte. Dann zog ich das T-Shirt aus. Ich legte meine Klamotten neben ihre und rückte das Sammelsurium gleich wieder ein Stück weg – bloß nicht zuviel Nähe inszenieren.

Inzwischen stand das Mädel bis zu den Knien im Wasser und strich sich lässig etwas Naß auf die Oberschenkel. Sie wartete wohl ab, daß ich die Prozedur hinter mich bringe. Schade, daß ich so hektisch war, sonst hätte ich mir bestimmt ihren wonnigen Bikini-Hintern näher angeguckt. Stattdessen fiel mir, als ich gerade aufstehen wollte, die Sonnencreme ins Auge. Und auch wenn es höchste Zeit war, mich locker zu ihr zu gesellen – die Sonnencreme mußte sein. Deutsche Delial, Schutzfaktor 26 Tiefen-Hautschutz, wasserfest, australischer Standard. Ich bin ein heller Typ, und gerade das reflektierte Licht an der Wasseroberfläche röstet mich kurzum krankenhausreif. Zwar kam ich mir – vor einer Schwarzen, einer Einheimischen – lächerlich vor, dieses Tuben-Touristen-Ritual in einem solch heiklen Moment noch akribisch zu vollziehen. Aber vielleicht bemerkte sie es auch gar nicht. Sie drehte nur einmal halb verträumt den Kopf, als ich – zum Glück schon wohlverpackt in der schwarzen Erima-Badehose – auf dem Handtuch saß und Schutzfaktor 26 auf meinen empfindlichen Nasenrücken wienerte. Aber ich kann nicht sagen, ob sie mich tatsächlich gesehen hat dabei.

Sie watete geruhsam ein paar Schritte hinein. Ihre Hände spielten im Wasser, der Po schwebte knapp über dem Pazifischen Ozean. Jetzt hatte ich schon Augen für dieses Naturschauspiel: Diesen Hintern, der das Bikinihöschen vor eine Zerreißprobe stellte, diesen Po, der augenscheinlich kein „verlängerter Rücken“ sein wollte, sondern stolzgeschwellt eine Existenz als eigenständiger Körperteil herausstellte. Üppig. In dem Moment schwappte eine brutale Müdigkeit über mich hinweg. Mir fehlte eine komplette Nacht Schlaf.

***

Dabei war jetzt der Moment, an sie heranzutreten, wie sie so einsam und verlassen im Wasser stand. Vorsichtig von hinten auf sie zuzuschlingern, auf diese rotgeschürzte, stämmige Boje, Geräusch vermeidend. Sie könnte sich ja umdrehen, wenn sie wollte. Wenige Zentimeter hinter ihr würde ich stehenbleiben. Ich stellte mir vor, daß sie auf die Annäherung gar nicht reagiert, sondern in ihrer coolen Pose verharrt. Vielleicht merkte sie gar nicht, daß ich – ? Erst mit Verzögerung flutet eine Gänsehaut über ihre dunkelbraunen, mit ein paar Wassertropfen gesprenkelte Schultern. Ein kostbarer Moment. Ich sah ein Goldkettchen, das sich locker um ihren Hals schmiegt und einen magischen Kontrast zur Hautfarbe bildet – vor allem auf der Gänsehaut. Mich würde interessieren, was sie für einen Anhänger an dem Kettchen trug. Durfte ich –

Frau-Mann, Schwarz-Weiß, Teenie-Oldie, Arm-Standardklasse: Ich hatte ohnehin ihre Sphäre verletzt, sie duldete mich schweigend, mehr noch, fast schon bildeten wir ein gemeinsames Gravitationszentrum – sofern sie meine Präsenz überhaupt zur Kenntnis nahm. Ich könnte mich also ihrem stämmigen Rücken noch einen heiklen Zentimeter weiter nähern und, jede Berührung vermeidend, über ihre Schulter lugen. So, wie der Meeresboden dort abfiel, schienen wir auf einer Höhe. Ich blickte direkt an ihrer Wange und an der knubbeligen kleinen Nase vorbei. Mein Kopf neben ihrem. Ich sah herab in ein neues Tal, auf ein imposantes, dunkles Gebirge, ein Gewölbe mit tiefem, anziehendem Spalt, das in eine rote Hängematte gebettet ist. Ein Landschaft, die sich vielleicht etwas mehr hebt und senkt, als Sauerstoffaufnahme allein dies verlangt.

Private property. Welch ein Augen-Blick.

Wahrscheinlich müßte ich ein Hohlkreuz machen, um sie nicht anzurempeln. Am Kettchen ein kleines Kreuz aus Gold. Christlich?

Nächsten-Liebe zeigte sie jedenfalls. Ich sah nicht, daß sie endlich den Bann bricht und ins Wasser springt; sie blieb stehen und ließ die Berge atmen. Ein, aus. Ein, aus. Hawaii, The Big Island of Hawaii, ist eine junge, vulkanische Insel. Die Tektonik ist hier sehr lebendig. Touristen fühlen sich davon angezogen.

Jede grobe Regung könnte alles zum Einsturz bringen. Ein Sightseeing-Hubschrauber, der um die Ecke biegt, wäre die Katastrophe. Und darum führte ich meinen rechten Zeigefinger besonders behutsam ins Wasser, bewußt weit hinter ihr; hob ihn mit viel Abstand über ihre Schulter und senkte ihn erst dann auf ihr rechtes Schlüsselbein. Dort setzte ich einen Wassertropfen ab, ganz vorsichtig, einen einzigen kleinen Tropfen. Der nahm sofort den Weg nach schräg unten: zum Brustbein, dann schnell weiter bis zum Kettchen, eine ernsthafte Hürde. Während jetzt erst eine verspätete Gänsehaut über ihre Schultern zog, vielleicht sogar über die Wange, der ich so nah war, kämpft der Tropfen mit dem Kettchen, windet sich durch Lücken, mogelt sich weiter, gleitet am Kreuz entlang und – findet heim, ins Tal zwischen den Hügeln. No trespassing. Doch. Das Wasser versickert in den Kavernen. Ich möchte ihm folgen. Ich hütete mich, in ihr Gesicht zu blicken, das nur als dunkle Ahnung neben meinem schwebte. Ich hätte auch nicht gewollt, daß sie mein Gesicht sah – gierig.

Ich könnte noch mehr Mut entwickeln. Das Girl hatte eine Coolness drauf, die mich provozierte. Ihre Freunde durften derweil gern meinen Mietwagen zerlegen, ich kannte nur noch ein Ziel: dem Wassertropfen hinterher, versinken zwischen braunen Brüsten, mit Gänsehaut paniert.

Der obere Träger ihres Bikini-Oberteils lief an ihrem Hals, unter ihrem Zopf zusammen. Welch ein Wagnis: Ich würde ihren Zopf vorsichtig anheben. Gleich über dem ersten, gut gepolsterten Halswirbel läuft der Bikini-Träger in einem rechteckig-flachen, silbernen Verschluß zusammen. Den Verschluß mußte ich gut studieren, bevor ich zur Tat schritt. Es durfte keinesfalls zu peinlichen Fehlversuchen kommen. Er schien oben und unten zwei kleine Drücker zu haben; Ich würde den Zopf gar nicht erst zurück auf ihre Schulter legen – zuviel Berührung. Ich würde das Haarbüschel mit dem linken Handrücken hochhalten und gleichzeitig versuchen, in einer möglichst beiläufigen Aktion ohne Hautkontakt das Verschlußplättchen mit Daumen und Zeigefinger links anzuheben und mit dem rechten Daumen und Zeigefinger die zwei Drücker an den flachen Seiten des Verschluß-Plättchens zu erwischen. Dies müßte die Metallzunge, die den rechten Zweig des Trägers abschloß, aus der Kupplung freigeben.

Es funktionierte! Mein Herz klopfte natürlich wie rasend. Da stände ich, mit den zwei entkoppelten Trägerteilen einer halbwüchsigen Hawaiianerin in den Händen. Und die? Macht auf cool. Ich spürte ein deutliches Gewicht an den Strippen.

Mein Blick war streng auf ihren Hinterkopf gerichtet. Ich hatte keine Wahl, ich mußte den Zopf von meinem Handrücken schnöd auf ihre Schulter rutschen lassen. Jede andere Choreographie hätte noch mehr Unruhe gestiftet. Immerhin steckte sie diesen Schlag reglos weg.

Da stand ich also und hielt die zwei Bikinistrapse in der Hand. Wie ein ratloser Zauberer, der auf seinen eigenen Trick hereinfällt. Ich riß mich zusammen und rückte abermals näher. Ich versuchte, die Schnüre in einer Spannung  zu halten, in der sie sich vor meiner Aktion befanden. Dazu mußte ich die Strippen, als ich näher kam, ein Stück höher halten. Dieser Anblick wäre von außen bestimmt sehr merkwürdig. Es hatte vielleicht etwas von Marionettentheater oder von Südsee-Voodoo.

Etwas würde mich am Brustbein kitzeln – eine vorwitzige Strähne ihres Zopfs! Doch sie läßt nicht erkennen, ob dieser Kontakt sie so getroffen hat wie mich. Ich rücke ein Stückchen nach rechts, um den Haaren auszuweichen. Schon bin ich wieder auf Höhe ihres Gesichts, kann, über das Schlüsselbein hinweg, zu Tal blicken und in die Berge hinein, deren Gestalt ich mit meinen zwei Bändern jetzt in der Hand habe.

Ich bin jetzt der Herr der Brüste. Vorsichtig hebe ich den linken Träger an, ziehe ihn nach außen. Die Spalte zwischen ihren Brüsten wächst und ruft. Ich lasse die Brust zurückwandern, das Tal wird enger, bis es sich ganz schließt: Reibung zwischen den Hügeln. Dann lasse ich beide Ballons, Millimeter für Millimeter, steigen – in der Anspannung sehe ich deutlich, wie das Auf und Ab ihres Atems sich mit meiner Choreographie paart. Schließlich senke ich die Schnüre, und ihr Gebirge folgt der Schwerkraft, neigt sich zum Wasser, bleibt aber auch dann füllig, als ich jegliche Spannung aufgebe und die Träger lose baumeln lasse.

Und jetzt. Was mache ich jetzt mit diesen Trägern. Das Spiel wurde allmählich ernst, und ein Rückzug an dieser Stelle hätte vieles erleichtert, schien mir aber technisch fast nicht machbar, wenn man peinliches Gefummel vermeiden wollte. Wer dachte denn auch, daß sie das alles über sich ergehen läßt? Daß sie stillhält. Ich konnte das nur als billigende Inkaufnahme auffassen. Schließlich hatte ich sie zu nichts gezwungen, jederzeit hätte sie zwei Schritte zur Seite gehen können, und ich wäre der Blamierte gewesen. Aber nichts dergleichen. Private property? No problem.

Ich arbeite mich also mit den Füßen im Meeressand noch einmal wenige Nanometer näher zu ihr heran; vorbeugen konnte ich mich nicht weiter, weil ich dann lächerlich auf sie gekippt wäre. Arbeite mich näher und lege die Träger so aufmerksam, wie es nur geht, auf ihre zwei Trabanten. Dann ziehe ich meine Hände zurück.

Die Brüste wären damit ein Stück weiter freigelegt. Doch die Brustwarzen und die Unterseite stecken noch immer in den Körbchen. Die Schnüre baumeln über den Abgrund ins Freie.

Ich muß weiter gehen, noch weiter gehen, noch weiter gehen. Meine Hände sind nur kurz ohne Beschäftigung. Ich führe sie an den Hüften und an den herabhängenden Armen der schweigsamen Lady vorbei und fische vor ihrem Bauch nach den Bikini-Bändeln, die irgendwo von ihren Hügeln herunterhängen müssen. Sicher wieder ein eigentümliches Bild, aber ich bekomme beide Schnüre zu fassen. Jetzt kann ich sie freilegen! Schälen! Auspacken! Ich fange an, die Leinen sacht nach unten zu ziehen, die roten Körbchen millimeterweise vom braunen Fleisch zu schälen, Millimeter für Millimeter – da –

– unterbricht sich mich. Endlich.

Ich wollte ja auch gar nicht mehr. Ich fand nur aus dieser Rolle nicht heraus, aus diesem abschüssigen Tal, in das ich kopflos gestolpert war. Ich erwartete, daß sie mich anbrüllt, daß sie mir eine scheuert, in den Sack tritt, daß sie den Bikini festzurrt und ein paar große schwarze Brüder heranpfeift. Ich bereute bitter, jemals nach Hawaii geflogen zu sein.

Stattdessen kümmerte sich das Mädchen gar nicht um mich. Es streckte sich nur ausgiebig und verscheuchte dadurch wie zufällig meine Hände und Arme, die an ihren herabhängenden Bikiniträgern zupften. Das leicht hektische Durcheinander unserer Arme zerstörte freilich den Zauber der letzten Minuten. Dieser Hautkontakt war zu grob.

Doch die Ohrfeige blieb aus. Tropen Frucht, halb geschält, geruhte nur zu räkeln. Vielleicht waren die Arme eingeschlafen. Bewegung muß sein. Dann setzte sie die Hände auf ihre weit ausgestellten, gebärfreudigen Hüften – und fixierte lässig die Cumulusfront am Horizont.

Das hieß ja wohl – durfte ich –

Ich nehme also in meiner Vorstellung einen neuen Anlauf. Fische um ihre unpraktisch plazierten Arme herum wieder nach den baumelnden Tau-Enden ihres Oberteils, gehe sogar leicht in die Knie deswegen, was mir fast den tiefen Blick über ihre Schulter nimmt. Wieder ziehe ich mit äußerster Behutsamkeit an den Enden – sie kann jederzeit unterbrechen -, bis der Kraterrand erscheint, die rechte Brustwarze. Ich hole mit links auf, um Gleichstand herzustellen, fördere millimeterweise zwei kleine, fast schwarze, tief gefurchte Brustwarzen zutage; versage mir jeden sightseeing stop, und lege schließlich zwei markante Nippel bloß, die scheinbar steif – gerade noch sichtbar – in Richtung Wasser ragen.

Ich lasse ihre Körbchen nach unten klappen, die Strippen hängen ins Wasser. Das Oberteil ist ja immer noch mit dem unteren Träger, der durch die Speckpolster ihres Schulterblattes schneidet, an die Frau gebunden.

Pause. Ihre Brüste liegen frei. Schwammig, füllig. Dunkelbraun am Meer.

Kein Foto-Modell, nein. Aber eine Tropen Frucht.

Voll reif.

Fine Beach.

Private Property.

Ich muß sondieren. Versuchen, aus dem Rhythmus ihres Atems, aus winzig kleinen Bewegungen in ihrem dunklen Gesicht gleich neben mir, eine Stimmung zu dechiffrieren. Auch sollte ich einen Blick hinter mich werfen – hatte diese feine Bucht denn keine Besucher? Aber ich weiß schon, daß ich längst über den Punkt hinaus war, wo man überlegt und vernünftig handelt wie ein vernunftbegabter deutscher Touri. Jetzt bekam ihre feine Brust Besuch.

Um ihre ausgestellten Arme herum lenkte ich meine Hände zu ihren Brüsten. Ich öffnete die Handteller und ließ sie flach auf ihr Gewölbe sinken. Es fühlte sich kühl an, kühl, frisch und eher fest, nur leicht schwabbelig. Ich würde meine Finger spreizen, um sie möglichst ganz zu umfassen.

Sie verharrt in ihrer Pose. Ich lasse die flachen Handteller langsam auf und ab wandern. Streife ihre kernigen Brustwarzen, bewege mich auch über die Unterseite, gleite langsam wieder höher, signalisiere per Gegendruck, daß ich ihre Atembewegungen empfange.

Dann erwischt mich eine Art Krampf. Ich muß die Arme unbedingt ausschütteln, auch wenn das jetzt der unsensibelste Zeitpunkt ist. Soll ich sagen, wie so ein Tonband bei United Airlines: „Please hold on – I’ll be back in a minute“? Ach, Schwachsinn. Vorsichtig löse ich meine Hände von ihren Brüsten, recke sie erleichtert zur Seite – da rührt Tropen Frucht sich auch: Sie nimmt die Hände von den Hüften und – scheuert mir eine? – nein, läßt die Arme einfach nach unten baumeln, rührt mit den Fingerspitzen im Wasser.

Hey, damit habe ich viel freieren Zugang. Ich kann sogar die Füße im Sand neu sortieren und mit ungeahntem Komfort zurückkehren zu ihren Brustwarzen. Ich massiere beide Stöpsel mit Daumen und Zeigefinger. Da kommt eine neue Gänsehaut über die rechte Schulter, und sie zeigt endlich Reaktion: Bewegt ihren Körper in Wellen, atmet hörbar, reckt mir ihre Brüste entgegen, wenn meine Arme sich zurückziehen. Ich rolle weiter ihre linke Brustwarze zwischen zwei Fingern und fange mit rechts an, die ganze Brust zu massieren und zu kneten. Ihre Windungen werden heftiger. Ich rolle ihre linke Warze über drei, vier Finger, immer schneller, werde mit rechts immer rabiater, umfasse schließlich beide Dinger mit vollen Händen und knautsche, was das Zeug hält.

Dabei geht ihr Kopf ständig rauf und runter. Das bringt mich auf eine neue Richtung. Die rechte Brust behalte ich, doch mit links wandere ich Schritt für Schritt nach unten. Streiche – mit flacher Hand, um sie nicht zu kitzeln – über ihr gepolstertes Bauchfell; erkunde die Bauchnabel-Region; knete die rechte Brust und kraule mit links auf den Saum ihres Bikinihöschens zu. Streiche am Rand entlang um ihren Leib herum, lasse den kleinen Finger vielleicht auch mal den Bund um eine Winzigkeit anheben. Test: Macht sie das mit? Ich glaube, sie will es. Sie preßt ihren Leib eher noch härter gegen mei

 

 

 

 

 

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